Stadt Bochum
Erste digitale Bürgerkonferenz gelungen - Intensiver Austausch über Digitales Leben

Um „Smart City - Digitales Leben in unserer Stadt“ dreht sich am Sonntag, 20. Juni, die vierte Bochumer Bürgerkonferenz. Sie war zugleich die erste, die corona-bedingt digital stattfand. Gut 350 Bochumerinnen und Bochumer beteiligten sich an der technischen Premiere und nutzten das Mitgestaltungsformat, um ihres Fragen und Ideen zum Thema einzubringen.

„Das ist eine spannende, neue Variante - und damit sind wir mitten im Thema“, sagte Oberbürgermeister Thomas Eiskirch. „Denn was ist Smart City? Was bedeutet Digitalisierung?“ Viele, zeigte eine kleine Video-Umfrage, denken sofort an Nutzungsmöglichkeiten mit dem Smartphone, an schnelles Internet, freies W-LAN, Sharing- und Caring-Optionen; letztere vor allem an das Teilen von (Lasten)Fahrrädern und Autos oder an digital vernetzte Nachbarschaftsinitiativen. Anderen ist das Thema durchaus fremd oder neu. „Bochum nutzt die Möglichkeiten und Chancen der Digitalisierung zielgerichtet - für mehr Lebensqualität, für eine starke Wirtschaft, für mehr Bürgerbeteiligung“, nannte Thomas Eiskirch Beispiele. Ziele und Vorhaben habe Bochum in einer Digitalisierungsstrategie gebündelt, im Mai 2020 dafür eine Stabstelle gegründet und im Mai 2021 die Smart City Innovation Unit mit den Stadttöchtern eingerichtet. „Dabei geht es uns nicht darum, analoge - händische - Prozesse digital abzubilden“, unterstrich er, „sondern neue Prozesse zu schaffen, durch die ein Mehrwert entsteht.“ Die digitale Füllstandsanzeige von Mülltonnen, die den USB darüber informiert, wann der Behälter geleert werden muss, sei ein konkretes Alltagsbeispiel für die Smart City.

Um sich über solche Dienstleitungen zu informieren, Fragen zu stellen und Ideen einzubringen, haben sich am Sonntag über 350 Menschen in die digitale Bürgerkonferenz von Zuhause eingewählt. Zusammen liefen die Online-Beiträge in der Jahrhunderthalle, in der das Podium aufgebaut, die sechs Themenforen durch die städtischen Dezernenten und die 24 Workshop durch die Input-Geberinnen und -Geber besetzt wurden. 86 Prozent der Konferenz-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer stuften bei einer Schnellabfrage das Leitthema der Veranstaltung als wichtig bis sehr wichtig ein und fühlten sich dafür inhaltlich gut bis sehr gut vorbereitet. „Es hat sich in diesem Bereich unfassbar viel verändert“, beschrieb Denes Kücük, Chief Digital Officer der Stadt Bochum, die Entwicklung. „Corona hat die Digitalisierung in einen neuen Focus gerückt.“ Bochum habe bereits viele digitale Angebote. „Aber unser Ziel ist es, bei den Online-Dienstleistungen noch mehr und diese noch besser zu machen“, so der städtische Digitalisierungsbeauftragte.

Wie umfänglich Bochum als Smart City gedacht werden muss, zeigten sechs Themenforen zu Beginn. Im Forum „Innovative Wirtschaft und Wissenschaften“ tauschten sich die Gäste unter anderem über die Online-Einkaufsplattform „Bochum bringt’s“ lokaler Händlerinnen und Händler aus. Auf dieser können die Bürgerinnen und Bürger online bestellen und lösen einen Lieferprozess aus, der tagesaktuell startet und im Gegensatz zum weltweiten Online-Shoppen umweltfeindliche Transortwege spart. Per Lastenrad und e-Lieferwagen stellen die Bochumer Geschäfte, die bestellten Waren zu. „Innovativ“, nannte Dirk Fromme das Angebot.

