Kritik an Baumfällaktionen - Bürgerversammlung in der VHS

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„Wir haben in diesem Jahr bislang 197 Bäume gefällt“, sagt Sylvia Waage vom städtischen Grünflächenmanagement. 2013 kreischte die Kettensäge 342 Mal und legte Bäume um.

„Und wieder geht ein Baum seinem Ende zu“ - Betroffen zeigen sich die Grünen vom Zustand der großen Esche an der Ruhrpromenade. Auch die Partei Die Linke sieht die Baumfällungen kritisch.
„Dieser sterbenskranke Baum“, ärgert sich Ratsfrau Brigitte Erd. „Es ist ein weiteres Beispiel für den unsensiblen Umgang von Stadtspitze und SPD mit klimatisch und städtebildnerisch wichtigem Grün. Wir Grüne forderten anfangs eine kleinräumigere und aufgelockerte Bauweise auch zum Schutz wichtiger Bäume. Leider vergeblich.“ Sorgen macht sich die Fraktion um den Rest des Baumbestandes. Weil die Esche womöglich kein Einzelfall ist, will sie Aufklärung in der Sitzung des Planungsausschusses am 6. Mai.
Weiterhin fordern die Grünen eine frühzeitige Auflistung von der Verwaltung zur Fällung vorgeschlagener Bäume im städtischen Internet-Auftritt. „In den Sitzungen der Bezirksvertretungen Ende April und Anfang Mai stehen jeweils Vorlagen (V 14/0344-01,V 14/0347-01 und V 14/0348-01) zu geplanten Abholzungen auf der Tagesordnung. Suchen interessierte Bürger danach, haben sie Probleme, sie in den Tiefen des Ratsinformationssystems zu finden. Deshalb sollte künftig ein Button direkt auf der Einstiegsseite der Homepage zu diesen Informationen führen.“

Letztlich freut sich Erd über den hohen Stellenwert des Themas in der Bevölkerung. „Das“, so die Stadtverordnete, „dient der Sache. Der Weltklimarat verwies jüngst erneut auf die luftreinigende und kühlende Wirkung städtischen Grüns angesichts kommender Erwärmung.“

Kritisch äußert sich auch Andreas Marquardt, Pressesprecher der Linke, zu den Baumfällaktionen der Verwaltung im Stadtgebiet. „Interessant ist, dass bei Fällung städtischer Bäume oftmals Ersatzpflanzungen nicht vorgesehen sind. Das kann so nicht sein. Wir fordern mehr Grün im Stadtgebiet“, sagt Marquardt.
Er vermutet, dass die Verwaltung offenbar Geld bei der Pflege sparen möchte. Mit dieser Vermutung steht er nicht allein dar.

„Gestern an der Cheruskerstraße, am Schloßberg, an der Nordstraße, am Muhlhofskamp, die Liste ist lang“, heißt es in einer Stellungnahme der MBI. Viele Mitbürger seien empört. Vor allem die „nicht nachvollziehbaren Begründungen, wie zum Beispiel die angebliche Gefahr durch ‚Totholzbildung‘. In Mülheim scheint die Jagdsaison auf öffentliche Bäume voll eröffnet zu sein“, so die MBI. „Man kann vermuten, dass das Abholzen halt Pflegemaßnahmen spart.“ Dass dadurch die Feinstaubbelastung zunehmen könnte, das Mikroklima in Zeiten der Klimaerwärmung sich mehr aufheizen und die Lebensqualität der Anwohner verschlechtert werden kann, das stehe alles auf einem anderen Blatt. „Es tritt kurzfristig finanziell nicht in Erscheinung.“, kritisieren die MBI.

„Von Willkür oder Sparzwängen kann keine Rede sein“, widerspricht Amtsleiterin Waage. „Wir sind in der Verkehrssicherheitspflicht. Deswegen müssen wir die Menschen vor möglichen Verletzungen durch umstürzende Bäume oder abfallende Äste schützen“, fährt sie fort. „Wir handeln, wenn wir zerstörerische Pilze, Totholzausbildung, Wurzel- oder Stammfäule, Risse oder Rindenablösung feststellen.“ Ersatzpflanzungen müssten auf gesetzlicher Grundlage nur in besonderen Fällen vorgenommen werden. „Die Höhe der Kosten für Baum-Pflegemaßnahmen können wir nicht beziffern. Der Aufwand, die einzelnen Posten herauszusuchen, sind zu hoch sind“, teilte die Stadt auf Nachfrage mit.

Anwohner von Schloßberg und Cheruskerstraße sind nach den hart kritisierten Fällungen am Montag, 5. Mai, um 19.30 Uhr zu einer Bürgerversammlung ins Forum der VHS, Bergstraße 1-3, eingeladen.
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