Die Lüttingerin Maria G. ist seit der Teilamputation ihres Fußes auf einen Pflegedienst angewiesen
Trotz Schicksalsschlag: "Ich bin sehr zufrieden!"

Maria G. hat ein sehr gutes Verhältnis zu ihrem Pflegedienst. Foto: pixabay
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Lüttingen. Die 66-jährige Lüttingerin Maria G. (Name auf Wunsch von der Redaktion geändert) ist eine lebenslustige verheiratete Frau mit großer Familie und vielen Enkeln, als sich ihr Leben durch Durchblutungsstörungen im Fuß von einem auf den anderen Tag völlig verändert.

Lüttingen. G. erinnert sich: "Es fing an mit schwarzen Punkten am Fuß, die aufgegangen sind und geeitert haben." Sie kommt ins Krankenhaus. Dort wird festgestellt: Die Durchblutung im Bein ist gestört, es könnte sich sogar um einen diabetischen Fuß handeln.

Die Diagnose war ein Schock

"Die Diagnose war ein Schock", erinnert sich die Rentnerin. Die entstandenen Wunden ließen sich weder mit Antibiotika noch mit Salbe oder Ähnlichem wieder verschließen. Erst musste ein Zeh abgenommen werden, doch da saß der Fuß schon voller Eiter. "Sie können sich das nicht vorstellen. Was das für Schmerzen sind! Selbst die stärksten Schmerzmittel kamen da nicht mehr gegen an." Kein Wunder also, dass Maria G. damals fast nicht mehr leben wollte. Nach wochenlangem Leid und Verlegung in ein anderes Krankenhaus, ging es dann nicht mehr anders: die Ärzte schlugen vor, den Vorderfuß zu amputieren, um den hinteren Teil des Fußes und das Bein zu erhalten. "Das war eine lebenserhaltende Maßnahme, denn die Entzündung wäre immer weiter fortgeschritten", erklärt Maria G.
Seitdem ist nicht viel Zeit vergangen, doch bewundernswert gefasst berichtet die Rentnerin von ihrer Geschichte.
"Damals habe ich wirklich gedacht: nehmt den Fuß ab, Hauptsache die Schmerzen hören auf!" Zum Glück musste wirklich nur der vordere Teil amputiert werden, die Ferse blieb erhalten. "Von der Amputation an, ging alles von Tag zu Tag besser." Die Schmerzen wurden erträglicher, verschwanden dann ganz.
Doch natürlich hatte sich Maria G. ihr weiteres Leben so nicht vorgestellt. Denn fortan ist sie auf die Hilfe der Mitmenschen in ihrem Umfeld angewiesen. Sie erklärt: "Man hat das ja schon mitbekommen von älteren Menschen, dass sie irgendwann auf einen Pflegedienst angewiesen sind. Aber dass das bei mir so schnell der Fall sein sollte, das hätte ich nie gedacht!"
Aber es ging nicht anders: nachdem sie entlassen wurde, musste sie die Hilfe eines Pflegedienstes in Anspruch nehmen. Die Wahl fiel auf den Pflegedienst Timm aus Xanten, Lüttinger Straße 27. "Von dem hatten wir nur Gutes gehört. Und wir sollten Recht behalten." Die Mitarbeiterinnen kümmern sich seitdem um die Wundversorgung. Zwar muss G. noch alle paar Wochen zur Nachversorgung ins Krankenhaus, doch nach der Entlassung war auch der Pflegedienst sofort zur Stelle. Anfangs musste der Stumpf noch täglich gereinigt und verbunden werden, inzwischen geht das im 2-Tages-Rhythmus.
Schwer ist es, sich darauf einzustellen, abhängig von anderen Menschen zu sein. "Ich konnte ja fast nichts mehr alleine", gibt G. mutig zu. Im Haus bewegt sie sich im Rollstuhl, - das ging nur, nachdem ihr Mann alles umgebaut hat, Haltegriffe angebracht hat, auch auf der Toilette.
