Familie aus dem Kreis Unna wartet darauf, zurückgeholt zu werden
Gestrandet in Simbabwe

Hier waren es noch glückliche Tage im Kreise der Familie in Simbabwe. Yvonne Pasalk-Knauf (2.v.l.), ihr Mann Sven (l.) und ihre Eltern (hinten) können weiterhin bei ihrer Cousine Elisabeth (M.) und ihrem Mann Danny (vorne) wohnen, bis die deutsche Familie wieder zurück nach Hause geholt wird.
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  • Hier waren es noch glückliche Tage im Kreise der Familie in Simbabwe. Yvonne Pasalk-Knauf (2.v.l.), ihr Mann Sven (l.) und ihre Eltern (hinten) können weiterhin bei ihrer Cousine Elisabeth (M.) und ihrem Mann Danny (vorne) wohnen, bis die deutsche Familie wieder zurück nach Hause geholt wird.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Verena Kobusch

Vor nicht notwendigen, touristischen Reisen ins Ausland wird derzeit gewarnt. Was machen aber jene, die schon vor dem bekannten Ausmaß der Corona-Krise ins Ausland geflogen sind und nun festsitzen? So ergeht es gerade einer Familie aus dem Kreis Unna, die in Simbabwe ausharrt: „Unsere letzte Info: bis Ende Mai sind alle Flüge gestrichen!“

Simbabwe ist ein Binnenland im Süden von Afrika, das für seine beeindruckende Landschaft und vielfältige Fauna in Parks, Reservaten und Safarigebieten bekannt ist. Flussabwärts liegen die Nationalparks Matusadona und Mana-Pools, wo Nilpferde, Nashörner und verschiedene Vogelarten leben. „Wir sind am 10. März von Frankfurt nach Johannesburg geflogen und von da aus mit einem anderen Flugzeug weiter nach Vic Falls in Simbabwe. Eigentlich wollten wir bis zum 30. März hierbleiben“, erzählt Yvonne Pasalk-Knauf (41) aus Unna-Lünern. Zusammen mit ihrem Mann Sven Knauf (51) und ihren Eltern Regina (60) und Harry (70) Pasalk aus Kamen wollte sie eine schöne Zeit bei der Familie in Simbabwe verbringen. „Meine Cousine lebt hier mit ihrem Mann. Mein Onkel ist Anfang der 70er Jahre ausgewandert. Meine Cousine und mein Cousin sind in Simbabwe geboren worden. Meine Cousine hat hier eine Lodge direkt am Hwange Nationalpark, der Park ist riesig und nicht eingezäunt. Die beiden haben mehrere Brunnen für die Tiere auf ihrem Grundstück damit sie in der Trockenzeit genug zu trinken haben.“ Bis auf Regina Pasalk waren alle schon einmal zuvor in Simbabwe.

Als sie losgeflogen sind, war Corona zwar ein Begriff, aber irgendwie noch weit weg. Am 16. März wurden dann in NRW die Schulen und Kindergärten geschlossen. Der Ernst der Lage kam langsam in den Köpfen an. „Wir wurden von meiner Schwester Sarah und ihrem Mann Jörg auf dem Laufenden gehalten, die sich jetzt zuhause in Unna-Lünern um alles kümmern, auch um Oma und Opa. Irgendwie konnten wir auch gar nicht richtig glauben, dass in Deutschland so ein Chaos sein soll“, sagt Yvonne Pasalk. „Wir haben viel diskutiert ob wir den Urlaub abbrechen sollen oder nicht. Im Endeffekt haben wir uns für einen Abbruch entschlossen, das war am 19. März. Wir haben South African Airways angerufen, um umzubuchen. Stündlich haben sich die Flugzeiten und Voraussetzungen geändert, der nächste Flug sollte dann am 24. März gehen. Am nächsten Tag teilte man uns mit, dass bis Ende Mai gar kein Flug mehr geht. Das war ein Schock!“

