Das Prinz Regent Theater zeigt Yasmina Rezas Erfolgskomödie „Der Gott des Gemetzels“
Der dünne Firnis der Zivilisation

Der gute Wille, den Konflikt zwischen den Söhnen beizulegen, gerät ins Wanken. | Foto: Schnorrbusch
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  • Der gute Wille, den Konflikt zwischen den Söhnen beizulegen, gerät ins Wanken.
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Regisseur Oliver Paolo Thomas hat sich für seine Inszenierung von Yasmina Rezas „Der Gott des Gemetzels“ im Prinz Regent Theater ein Bühnenbild einfallen lassen, das die Grenzen zu den beweglichen Requisiten verschwimmen lässt. Das ist durchaus sinnbildlich zu verstehen: Das hervorragende Ensemble aus Philine Bührer, Sven Gey, Bernhard Glose und Kinga Prytula nimmt das Publikum mit auf einen Trip an die Abgründe der bürgerlichen Existenz, bei dem rationale Maßstäbe aus dem Blick geraten.
Die Ausgangssituation scheint klar: Ferdinand hat Bruno bei einem Streit zwei Zähne ausgeschlagen. Die beiden Elternpaare treffen sich, um ein klärendes Gespräch zwischen ihren Söhnen vorzubereiten. Dabei sind beide Seiten sichtlich bemüht, eine unnötige Eskalation zu vermeiden. Andere Eltern würden vielleicht gleich einen Anwalt einschalten – nicht so diese durchaus sympathischen Menschen.

Immer neue Konfliktherde

Erste Risse bekommt die Fassade allerdings, als Ferdinands Eltern (Glose und Prytula) andeuten, dass Bruno ihren Sohn provoziert haben könnte. Brunos Mutter (Bührer) sieht das als Versuch,  Ferdinands Fehlverhalten in unzulässiger Weise zu relativieren. Dass Brunos Vater (Gey) eingesteht, als Junge selbst eine Gang angeführt zu haben, macht die Sache für seine sozial engagierte Frau nicht besser. Im Laufe des Gesprächs bilden sich immer neue Koalitionen zwischen den Akteuren.
Eigentlich ist die Sache ja ganz einfach: Ferdinand sollte sich bei Bruno entschuldigen und die beiden Jungen könnten ihren Streit beilegen. Die Eltern wollen dafür die Rahmenbedingungen schaffen. Wie das im Leben so ist, entstehen neue Konfliktherde, die die Versuche, die offensichtlich unfruchtbare Zusammenkunft zu beenden, immer wieder scheitern lassen: Die Machenschaften der Pharmaindustrie kommen ebenso zur Sprache wie Gewalt gegenüber Haustieren.

Symbolische Bedeutung

Dass die Blumen, die Brunos Vater als Zeichen des guten Willens besorgt hat, Ziel der Zerstörungswut von Ferdinands Mutter werden, hat durchaus symbolische Bedeutung. Der konsumierte Alkohol tut sein Übriges.
Dabei ist das Ganze keinesfalls harmlos-lustig: Dass durchaus gebildete Erwachsene alle Regeln des angemessenen Umgangs mit Konflikten vergessen, hat wohl jeder schon erlebt. So gerät der Abend zu einer Gratwanderung zwischen schadenfrohem Gelächter und Selbsterkenntnis. - Absolut sehenswert.

Termine
- „Der Gott des Gemetzels“ ist am Sonntag, 23. Juni, um 18 Uhr wieder im Prinz Regent Theater, Prinz-Regent-Straße 50-60, zusehen.
- Eine weitere Vorstellung folgt am Donnerstag, 27. Juni, um 19.30 Uhr.
- Karten können unter Tel.: 77 11 17 reserviert werden.

Autor:

Nathalie Memmer aus Bochum

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