"Das war eine große Umstellung", gibt G. zu. Denn vorbei war es, sich selber zu verpflegen. An den Stumpf und die Wunde darf vorerst kein Wasser kommen, d.h. auch duschen ging nicht mehr ohne Hilfe. "Erst wenn man etwas alleine nicht mehr kann, erkennt man wie viel Wert das eigentlich ist", betont sie.
Doch an den Pflegedienst hat sich die Patientin dann doch schnell gewöhnt. Denn ohne ihn, könnte sie nicht in ihren eigenen vier Wänden wohnen bleiben. Es war ungewohnt, sich vor einer zuerst wildfremden Person auszuziehen und dann deren Hilfe bei der Körperpflege in Anspruch zu nehmen. Doch mittlerweile macht Maria G. das nichts mehr aus.
"Wir haben hier so nette Mitarbeiterinnen vom Pflegedienst", schwärmt sie. "Ich habe sie richtig lieb gewonnen." Inzwischen tauschen sich Pflegerin und Patientin auch über private Dinge aus, denn dem Pflegedienst ist es wichtig, die Patienten auch emotional und nicht nur als Termin zu betrachten.
Dabei weiß Maria G.: übermäßig Zeit hat auch die Pflegekraft nicht. "Ich kann sie nicht zu einem Kaffee einladen, das ist klar. Denn sie muss weiter zum nächsten Patienten. Aber ein liebes Wort ist immer drin, ein kleiner Plausch, das ist aufbauend." Auch dass nicht immer dieselbe Mitarbeiterin kommen kann, ist der Patientin bewusst. "Sie haben eben ihren Einsatzplan, und am Wochenende kommt meist jemand anderes." Aber damit habe sie sich arrangiert.
In erster Linie ist Maria G. dankbar, dass es Leute wie den Pflegedienst gibt. Denn deren Arbeit sei sicher nicht einfach. Allein bei G. muss sich die Pflegerin beim Verbandswechsel komplett steril anziehen mit Körperschutz, Handschuhen und Mundschutz. Nicht um sich selbst zu schützen, sondern damit keine weiteren Erreger in die noch offene Wunde kommen.
Auch der Lebensalltag wurde auch durch die Besuche des Pflegedienstes völlig umgestellt. Zwischen 11 Uhr und 12 Uhr kommt die Pflegerin zur Wundversorgung. "Da muss ich natürlich vor Ort sein, angezogen sein und gefrühstückt haben." Dadurch ist der Tag nicht mehr ganz so selbstbestimmt.
Doch es gibt auch einen Lichtblick: Dank der Erhaltung der Ferse kann Maria G. mittlerweile wieder stehen und sich im Haus mit Rollstuhl bewegen. "Ich mache natürlich alles noch sehr vorsichtig", gibt sie zu. Aber den Lebenswillen, den hat die Seniorin nicht verloren. "Es geht immer weiter". Wenn jetzt noch die Prothese richtig angepasst ist, klappt es sogar mit viel Übung bald wieder mit dem Laufen.

Ihre Familie gibt ihr Kraft und Halt

Zwar sei auch das Autofahren alleine mit einem Schaltwagen nicht mehr möglich, doch Maria G. hat ihren lieben Mann, der sie gerne fährt. Der sowieso alle Strapazen so unfassbar gut hingenommen hat. Eben in guten wie in schlechten Zeiten.
Auch über das sehr gute Verhältnis zu den zwei Töchtern und den fünf Enkelkindern freut sich Maria G. Auch das gibt ihr ein Ziel. Wieder laufen zu können, trotz dieses Schicksalsschlags.
Noch etwas Positives: In einigen Wochen, wenn die Wunde geschlossen ist, wird Maria G. nicht mehr auf die Hilfe des Pflegedienstes angewiesen sein. "Dann finde ich es bestimmt schade, wenn meine Lieblingspflegerin nicht mehr kommt." Doch das heißt auch: alles ist gut verheilt, es kann bergauf gehen. Der Lebenswille von Maria G. ist jedenfalls ungebrochen! Bewundernswert!

Autor:

Silvia Decker aus Emmerich am Rhein

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