„Einer, von 1,3 Millionen...“
Falsche Zahlen aus purer Berechnung

Die Veranstalter vom selbsternannten „Tag der Freiheit“ haben offiziell von 1,3 Millionen Teilnehmern gesprochen. Das haben sie sogar über Lautsprecherwagen an die Teilnehmer suggeriert. Tatsachen interessieren diese Leute offenbar wenig. Denn wenn man alt genug ist, Bilder und Nachrichten von der legendären Loveparade in Berlin gesehen zu haben, konnte man die sogenannten Meldungen über knapp eine Million Teilnehmer sofort als gelogen entlarven. Das hingegen konnten die euphorisierten und angeheizten Aluhut-Träger nicht erkennen. Schließlich sind sie mitten in der Menge gewesen.

Wirklich traurig macht mich, wenn ich mir die scheinbare Mischung dieser Menschen ansehe. Auch wenn es „nur“ 17.000 gewesen sein sollen. Regenbogenfarben neben der alten Reichsflagge. Nazisymbole neben linken Kampfzeichen. Das mutet echt bedrohlich an. Jean Pütz kommentierte das in seinem YouTube-Kanal mit den Worten, „diese Menschen waren wohl nur auf der Baumschule gewesen...“. Dabei denke ich, dass wir uns das so einfach nicht machen dürfen, diese Leute abzuhaken. Denn dann kommt ganz schnell wieder das (ab-)Hakenkreuz in die Erfolgsspur. 

Ich gehe davon aus, dass die tatsächlichen Verschwörer - also nicht die angeblichen, die Corona erfunden haben sollen - sondern die, die von dieser Anti-Theorie profitieren wollen, aus purer Berechnung die Menschen falsch informieren. Schwache Ideologien und schwache Menschen brauchen immer einen äußeren Feind. Ein Hassbild. Angela Merkel, Bill Gates und manchmal auch Menschen, wie Du und ich, sind dann Schlafschafe oder „böse“ ... suggerieren diese Demagogen den Leuten, die es nicht besser wissen möchten. Und das geht sogar ziemlich schnell, wie ich an verschiedenen Beispielen zeigen möchte.

Nehmen wir einmal die Gruppe von alten Menschen heraus, die in Tagesschau und anderen Bildern gezeigt werden, als Teilnehmer dieser illustren Gruppe. Oftmals mit Symbolen aus der linken Szene - oder aus der Marihuana-Legalize-it-Szene. Manchmal auch Menschen, die mit linken Kampfsymbolen scheinbar der ehemaligen DDR nachtrauern. Diese Menschen würde ich gedanklich in eine Schublade packen, mit einem Etikett, „von Gesellschaft und Leben abgehängt, isoliert und frustriert“. Bittere Mienen passen dann auch ins Bild, vergrämte Züge, zottelige ergraute Haare, leerer Blick. Diese Menschen hatten Sorgen und Ängste, die niemand zuvor politisch oder gesellschaftlich bedienen mochte. Das rächt sich nun, da diese alten weißen Männer - oder Frauen - beinahe jede Gelegenheit nutzen, um lautstark gegen die Bundesrepublik Deutschland zu wettern. Die DDR-Fans wollten vielleicht nicht einmal den Mauerfall. Unsere westliche Perspektive meinte nur, dass alle das so gewollt hätten, in der früheren DDR. Und wenn wir dann hören, dass „dort damals nicht alles schlecht gewesen ist“, hören manche nicht einmal mehr zu. Vor allem Politiker der etablierten Parteien, die für sich in Anspruch genommen haben, seit Jahrzehnten die Weisheit gepachtet zu haben...

Dann gibt es da die große Masse von Männern. Abbilder maskuliner Schönheit ... stellen sie zumeist nicht dar. Sie sind großteils alleinstehend, schwer vermittelbar sogar bei Vera Intveen, die sonst „jeden“ an die Frau bekommen kann. Frustriert, unbefriedigt, möglicherweise entsorgte Väter - die nur Unterhalt zahlen, ohne Umgang mit dem eigenen Nachwuchs. Die lautstark beim Jugendamt teilweise mit Reichsbürgerjargon und Stinkefinger den Abgrund gefunden haben. Systematisch radikalisiert durch Trolle und Köpfe der rechtsradikalen Szene, auf der Jagd nach Frischfleisch für die eigenen „Truppen“. In diesen scheinbaren Männerbünden und -Freundschaften gehen sie dann ganz auf. Fühlen sie zuhause. Dasselbe System, mit dem die Neue Ordnung in den 80ern ihre Wiking-Jugend rekrutieren konnte. Bier und Party. Vielleicht noch Sauigeln über den Sex, den Mann lange nicht mehr hatte - weil man ja alleine lebt. Gewaltbereitschaft ergibt sich dann hormonell - als Ersatzstimulanz. Interessanterweise passen auch diese Leute in die Schublade „von Gesellschaft und Leben abgehängt, isoliert und frustriert“. Wer hätte das gedacht, dass diese scheinbar politisch diametral vermuteten Menschen in ein Lager passen...

Aber schauen wir weiter auf die Teilnehmer vom letzten Samstag.

Da konnte man Funktionäre und T-Shirt-Träger der AfD sehen. Optisch erst einmal bürgerlich aussehende Menschen. Bieder gekleidet, gepflegt ... mit ihren provokanten und zweideutigen Transparenten. Die Brandbeschleuniger dieser Veranstaltung, die Multiplikatoren - die vielleicht für das falsche Addieren der Teilnehmer verantwortlich zeichnen. 

Welche Leute sind AfD-Funktionäre, stellt sich mir die Frage. Dabei komme ich nach kurzer Recherche zu dem Ergebnis, dass das Menschen sind, die in anderen politischen Organisationen entweder bisher nicht in Erscheinung getreten sind - oder dort schmählich scheiterten. Ein politisches Amt - nehmen wir Guido Reil von der AfD einmal zum Beispiel, auf überregionaler Ebene, nur in greifbarer Nähe durch Radikalisierung und populistischen Aussagen. Rhetorisch scheinbar besser geschult, als die o.a. Gruppen, „hauen sie bisweilen Aussagen raus“, die wiederum Schwächere motivieren können, Dummheiten zu begehen. Die Geschichte der Menschheit ist voll von vergleichbaren Mustern.

Daher wundert mich, dass die Politiker, die selbst bei 1,3 Millionen den größeren und vernünftigeren Teil der Deutschen vertreten sollten, so schweigsam geblieben sind - am letzten Wochenende. 
Auch der kleine Aachener macht lieber einen Staatsbesuch, als sich in NRW zur Pandemie zu äußern. Seit Wochen ist von ihm nicht mehr viel zu hören und zu lesen...

Insgesamt komme ich jedenfalls zu dem Resultat, dass unsere Gesellschaft in der Masse ein Problem mit Regeln und Einschränkungen bekommen hat - weil wir das als Gesellschaft lange nicht mehr hatten. Zumindest die sogenannten Besser-Wessis. Wir hatten ja keinen Unrechtsstaat. Keine mindere Ost-Qualität. Sondern Wachstum auf Teufel komm‘ raus.

Und nun ist er wohl da...

Dabei steckt dieser Teufel im Detail. Falsche Zahlen helfen ihm, die Leute aus der Schublade „wichtiger“ zu machen, das Misstrauen zu schüren zum System - und den Graben zu den anderen beinahe 80 Millionen tiefer und größer zu machen.

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Autor:

Stephan Leifeld aus Schermbeck

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