A46 im Spiegel der Kontroverse: Kolping Sümmern lädt zur Podiumsdiskussion ein.

Ein gut besetztes Podium: (v.l.) Neuhaus (GigA46), Ketzscher (Grüne Menden), Naumann (Moderator), Viehrog (ProA46 Wickede), Schmöle (Stadt Hemer), Brünger (SIHK)
 
Aufmerksames Publikum und viele Beiträge aus dem Saal belebten die Diskussion.
Iserlohn: GS Sümmern | Etwa 80 Personen hatten die Einladung der Kolpingfamilie Sümmern angenommen, um den Aus-tausch von Argumenten für und gegen den Lückenschluss der A46 zu verfolgen. Unter der Stabfüh-rung von Moderator Neumann stellten die Podiumsteilnehmer in ihren Eröffnungsstatements klar, auf welcher Seite der Diskussionsfront sie sich befinden. Stefan Neuhaus (GigA46) machte von Anfang an deutlich, dass ein Planungsprozess, der über 40 Jahre keine brauchbaren Ergebnisse hervorgebracht hat, letztlich nur dazu taugt, das Problem als unlösbar zu qualifizieren. Frau Ketzscher verwies für die Mendener Grünen auf die enormen ökologischen und kulturellen Langzeitfolgen, welche durch den Weiterbau der A46 der stillen Hochebene zwischen Menden und Neheim zerstören würde, Für Wickede sprach Herr Vihrog, der in nachvollziehbarer Weise die Belastung der Anwohner der B63 schilderte. Er drückte seine Hoffnung aus, der Lückenschluss werde zu einer Verringerung der Verkehrslast in Wickede führen. Auf einer vergleichbaren Linie bewegte sich Herr Schmöle als Vertreter der Stadt Hemer, der seine Erwartung darstellte, der Weiterbau werde die B7 und die Kreuzung in Niederhemer beruhigen und die Anwohner entlasten, selbst dann, wenn er nur bis zur Mendener Stadtgrenze erfolge. Schließlich folgte die Vorstellung eines Teils der heimischen Wirtschaft durch Herrn Brünger von der SIHK Südwestfalen. Er verspricht sich vom Lückenschluss eine Verbesserung der regionalen Infrastruktur, in der die A46 als regionale Entwicklungsachse fungiert.
Das Spiel mit Zahlen und Statistiken, das vom Podium auf die Zuhörer herunter regnete, war zuweilen nur noch schwer zu durchschauen. Insbesondere die vielen Bewohner der Anliegergemeinden drängten die Diskussion im zweiten Teil der Veranstaltung immer wieder in Bodennähe zurück. Die Probleme, mit denen sie derzeit zu tun haben, sind sehr konkret und alltäglich. Statistiken sind da wenig hilfreich, wie die Podiumsteilnehmer zu hören bekamen. Das Argument der Entlastungsfunktion, das von Wickede und Hemer aus immer wieder zu hören war, wurde so von den Gegner auch regelmäßig mit dem Hinweis gekontert, dass durch Straßenbau Verkehrsströme immer wieder vor die Haustüren anderer Menschen verlagert werden. Letztlich werde, so ein weiteres Argument, durch den Bau von Straßen erfahrungsgemäß auch neuer Verkehr ins Leben gerufen.
Gegen die Hypothese der Wirtschaftsförderung wurde der Hinweis vorgehalten, dass die Kräfte, die in der Gegenwart nach einer Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur rufen, vor Jahren den Abbau von zukunftsträchtigen und vergleichsweise umweltfreundlichen Verkehrswegen betrieben und gefördert haben. Als Beispiel wurde die Bahnverbindung zwischen Iserlohn und Hemer genannt.
Auch der Verweis auf moderne, kostengünstige und umweltfreundliche Lösungsansätze für die ver-ständlichen Beschwerden aus Hemer und Wickede fehlte nicht. Der Hinweis auf die hausgemachte Problemlage durch mangelhaftes Verkehrsmanagement, sowohl in Hemer als auch in Menden, fehlte nicht, ebenso wenig die Forderung, für die A46 notwendige Mittel stattdessen in Maßnahmen zur Ver-besserung der innerstädtischen Verkehrssituation entlang der Trasse aufzuwenden.
Die Frage der Kosten und der Dauer des Verfahrens brachte Befürworter im Publikum dazu, nach Verwaltungsverfahren zu rufen, die es überflüssig machen, Einsprüche und Bedenken von Betroffenen zu berücksichtigen. Stefan Neuhaus konterte diese mit einem entschiedenen Bekenntnis zu den demokratischen Grundlagen unseres Staatswesens, die das Recht des Einzelnen schützt.
Letztlich bleibt festzustellen, dass Argumente auf beiden Seiten sich im Rahmen dessen bewegten, was auch anderswo bereits vorgetragen und verlautbart wurde. Sehr konkreten und gegenwärtigen Gründen gegen den Weiterbau standen hypothetische, auf Annahmen beruhende Erwartungen an die Zukunft gegenüber, die allerdings geschickt in wirtschaftliche Erwartungen und Versprechen verpackt wurden.
Bemängelt wurde vor allem die lange Zeit von 40 Jahren, die das Projekt nur von Problem zu Prob-lem, nicht aber zu einer Lösung geführt haben. Hinzu kommen die Kosten, die sich in dieser Zeit vervielfacht haben. In diesem Punkt lagen die Gegner des Lückenschlusses auf einer Argumentationslinie analog zur Frage der versäumten Förderung alternativer Energien zugunsten einer riskanten Kern-technologie: Der Lückenschluss der A46 ist mutmaßlich nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems.
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Franz-Josef Knur aus Menden (Sauerland) am 25.04.2011 um 15:59 Uhr  
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