Reeser Stadtführungen
Zeitreisen leicht gemacht

Der Henker ist eine seiner neusten Rollen. Recherche und Kostümwahl erfordern monatelange Vorbereitungen
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  • Der Henker ist eine seiner neusten Rollen. Recherche und Kostümwahl erfordern monatelange Vorbereitungen
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Heinz Wellmann seit zehn Jahren Gildemeister - Reeser spielt Mönch, Henker, Nachtwächter

Seit fast 13 Jahren ist Heinz Wellmann als Gästeführer aktiv. Zudem ist er Vorsitzender der Gilde der Nachtwächter, Türmer und Figuren. Seit 2016 ist Rees Sitz dieser Gilde mit 220 Mitgliedern.

Heinz Wellmann hat im Handwerk gelernt und gearbeitet. Mit Beginn des Vorruhestandes hat er die Nachtwächterei als sein großes Hobby entdeckt. „Geschichte, besonders das Mittelalter war schon immer ein großes Thema für mich, dass mich immer stark interessiert und auch geprägt hat.“ erklärt Wellmann. Auf die Idee zum Nachtwächter kam er beim Besuch der historischen Stadt Rothenburg ob de Tauber. „Die haben dort einen weiteren Nachtwächter gesucht. Ich war dermaßen beeindruckt, dass ich einen Moment überlegt habe, den Job anzunehmen“, erinnert sich Wellmann. Nach Rothenburg zu ziehen kam, nach kurzer Überlegung, dann doch nicht infrage und so begann Wellmann vor über zwölf Jahren damit, als Nachtwächter gewandet, Reeser und Gäste der Stadt durch das dunkle Rees zu führen. Nur kurze Zeit vorher hatte Heinz Belting mit diesen Führungen in Rees begonnen. Die Nachtwächterführungen sind seitdem in Rees außerordentlich beliebt. Zwischenzeitlich kamen noch andere Nachtwächter hinzu: Bernd Schäfer, Tommi Nienhuysen, Egon Schottek und sogar ein Nachtwächter-Lehrling: Jan Roos.

Nach dem Nachtwächter kam Hein vom Rhein

       Da Heinz Wellmann so viel Freude an dem Umgang mit den Gästen hatte, entschloss er sich noch weitere Rollen zu entwickeln. Als Hein vom Rhein führt er, als Fischer gewandet, am Rhein entlang und bringt den Gästen den Fluss, die Geschichte und das Leben am Strom näher. Als Kastellan von Empel berichtet er vom Burgleben und den früheren Bewohnern auf Burg Empel. Als Torwächter von Rees begibt er sich mit seinen Gästen auf eine Runde über Reese Wälle, durch unterirdische Kasematten oder in das alte Turm-Gefängnis. Dabei ist er stolz, dass eine Kasematte besucht werden kann, die normalerweise für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist.
       Nachdem Wellmann beim Bundesverband der Gästeführer einen Kirchenlehrgang absolviert hatte, kam ihm die Idee, als Mesner gekleidet durch die beiden unterschiedlichen Kirchen in Rees zu führen und vor allen Dingen die bauliche Geschichte zu erzählen.
       Als 2016 das deutsche Reinheitsgebot 500 Jahre alt wurde, begann der 64-Jährige mit einer Bierführung. Als Mönch „Paul Laner“ geht es seitdem, jedes Jahr Ende April, an zwei Tagen, jeweils durch vier Kneipen, Gaststätten oder Hotels. Acht verschiedene Biere werden getestet, dazwischen gibt es leckere Häppchen und passende Anekdötchen und Geschichten zum Thema Bier. Es geht dabei um die Geschichte der Reeser Brauereien, den Reeser Bierstreit oder die lokale Trink- und Bierkultur. „Diese Touren enden immer sehr heiter“, so Wellmann alias Paul Laner, „damit es nicht ganz so doll wird, ist immer eins der acht Biere alkoholfrei.“

Historisch korrekt und trotzdem heiter

       Als letzte Rolle kam noch der Henker hinzu. „Eine interessante Rolle, es ist historisch belegt, dass hier in Rees Henker gewirkt haben. Es gab hier in Rees sogar einen Richtplatz“, erklärt Heinz Wellmann. „Ich lege besonderen Wert darauf, dass meine Führungen geschichtlich und thematisch korrekt und seriös sind, mit viel Hintergrundwissen aber trotzdem auch heiter.
       Eine neue Rolle ist derzeit in Vorbereitung. Bevor so eine Führung an den Start gehen kann, ist Wellmann acht bis zehn Monate beschäftigt. Neben Recherche und Festlegung der Route muss noch ein passendes Gewand besorgt werden. Das fängt beim Schuhwerk und den Socken an und hört beim Hut auf. „Wenn ich die Leute in eine Zeit, beispielsweise das Mittelalter entführe, dann muss ich auch dementsprechend gekleidet sein“, so Wellmann. Zu dem passenden Outfit kommt dann aber immer auch die richtige mittelalterliche Sprache, die zeitgemäßen Redewendungen und passenden Geschichten hinzu. Er findet auch immer die passende Stimme: streng, ernsthaft, schnodderig oder lustig und locker – je nachdem wie es die Rolle verlangt. Zudem ist der Gästeführer mit einer sehr lauten kräftigen Stimme gesegnet. Führungen mit 120 Teilnehmer bespielt er alleine ohne Verstärker und Lautsprecher.

Nachtwächterführung als Highlight in der Kita

        Neben „normalen“ Stadtführungen kann Wellmann auch für Schiffsbegleitungen gebucht werden. Während einer Bootsfahrt mit den Fahrgastschiffen „Stadt Rees“ oder „Germania“ erfahren die Passagiere viel Wissenswertes über den Rhein und die Schifffahrt.
Ein ganz besonderes Erlebnis sind für Wellmann immer die Kinderführungen. In den Ferien gibt es spezielle Kinderführungen mit dem Nachwächter oder Hein vom Rhein. Zudem bietet er allen Kindergärten kostenlose Nachtwächterführungen an. Für viele Kita-Kinder ist das ein Highlight in ihrer Kindergarten-Zeit.
        Vor fast 12 Jahren hat sich Wellmann der Deutschen Gilde der Nachtwächter, Türmer und Figuren angeschlossen. Seit genau 10 Jahren ist er dort Gildemeister, seit fünf Jahre ist Rees sogar Sitz der Gilde. Unter seinem Vorsitz stieg die Mitgliederzahl von 81 auf 220 Mitglieder. Jedes Jahr finden fünf regionale und überregionale Gildetreffen statt. Zwei Veranstaltungen hat er schon nach Rees geholt. Die nächste Zusammenkunft in Rees ist für 2028 zur 800-Jahrfeier der Rheinstadt geplant.
        Wie bei seinen Kollegen in der Gilde gehen die Führungen im Moment, in Rees, Corona-bedingt gegen Null. „Dabei sehe ich trotzdem positiv in die Zukunft und hoffe das bald die Leichtigkeit und Heiterkeit wie früher wiederkommt und ich mit meinen Führungen und meiner neuen Rolle wieder starten kann“, erläutert Heinz Wellmann.

Dirk Kleinwegen / Stadtanzeiger Emmerich-Rees-Isselburg

Autor:

Dirk Kleinwegen aus Rees

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