Ausstellung des Gymnasiums Aspel der Stadt Rees
Es darf nie wieder Krieg geben

Zur Ausstellungseröffnung präsentierten die Ergebnisse ihrer umfangreichen Arbeiten.
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  • Zur Ausstellungseröffnung präsentierten die Ergebnisse ihrer umfangreichen Arbeiten.
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Durch Zeitzeugen die Grausamkeiten des Krieges verstehen

Am Montag stellten 15 Schülerinnen und Schüler, der bilingualen Oberstufenkurse in Geschichte, ihre Ausstellung „Wie Jugendliche in Rees das Kriegsende 1945 erlebten“ vor.

Fast genau vor 74 Jahren am 08.05.1945 endete der Zweite Weltkrieg. Nur wenige Wochen vorher, war Rees schwer umkämpfter Kriegsschauplatz. Im Rahmen des Projektes „In der Ebene – die andere Seite“ beschäftigten sich die Schüler der 10. und 11. Klasse gemeinsam mit ihren Geschichtslehrerinnen Manuela Kempken und Susann Rüther, sowie der Initiatorin Carla Gottwein, mit dem Kriegsende am Niederrhein.
       Der erste Teilaspekt der Ausstellung ist das szenische Lesen eines Tagebuchs, welches Helene Baumann im März 1945 geschrieben hatte. Sie war damals 16 Jahre alt und erlebte die letzten grausamen Tage des Krieges auf dem Grietherbuscher Vriendshof. Um den Inhalt der Aufzeichnungen besser nachvollziehen zu können, begaben sich die Schüler an den Originalschauplatz, um in originalgetreuer Verkleidung Ausschnitte aus dem Tagebuch vorzulesen und das Ganze mit der Videokamera aufzuzeichnen. 
       Vor Ort konnten die Schüler noch Schäden von Explosionen erkennen, die Helene Baumann in ihrem Tagebuch beschrieben hatte. Vor Ort bekamen sie ein besseres Verständnis dafür, wie sich das junge Mädchen, welches damals in ihrem Alter war, gefühlt haben könnte. Laut der Schüler lernt man dadurch die aktuelle Situation zu schätzen, da wir jetzt hier friedlich leben können.
       Sehr bewegend war für die Schüler auch das Zeitzeugeninterview mit Anni Schweers. Die Videoaufzeichnung davon ist Bestandteil der Ausstellung und wurde auch bei der Eröffnungsveranstaltung vorgestellt. Sie wurde 1927 geboren und war zum Kriegsende 17 Jahre alt. Bis zum Kriegsbeginn hatte sie eine unbeschwerte Kindheit in einer großen Familie in Haldern-Helderloh. Ihre Ausbildung konnte sie nicht mehr beginnen, ihre vier Brüder wurden eingezogen und sie musste sich um ihre alten Eltern kümmern. Drei ihrer Brüder fielen im Krieg und ihre Jugendzeit zwischen dem zwölften und 18. Lebensjahr war erfüllt von Traurigkeit, Angst und Todesnachrichten.
       Genaue Informationen über den Kriegsverlauf erhielten die Menschen damals nicht. Nachrichten, Bücher sowie die Radiosendungen, die man damals im Volksempfänger hören konnte, wurden zensiert und entsprachen daher selten der Wahrheit. Man wusste nicht einmal was in den Nachbarstädten passierte, nur die eigenen Erlebnisse wie Flieger und Bombenangriffe bekam man mit. Zusätzlich wurden die Menschen unterdrückt. Auch als längst das Ende des Krieges absehbar war, traute sich in Rees kaum jemand, das öffentlich zu äußern. Zu groß war die Angst vor Gerichtsverfahren, Gefängnis oder Hinrichtung durch das unterdrückende Regime.
       Nach Ende des Krieges, so erzählte Anni Schweers, war sie erst einmal unbeschreiblich glücklich, endlich keine Angst mehr. Doch die nachfolgenden Jahre waren alles andere als einfach, für die Menschen am Niederrhein. Sie berichtete von Armut, Hunger, Schwarzmarkt und über Kriegsgefangenenlager in der Nähe. Zum Schluss appellierte die jetzt 92-Jährige: „Es darf nie wieder Krieg geben. Ihr müsst dafür tun, was ihr könnt.“
       Abgerundet wird die Ausstellung durch verschiedene Dokumente und Gegenstände der Kriegs- und Nachkriegszeit. Größtes Exponat ist eine Tür aus dem Hause Leineweber in der Sahlerstraße. Der dazugehörige Raum war damals zur Lagerung von Vorräten von den Alliierten beschlagnahmt worden. „Stores. Keep out. This means you.“ (Lager. Draußen bleiben. Du bist gemeint) ist noch immer auf der Türe zu lesen.
       Auch das ausgestelltes schwarze Fahrrad erzählt eine Geschichte. Das Fahrrad sollte, wie viele andere Gegenstände und Dokumente, die den Alliierten, nach der Befreiung hätten von Nutzen sein können, verbrannt werden. Doch es konnte vom Eigentümer, einem Rechtsanwalt gerettet werden. Er war auf das Rad dringend angewiesen, um damit von Hof zu Hof zu fahren, um seinen Beruf ausüben zu können.
       Die Projektleiterin Carla Gottwein stellte den Schülern auch weitere zeitgeschichtliche Dokumente ihres Vaters, Bruno Leinweber, wie dessen Beschäftigtenkarte, Gesundheitszeugnis, Studentenausweis, Entlassungsschein, Schulbücher und sogar die originalen Entnazifizierungspapiere zur Recherche und für die Ausstellung zur Verfügung.

Dirk Kleinwegen / Stadtanzeiger Emmerich-Rees-Isselburg

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