"Das Maß ist schon lange voll"- Mülheimer sind gegen Flughafenausweitung

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Nimmt der Lärm zu? Nach Meinung der Mülheimer Anwohner ist die Lämrbelästigung schon längst unerträglich. (Foto: PR-Foto Köhring)
Die geplante Ausweitung des Düsseldorfer Flughafen nimmt mehr und mehr realistische Züge an. Wie die MW bereits berichtete, steht der Flughafen wirtschaflich gesehen hervorragend dar. Über 20.000 Passagiere mehr, 100.000 Tonnen Fracht und ein ungefährer Jahresumsatz von 400 Millionen Euro in 2012. Doch dies reicht Flughafenchef Thomas Schnalke scheinbar nicht.

Er erklärt in einer Informationsveranstaltung zur geplanten Kapazitätserweiterung des Flughafens in der Stadthalle: „Der Flughafen will wachsen. Mittlerweile sind wir ein interkontinentaler Flughafen, worauf wir auch sehr stolz sind. Doch die umliegende Wirtschaft zeigt uns das ein klarer Bedarf auf mehr Slots besteht. Das wollen wir dann natürlich auch bedienen.“
Ein Raunen geht durch den Festsaal. Viele der rund 200 Besucher sind empört. „Wieviel Lärm sollen wir denn noch ertragen?“ heißt es in einem Zwischenruf oder „Sie verschweigen doch die Hälfte!“.

"Wieviel Lärm sollen wir denn noch ertragen?"

Das klare Ziel des Flughafens sei es, so erklärt es Schnalke, den Flugverkehr in den Spitzenstunden tagsüber von 47 auf 60 Slots pro Stunde zu erhöhen. In der verbleibenden Zeit soll der Wert von 43 Slots die Stunde unverändert beibehalten werden. Bei dieser Ausweitung soll aber der zugrunde liegende Angerlandvertrag in keinster Weise verletzt werden. Auch die Flugrouten bleiben unangetastet. „Mit der Planung von Routen haben wir sowieso nichts zu tun. Dafür ist die Flugsicherung
zuständig“, so Schnalke.

SPD: "Wir stellen uns gegen eine Ausweitung"

Doch auch die anwesenden Bürger wollten ihrem Unmut Luft machen. Bürgermeisterin Renate aus der Beek stellte zu Beginn der Diskussionsrunde klar: „Die SPD hat viel gegen den bestehenden Fluglärm getan und will die Ausweitung des Flughafens ablehnen. Das keine zusätzliche Lärmbelästigung stattfindet, ist völliger Quatsch. Wir als Mülheimer Bürger werden eine Ausweitung nicht einfach so hinnehmen.“
Ein Anwohner aus Mintard fragt beispielsweise: „Die Fluglärmbelastung ist für uns in Mintard unerträglich. Was lieber Herr Schnalke tun Sie für uns Anwohner damit wir den Lärm nicht weiter ertragen müssen?“
Auch ein Mitglied des Netzwerks Mülheimer Bürger gegen Fluglärm meldete sich zu Wort: „Es gibt schon jetzt rund 1.000 Flugbewegungen am Tag, was wesentlich zu viel ist. Das Nachtflugverbot ist ja gut und schön, wird leider viel zu selten eingehalten, denn selbst zwischen 23 und 6 Uhr haben wir ohrenbetäubenden Lärm, der uns den Schlaf raubt."

Ab sechs Uhr beginnt der Lärm, an Schlaf ist nicht mehr zu denken

Eine Anwohnerin des Oppspring ergänzt hierzu: „Ab sechs Uhr morgens ist doch an Schlaf nicht mehr zu denken. Alle drei Minuten startet ein Flugzeug und ich muss den Lärm ertragen. Ich bin auch davon überzeugt, dass die Flieger seit geraumer Zeit wesentlich tiefer fliegen, sodass ich sogar Schriftzüge und Farben mit dem bloßen Auge erkennen kann."
Plötzlich meldet sich Prof. Peter Vermeulen, Umweltdezernent der Stadt zu Wort: „Im Sinne des Angerlandvertrags sehen wir Mülheim stark belatet. Findet eine Ausweitung statt, gibt es auch mehr Lärm. Diesen können wir einfach nicht mehr aushalten. Es ist klar, dass es mehr Kapazitäten gibt, doch auf wessen Kosten? Eins ist sicher: Mülheim tritt dieser Entscheidung des Flughafens entscheidend entgegen.“ Ein starker Beifall unterstützte Vermeulens Aussage.

Anwohner aus Mintad, Selbeck, Saarn aber auch aus Heißen und Heimaterde sind betroffen

Auch Anwohner aus Heißen oder Heimaterade klagen über die starke Zunahme von Lärmbelästigung und die damit rapide sinkende Lebensqualität. „Wir können unsere Gärten und Balkone doch garnicht mehr richtig genießen bei der Geräuschkulisse. Wofür haben wir denn 40 Jahre lang gearbeitet? Damit wir mit verschlossenen Fenstern im Wohnzimmer sitzen?“, entgegnet eine Heißener Anwohnerin.

Den entgültigen Verlauf dieser Informationsveranstaltung hat sich Flughafenchef Schnalke vermutlich anders vorgestellt. Ein großer Teil der beteiligten Bürger stellte sich ausdrücklich gegen eine Ausweitung des Flughafens und verlieh seinem Ärger mit Wortmeldungen Ausdruck. „Ich wünsche Ihnen allen einen langen Atem“, formulierte ein Herr sehr treffend, denn die Planungen haben gerade erst begonnen.

HINTERGRUND
Auf Initiative der Grünen wird sich der Rat der Stadt im Dezember mit der geplanten Kapazitätserweiterung am Flughafen Düsseldorf befassen. Wie in der Ratssitzung in Essen wird dabei auf einen interfraktionellen Antrag gesetzt. „Wir hoffen auf eine parteiübergreifende Ablehnung einer weiteren Verlärmung des Mülheimer Stadtgebietes durch den vom Flughafen Düsseldorf ausgehenden Flugverkehr“, so Hubert Niehoff, Vorsitzender des Umweltausschusses. Damit würde ein wichtiges Signal in Richtung Landesregierung und Flughafen ausgesendet, dass die Belastungsgrenzen beim Fluglärm in unserem Ballungsraum bereits heute überschritten sind.

Alle Infotermine des Flughafen finden sich hier , die "Bürger gegen Fluglärm im Interview finden sich hier . Außerdem gibt es eine Themenseite
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