Stadtbaurat Dr. Markus Bradtke diskutierte im Forum „Nachhaltige Mobilität und Infrastruktur“ mit Bürgerinnen und Bürgern über die Verkehrswende durch einen digital besser vernetzten Nahverkehr, ein gutes Radwegenetz und alternative Antriebsformen für Fahrzeuge. Zur smarten Infrastruktur stellte er seinen Gästen online eines seiner Lieblingsprojekte vor: das Kopernikus-Projekt, bei dem aus dem Weltall anhand der Blattfarbe von Bäumen und anhand von Sonden im Boden ermittelt wird, wann zu gießen ist. „Das ist eine hochsmarte Anwendung“ lobte Bochums Stadtbaurat, „und für unseren Technischen Betrieb wertvoll und wichtig: In Hitzestress-Perioden wie jetzt bekommen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter morgens eine Nachricht auf ihr Handy, welcher Baum zu gießen und welcher nicht.“

Homeschooling stand im Forum „Digitale Bildung“ im Gesprächsmittelpunkt. Die Beteiligten wünschten sich unter anderen eine einheitliche Plattform für den Distanzunterricht zu Hause. Ebenso betonten sie, wie wichtig dafür die technische Ausstattung der Kinder und Jugendlichen sei. Bis Sommer sollen z.B. bedürftige Schülerinnen und Schüler, aber auch Lehrerinnen und Lehrer in Bochum mit mobilen Endgeräten ausgestattet sein. „Bund und Land unterstützen uns dabei, dafür bedanken wir uns, aber wir bekommen nicht für alle notwendigen Geräte eine Finanzierung“, schilderte Schuldezernent Dietmar Dieckmann. Um die Lücke von über 3.000 Geräte zu zuschließen, habe die Stadt in die eigene Tasche gegriffen. „Das hat der Rat der Stadt einhellig beschlossen“, so Dietmar Dieckmann und ging direkt auch auf die Frage seiner Forumsgäste nach der Wartung und dem Austausch der Tablets ein: „Hierzu gibt es leider noch kein Signal von Bund und Land zur finanziellen Unterstützung“, bedauerte er. Gleichwohl haben wir das ebenso im Blick wie die notwendige Ausstattung der Schulen mit WLan.“

Die Entwicklung der App „Wir sind Bochum“ beschäftigte das Forum für „Digitale Gesellschaft“. 85 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer würden eine solche smarte Anwendung über ihr Handy gerne für Kultur-, 61 Prozent für Gastro- und 49 Prozent für Bildungsangebote nutzen. „Sehr schön wäre, wenn die Angebote auch in einer Umgebungskarte angezeigt würden und angewählt werden könnten“, regte Juliana dos Santos Reis an.

In 24 Workshops tauschten sich Stadt und Gäste intensiver und kleinteiliger über die smarten Themen aus. Die Mittagspause zwischen Themenforen und Workshops nutzten die Gäste, um agil eine virtuell angebotene Sporteinheit einzulegen, technischen Support zu suchen oder sich in der Talkbox zum Format zu äußern. Mit 185 Menschen entschieden sich die meisten jedoch dafür, sich von Thomas Eiskirch die Bochum Strategie - die Entwicklungsziele der Stadt bis 2030 - näher bringen zu lassen. Der Oberbürgermeister stellte dabei Projektbeispiele aus dem Alltag vor, darunter unter dem Titel „BOvelo“ die digitale Dimension der Leitprojekte für den Radverkehr.

Das Schlussplenum zeigte: Trotz des warmen Sommerwetters diskutierten die Bürgerinnen und Bürger bis zum Ende der Bürgerkonferenz aktiv mit. Nachhaltige Themen zum Klimaschutz und digitale Angebote wie OpenData interessierten sie am stärksten. Grundbotschaft zur Digitalisierung und Bitte an die Stadt waren: den Service weiter verbessern und dabei insgesamt niederschwellig bleiben, um möglichst allen Menschen den Zugang zu digitalen Dienstleistungen zu ermöglichen.

„Die Bochumerinnen und Bochumer haben uns wie bei den vorausgegangenen Bürgerkonferenzen auch diesmal einen ihrer freien Tage geschenkt, um mit uns Bochums Zukunft zu gestalten“, bedankte sich Thomas Eiskirch bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Auch deren Votum fiel positiv aus: Auf die Frage, wie zuversichtlich sie Bochums Zukunft als Smart City beurteilten, zeigten am Ende der Bürgerkonferenz die meisten Daumen symbolisch und eindeutig nach - oben.

Quelle: Stad Bochum

Autor:

Karl - Heinz Lehnertz aus Wattenscheid

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