Generalisierte Angststörung
Teil 5a Meine Angsterkrankung - Wunder der Medizin

Samstag, der 23. Januar 2021 18.02 Uhr

Teil 5a

Meine Angsterkrankung – Wunder der Medizin

Was hilft am besten bei einer Angsterkrankung?

Ganz kurz zusammen gefasst sind das:

a) Konfrontationstherapie
b) Anti-Depressiva

Von Punkt b) habe ich erst sehr spät erfahren, das muss so im Jahr 05 gewesen sein, durch eine Sendung im 3Sat. Da hat ein Professor aus Göttingen erzählt wie gut Anti-Depressiva bei generalisierter Angststörungen helfen. Der Mann war so überzeugend, dass ich bald Himmel und Hölle in Bewegung setzt um Anti-Depressiva verschrieben zu bekommen.
Doch davon will ich später erzählen.

Von 1991 bis 2005 habe ich mich also mit der Konfrontationstherapie herum geschlagen. Besonders enttäuscht hat mich das vor allem, als ich damals in die „Klappse“ gekommen bin. Habe alle Ärzte quasi angefleht mir Medikamente zu geben, die mir Ruhe in die gequälte Seele bringen, weil der Zustand einfach unerträglich war.
Aber die Ärzte und PflegerInnen haben das grundweg abgelehnt.

Ich sei noch viel zu jung und ich müsse endlich lernen gegen meine Ängste anzugehen. (Konfrontationstherapie eben!)
Immer wieder raus gehen und so lange laufen, bis die Angst wieder hochkommt. Aber man verbot mir sozusagen dann die Flucht zu ergreifen. Vielmehr solle ich die Angst „aushalten lernen“, denn am Ende würde ich feststellen, dass gar nichts schlimmes passiert.

Ja das war mal so ein Satz:
„festellen das gar nichts schlimmes passiert!“
Ich konnte mir damals eine ganze Menge Dinge vorstellen die passieren könnten.
Das ich ohnmächtig umfalle z.B. oder das ich plötzlich aufwache und tatsächlich alles nur geträumt habe. Oder auch das die Erde in einem schwarzen Loch verschwindet und alles Leben wie wir es kennen von jetzt auf gleich einfach vorbei ist und nie mehr wieder kommt. Das die Menschheit ohne einen Hauch der Erinnerung ins absolute Nichts verschwindet.

Und überhaupt habe ich mir damals gewünscht, ein großes Gottvertrauen zu haben wie die Menschen im Mittelalter, in vor-aufklärerischen Zeiten als man die Erde noch für eine flache Scheibe in der Mitte des Sonnensystems gehalten hat. Das Universum des Mittelalters, eine kleine, überschaubare Welt und rundherum war nichts als Gottes Herrlichkeit.
Aber zum „Ausgleich“ hatten die Menschen damals eine panische Angst vor der Hölle und dem bösen Teufel.
Trotzdem, diese Welt war überschaubarer im Gegensatz zu heute, wo die Erde nur ein winziges, unbedeutendes Sandkorn in einer schier endlosen Galaxis ist.
Ja ehrlich, so was hat mir damals Angst gemacht. Aber das getraute ich mir nicht zu erzählen, da hatte ich bedenken das man mich ernsthaft für verrückt halten könnte. Außerdem hatte ich die Befürchtung wenn ich das so ausspräche dass die Erde dann tatsächlich in einem schwarzen Loch verendet. Sozusagen als self-Fulfilling Prophecy.

Also wie gesagt, ich hatte wirklich schlimme Ängste …....

Und gegen diese Ängste sollte ich also einfach lange genug spazieren gehen.

Schon komisch, jetzt wo ich das alles nieder schreibe wundere ich mich grad, das ich die Ärzte nicht für verrückt gehalten habe. ;-)
Aber ich hielt sie nicht für verrückt, ich tat brav wie man mir aufgetragen hatte. Manchmal mit anderen Patienten, manchmal auch allein und das Leben fühlte sich tatsächlich etwas besser an, wenn ich die Angst mal ausgehalten habe.
Einmal sogar, als ich schon aus der Klapse raus war, da bin ich mal ganz weit gelaufen, bis runter zum Rhein, dann noch ein ganzes Stück den Rhein entlang, hingesetzt, Zigarette geraucht und erst dann wieder zurück. Über diese Leistung war ich stolz wie Bolle und schließlich zurück daheim war ich überzeugt meine Panikstörung sei nun für immer vorbei.

…......... nur leider war diese Hoffnung trügerisch …........

Über meine Erfahrungen mit den Anti-Depressiva erzähle ich euch (vermutlich) das nächste mal.

Autor:

Imke Schüring aus Wesel

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