Arbeitskreis konnte sich nicht zu einer Empfehlung durchringen
"Land unter" beim Bäderkonzept in Schwelm?

Jochen Batz erklärt das Bäderkonzept Schwelm in der durchgeführten Machbarkeitsstudie. Foto: Pielorz
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Schon seit 2018 beschäftigt sich ein Arbeitskreis mit der Zukunft der Bäderlandschaft in Schwelm. Hallen- und Freibad sind mächtig in die Jahre gekommen. Verwaltung und Politik müssen eine langfristige Lösung finden. Nach zwei Ratsbeschlüssen in 2018 und 2019 wurde die Verwaltung beauftragt, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben. Drei Varianten hat das zuständige Büro bei einem Zwischenstand der Öffentlichkeit vorgestellt. Blass wurden die politischen Vertreter, als Jochen Batz vom Büro Krieger auf die Frage nach einer finanziellen Größenordnung aus seiner Erfahrung heraus das Preisschild an die Entwürfe klebte – zwanzig Millionen netto in den Investitionskosten sind happig. Zu der gewünschten Empfehlung des Arbeitskreises für eine der drei Varianten kam es bei dieser Sitzung nicht mehr. Wohl aber soll es zeitnah einen weiteren Termin geben, nachdem in den Fraktionen diskutiert wurde.
Die drei Planvarianten zur Bäderlandschaft in Schwelm wurden mit bunten Bildern schmackhaft vorgestellt. Thomas Striebeck, Fachbereichsleitung Immobilienmanagement der Stadt Schwelm, hörte genauso aufmerksam zu wie die Politik und die zahlreich erschienenen Bürger. Die Machbarkeitsstudie soll bis Ostern 2020 mit einer der drei Varianten konkretisiert und mit einem genaueren Zahlenwerk gefüllt werden. Danach soll die Politik einen Beschluss fassen, ob und wie gebaut werden soll. So war die Vorstellung zu Beginn der Veranstaltung. Doch es sollte anders kommen. Das beauftragte Büro wies in Person von Jochen Batz auf seine Bäderkompetenzen hin und machte deutlich: „Sie haben hier in Schwelm 2000 Quadratmeter Wasserfläche, verteilt auf Frei- und Hallenbad. Es stellt sich die Frage, wie sie diese Fläche in Zukunft nutzen wollen. Sie müssen sich aber auch die Frage beantworten, wie die Auslastung der Fläche zu sehen ist. Früher gingen die Jugendlichen nach der Schule ins Freibad. Die Sommer waren andere als heute. Sie müssen sehen, dass die Wasserlandschaften heute mit einer Vielzahl von Freizeitmöglichkeiten konkurrieren. Allen voran auch die Nutzung der Medien. Unterhalb der Woche und bei nicht konstantem Wetter wird ein Großteil der Wasserfläche von der Nutzung her unter seinen Möglichkeiten bleiben.“

Bäderkonzept kostet mehr als zwanzig Millionen Euro

Batz stellt die Varianten im Detail vor. Verschiedene Becken im Frei- und Hallenbadbereich. Die Frage, ob der Sprungturm im Sport- oder Kursbecken angesiedelt wird und ob ein Sprungturm im Hallenbad notwendig ist. Die Frage nach dem Eltern-Kind-Bereich und seiner Größe sowie die Frage nach der Zugänglichkeit der Gastronomie vom Hallen- und Freibad aus – all dies wird facettenreich dargestellt und markiert die wesentlichen Unterschiede in den vorgestellten Varianten. Auch die Parkplatzsituation ist ein Thema. Aus der Bürgerschaft heraus werden Wünsche formuliert zur Lage vom Eltern-Kind-Bereich und der möglichen Verschattung. Batz verweist auf die kurze Freibadsaison im Verhältnis zur langen unbeständigen Wetterperiode und macht deutlich: „Man kann technisch so bauen, dass eine Anlage für Frei- und Hallenbad nutzbar ist. Aber in der Zeit der Umstrukturierung, wenn Sie das Freibad schließen und das Hallenbad öffnen oder umgekehrt, dann haben Sie vier Wochen gar kein Bad, denn das muss technisch ja vorbereitet und vom Gesundheitsamt abgenommen werden. Das geht nicht in ein paar Tagen. Oder Sie bauen technisch unabhängig mit zwei Anlagen.“ Grundsätzlich, und auch das macht der Fachmann immer wieder deutlich, sei die Investition in eine neue Bäderlandschaft eine Balance zwischen Notwendigkeiten und Wünschen. „Wenn der Beton einmal fließt, dann ist es zu spät. Dann sind Sie mit dem Bad verheiratet.“ Mindestens zwanzig Millionen Euro netto plus Nebenkosten plus Betriebskosten seien aber eine aus der Erfahrung heraus realistische Summe – auch wenn Batz sofort deutlich macht, die Machbarkeitsstudie zum jetzigen Zeitpunkt setze den Ratsbeschluss um, was aufgrund der topographischen Situation und der Gegebenheiten vor Ort machbar sei. Gerechnet habe man noch nicht. Und genau das wird zunehmend deutlich zur Herausforderung. Vor dem Hintergrund von Rathausneubau, dem Kulturhaus und vielen weiteren Bauprojekten fürchtet der ein oder andere im Arbeitskreis eine Flutwelle auf sich zukommen, die die Dynamik eines Tsunami entwickeln könnte. Immer deutlicher werden Formulierungen nach einer multifunktionalen Lösung und abgespeckten Versionen. Das aber war nicht (mehr) Gegenstand des Ratsbeschlusses – denn auch hier hatte man immer wieder diskutiert. Sogar die Kombilösung mit aufklappbaren Dächern war und ist seit Jahren auch immer wieder mal ein Thema. Im Arbeitskreis konnte man sich zwar mit Variante A am besten anfreunden, aber eine Empfehlung mochte niemand geben. Jetzt geht das Thema in die Fraktionen und zeitnah soll der Arbeitskreis zu einem weiteren Termin zusammenkommen.

Autor:

Dr. Anja Pielorz aus Hattingen

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