Medaille für Peter Maffay / Bundesweite Woche der Brüderlichkeit in Recklinghausen eröffnet

Preisträger Peter Maffay (4.v.r.) mit Vertretern des Deutschen Koordinierungsrates und Festrednern, darunter Bürgermeister Christoph Tesche (l.) und Ministerpräsident Armin Laschet (3.v.l.).
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  • Preisträger Peter Maffay (4.v.r.) mit Vertretern des Deutschen Koordinierungsrates und Festrednern, darunter Bürgermeister Christoph Tesche (l.) und Ministerpräsident Armin Laschet (3.v.l.).
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Mit einer Feier vor rund 1.000 Gästen im Ruhrfestspielhaus wurde am Sonntag, 11. März, die bundesweite Woche der Brüderlichkeit eröffnet. Im Mittelpunkt der Veranstaltung, durch die heute-Moderatorin Gundula Gause führte, stand die Ehrung Peter Maffays. Der Musiker wurde für sein soziales und völkerverbindendes Engagement mit der Buber-Rosenzweig-Medaille ausgezeichnet.

Veranstaltet wird die Woche der Brüderlichkeit seit 1952 von den Gesellschaften für Christlich- Jüdische Zusammenarbeit. Die mittlerweile 84 Gesellschaften werden vom Deutschen Koordinierungsrat als bundesweite Vereinigung vertreten. Seit 1968 wird während der Eröffnungsfeier die Buber-Rosenzweig-Medaille an Persönlichkeiten verliehen, die sich um den christlich-jüdischen Dialog verdient gemacht haben.
In diesem Jahr ging die Ehrung an Peter Maffay. Wie Laudator Prof. Udo Dahmen, Direktor der Popakademie Baden-Württemberg, erklärte, belasse es Maffay, der 18 Nummer-Eins-Alben auf sich vereinen kann, nicht dabei, Musik zu machen. „Er ist ein Macher, geradlinig, und er sagt, was er denkt.“ Im Jahr 2000 gründete Maffay die nach ihm benannte Stiftung, die sich um traumatisierte, chronisch kranke, sozial benachteiligte und vernachlässigte Kinder kümmert. Dazu wurden mittlerweile vier Feriencamps errichtet, in denen bislang mehr als 1.000 Kinder betreut wurden. Zudem bringt die Stiftung deutsche, israelische und palästinensische Jugendliche zusammen, um „bei der jüngsten Generation das Verständnis füreinander durch gemeinsames Erleben zu befördern“, so Dahmen.

„Angst überwinden – Brücken bauen“

Mit Bezug auf das Motto der Woche der Brüderlichkeit „Angst überwinden – Brücken bauen“, das die diffusen Ängste und vermeintlichen Bedrohungen dieser Tage thematisiere, erläuterte Dahmen, dass man mit Maffay über mindestens sieben Brücken gehen wolle, „um die Ängste durch Begegnungen zu überwinden und den Gedanken der Toleranz als Brücke in der Kommunikation und als eine wesentliche Grundlage unseres Gemeinwesens zu erneuern“.
Die Buber-Rosenzweig-Medaille und die dazugehörige Urkunde erhielt Peter Maffay aus den Händen von Rabbiner Andreas Nachama, dem jüdischen Präsidenten des Deutschen Koordinierungsrats, sowie Friedhelm Pieper, dem evangelischen Präsidenten. Als Gründe dafür, dass die Wahl in diesem Jahr auf den 68-jährigen Musiker gefallen ist, nannte Pieper unter anderem dessen „entschiedenes Eintreten gegen antisemitische Tendenzen“ sowie, dass er als Musiker für Versöhnung auftrete und dass er mit seinem trilateralen Jugendaustausch das Bewusstsein der Teilnehmenden für Toleranz und friedvolle Koexistenz fördere.
Es wäre wunderbar, verriet Peter Maffay im Gespräch mit Gundula Gause, wenn das Austauschprojekt, das 2007 zusammen mit dem Land NRW initiiert wurde, wieder mit neuem Leben gefüllt würde. „Ich habe es sehr genossen, festzustellen, dass Jugendliche viel freier aufeinander zugehen“, berichtete er von seinen Erfahrungen, als er mit Jugendlichen nach Israel und Palästina reiste.
Viele der Redner während der Feier setzten ihre Hoffnung auf die junge Generation, und Dr. Margaretha Hackermeier, katholische Präsidentin des Deutschen Koordinierungsrates, betonte in ihrer Eröffnungsrede, dass der Auftrag, Brücken zu bauen, jedem einzelnen gelte.

Gemeinsame Erklärung von Christen, Juden und Muslimen

Ministerpräsident Armin Laschet ging in seiner Festrede mit Martin Buber auf einen der Namensgeber der an Maffay verliehenen Medaille ein und rief wie Buber dazu auf, andere Menschen in ihrer „Anderheit“ wahrzunehmen, zu bejahen und zu bestätigen. Er wünschte sich für den Gedenktag anlässlich der Reichspogromnacht am 9. November, „dass wir es schaffen, dass sich Christen, Juden und Muslime in Nordrhein-Westfalen gegen Hass, Völkermord und Antisemitismus in einer gemeinsamen Erklärung wehren“. Zudem hoffte er, „wenn es Anschläge auf Moscheen gibt, dass dann Juden und Christen sagen, dass sie das nicht akzeptieren“. Wie Andreas Nachama im Vorfeld des an die Feier anschließenden Empfangs des Ministerpräsidenten ergänzte, hatte es in der Nacht zu Sonntag in Berlin vermutlich einen Anschlag auf eine Moschee gegeben.
Lokalen Bezug erhielt die Eröffnungsfeier der Woche der Brüderlichkeit nicht nur durch die musikalische Untermalung durch die Neue Philharmonie Westfalen, sondern auch durch Bürgermeister Christoph Tesche und Landrat Cay Süberkrüb, die von Gundula Gause interviewt wurden. Beide bestätigten, dass es einen intensiven christlich-jüdischen Dialog in der Region gebe. Während Tesche auf die Geschichte der 1827 gegründeten Jüdischen Kultusgemeinde einging und erklärte, dass Recklinghäuser Vertreter im Mai anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Partnerschaft mit dem israelischen Akko dorthin reisten, berichtete Süberkrüb von Rolf Abrahamsohn. Der 93-jährige Marler, der der letzte Überlebende des Holocausts in der Region sei, erzähle Schülern seine Geschichte. „Das ist etwas, das Brücken baut“, so Süberkrüb.

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