Wärme, Hoffnung und Liebe

Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Neukirchen-Vluyn: Bürgermeister Harald Lenßen, Heribert Hölz und Kardinal Vinko Puljic (v.l.n.r.). Foto: Heike Cervellera
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  • hochgeladen von Susanne Schmengler

Er kam als Freund, und er war unter Freunden. Das war zu spüren, als Kardinal Vinko Puljic, Erzbischof von Sarajevo, jetzt zu Gast in Neukirchen-Vluyn war. Trotz eines voll gespickten Terminkalenders ließ es sich der Vorsitzende der Bischofskonferenz von Bosnien und Herzegowina nicht nehmen, an der Feier des 20-jährigen Bestehens der Bosnienhilfe der Caritas teilzunehmen.
„Ich danke euch, dass ihr da seid. Und ich bin heute hier, um Gott zu danken, um für euch zu beten und für all diejenigen, die uns in den letzten 20 Jahren in Bosnien geholfen haben“, betonte er zu Beginn des Pontifikalamtes in der Karmelkirche in Duisburg.
„Ich sehe in Ihnen Simon von Cyrene, der Jesus geholfen hat, das Kreuz zu tragen“, so der Kardinal. Die unzähligen Menschen in Duisburg und am Niederrhein hätten durch ihre tatkräftige Hilfe und ihr Gebet geholfen, „unser Kreuz in Bosnien zu tragen“. In der Predigt erzählte der Kardinal von seinem Land, das von 1992 bis 1995 einen traumatischen Krieg erlebt hatte, dessen Narben noch heute deutlich sichtbar und zu spüren sind, äußerlich wie auch in den Herzen der Menschen auf dem Balkan. „Die Not ist immer noch groß. Normalität hat sich noch nicht eingestellt“, berichtete der Kardinal. Alte Menschen müssten versuchen, mit einer monatlichen Rente von 150 Euro zu überleben, wenn sie überhaupt eine Rente bekämen. Eine Grundsicherung gebe es nicht und auch „keine Aussicht auf eine geregelte Ökonomie“. Auch 17 Jahre nach Kriegsende seien immer noch ganze Landstriche verwüstet, herrsche vor allem in den ländlichen Gebieten immer noch bittere Armut. „Viele leben in Ställen oder zerstörten Häusern, leben von der Hand in den Mund“, so Puljic.
Er beklagte, dass Bosnien aus dem Fokus der Weltöffentlichkeit verschwunden sei und die internationale Hilfe seit langem nachgelassen habe. Umso ergreifender sei es für ihn, dass Menschen am Niederrhein seit 20 Jahren „an unserer Seite stehen, uns nicht allein lassen und helfen“, betonte der Kardinal.
Herzlich dankte er Heribert Hölz, dem aus Neukirchen-Vluyn stammenden Initiator und Motor der Duisburger Bosnienhilfe, und dessen Ehefrau Ursula. „Er gibt den Menschen in unserem Land, vor allem den Ärmsten der Armen, Wärme, Hoffnung und Liebe, gibt ihnen eine Chance, weiter leben zu können“, so Puljic. Er zählte die vielen Projekte auf, die Heribert Hölz ins Leben gerufen hat: von der Lebensmittelhilfe, den Patenschaften und Suppenküchen über den Wiederaufbau von Kirchen, Kindergärten und Schulen bis hin zur Unterstützung von Kleinbauern-Genossenschaften oder Schaf-Projekten. „Ihr Motto ist die Hilfe zur Selbsthilfe“, betonte der Kardinal.
War für die Helfer schon allein der Besuch des Kardinals ein „wunderbares Zeichen des Dankes“, erhielten sie zusätzlich noch ein Buch als Geschenk. „Von Lebertran bis Slivovic. Vom Kriegskind zum Bosnienhelfer“ heißt der Titel. Das 160 Seiten starke Buch ist soeben erschienen (wir berichteten).
Geschrieben hat es Heribert Hölz. Er lässt sein Leben Revue passieren - vom Duisburger Kriegskind und Halbwaisen, das aus ganz einfachen Verhältnissen stammt, bis hin zum Erwachsenen, der sein berufliches und ehrenamtliches Leben der Nächstenliebe widmet, die Bosnienhilfe der Duisburger Caritas gründet und dabei unter Einsatz seines Lebens auf dem Balkan unermüdlich den Ärmsten der Armen hilft.
„Die Hilfe muss weitergehen“, betont Heribert Hölz. Man könne die Menschen in Bosnien nicht im Stich lassen. Die Kraft, dies alles noch im fortgeschrittenen Alter zu tun, schöpft Hölz aus dem Glauben und seinem Verständnis vom Christsein: „Wir sind aufgerufen, denen zu helfen, die in Not sind, christliche Nächstenliebe in die Tat umzusetzen“, sagt Hölz immer wieder, wenn man ihn nach seiner Motivation fragt. Und er sagt das mit großer Bescheidenheit: „Ich konnte und kann das alles überhaupt nicht alleine machen. Der Dank gilt vor allem den ehrenamtlichen Helfern, die Jahr für Jahr mit anpacken, und den vielen Spendern und Unterstützern in Duisburg, am Niederrhein und darüber hinaus.“

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