Sofort wurde das Auswärtige Amt in Harare kontaktiert. „Man sagte uns, wir sollen uns sofort auf den Weg nach Johannesburg machen. Wenn ein Flugzeug vom Auswärtigen Amt von der Rückholaktion überhaupt geschickt wird, dann nur nach Johannesburg. Aber sollten wir wirklich dorthin, ohne zu wissen was uns erwartet? Mit meinen Eltern, die Rentner sind? Ohne zu wissen ob wir irgendwo sicher unterkommen können? Flüge zu buchen war mittlerweile nicht mehr möglich. Hier mitten im Busch sind wir sicher, haben genug zu essen und eine einheimische Familie, die sich um uns kümmert. Sie haben uns geraten, nicht nach Johannesburg zu reisen, weil es dort nicht sicher ist. Also sind wir geblieben.“

Sven Knauf ist selbstständiger Gas-Wasser-Installateur in Unna. Seine Frau Yvonne macht überwiegend die Büroarbeit in der Firma "G.W.H. & Dienstleistungen Sven Knauf", hilft aber auch aus, wenn ihr Mann Hilfe bei der Arbeit benötigt. Dank Ersparnissen brauchen sich die beiden über Geld erst einmal keine Sorgen zu machen. Aber wie sieht es aus, wenn sich der Aufenthalt in Simbabwe unfreiwillig verlängert? „Uns geht es gut, wir haben alle weiteren geplanten Ausflüge abgesagt und sind seit über einer Woche nur noch im Camp. Es wird keiner mehr rein oder raus gelassen aus Sicherheitsgründen, damit keiner das Virus hereinbringen kann. Obwohl es hier noch nicht richtig angekommen ist.“

Seit dem 26. März gibt es eine Ausgangssperre in Südafrika. Insbesondere die Einstellung des kommerziellen Flugverkehrs wirft viele Fragen für alle Reisenden auf. Es wird davon ausgegangen, dass sich noch viele Tausend deutsche Urlauber in Südafrika aufhalten und nach Hause reisen möchten. Das Auswärtige Amt bemüht sich mit Hochdruck darum, Reisende aus besonders betroffenen Ländern im Rahmen einer Rückholaktion zurückzubringen. Der deutsche Botschafter in Südafrika, Martin Schäfer, teilte jüngst mit, dass es gelungen sei, mit den südafrikanischen Behörden und South African Airways eine Lösung zu finden, um mit Rückholflügen für deutsche Reisende und Urlauber beginnen zu können. Gegen Ende der Woche sollen die ersten Flüge von Kapstadt und Johannesburg nach Deutschland starten. Martin Schäfer: „Wir rechnen damit, dass das Rückholprogramm mehrere Wochen dauern kann. Deshalb: Bitte haben Sie Geduld, wenn Sie nicht direkt in den nächsten Tagen von uns kontaktiert werden.“ Die Pasalks sind bereits mit ihren Daten im Rückholprogramm registriert und hoffen nun auf baldige Rückkehr. Allerdings müssten sie erst bis nach Johannesburg kommen und der Weg ist weit. Dazu kommt die Ausgangssperre. Auch für diesen Umstand muss eine Lösung gefunden werden.

Am Samstagabend bedanke sich Bundesaußenminister Heiko Maaß (SPD) via Twitter bei all denjenigen, die an den Rückholaktionen beteiligt sind. Seinen Angaben zufolge konnten bislang mehr als 160.000 Deutsche aus dem Ausland zurückgeholt werden. An die noch im Ausland Verbliebenen appellierte Maas: "Bitte haben Sie Geduld, wenn wir Ihnen noch nicht helfen konnten." Yvonne Pasalk und ihre Familie sind geduldig. Aber: „Dieses Gefühl nicht zu wissen wie und wann man nach Hause kommt, macht einen fertig. Wirklich genießen können wir den Urlaub schon lange nicht mehr. Und unsere Lieben Zuhause machen sich wahnsinnige Sorgen um uns.“

Autor:

Verena Kobusch aus Unna

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