Ich wünsche dem Laden nur das Beste

Starker Auftritt auf der Bühne (hier in „Werther“) - leiser Abschied aus Bochum: Arne Nobel. | Foto: Foto: Rottstr5
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Warum Arne Nobel dem Theater Rottstr5 den Rücken kehrt

Eigentlich, so Arne Nobel, Begründer und vielbeachtetes „Gesicht“ des Theaters Rottstr5, habe er sich zu den Gründen seiner Trennung von der Bochumer Bühne gar nicht öffentlich äußern wollen. Doch die zahlreichen - ebenso besorgten wie solidarischen - Mails, Nachrichten und Anrufe haben den Regisseur und Schauspieler bewogen, sein Schweigen zu brechen. Eines macht er dabei ganz deutlich: Es sei kein Abgang im Streit gewesen: „Die Trennung ist wirklich einvernehmlich. Ich wünsche dem Laden nur das Beste.“

Ausschlaggebend, so Nobel auf Anfrage des Stadtspiegels, sei eine Verquickung von privaten und strukturellen Problemen gewesen: „Fakt ist, dass ich seit einem halben Jahr gesundheitliche Probleme habe, die wohl streßbedingten Ursprungs sind. Die Arbeit als Schauspieler, Regisseur und Leiter sowie mein Lebenswandel forderten ihren Tribut.“
Vor rund zwei Jahren fast aus dem Nichts heraus geschaffen, entwickelte sich das Theater Rottstr5 schnell zu einem der lebendigsten Bochumer Theaterorte. Kritiker überschlugen sich in ihrem Lob; Zuschauer strömten in Scharen. „Höchst professionelle Theaterkunst unter absolut unprofessionellen Bedingungen“, nennt Arne Nobel das. Denn: Die Theatermacher spielten stets am Rande des (finanziellen) Abgrunds und unter selbstausbeuterischen Bedingungen. Eine Förderung durch Land und Stadt blieb aus.
„Der permanente Kampf um Unterstützung von der Stadt für das Theater und die ungewisse Zukunft taten ein übriges“, sagt Arne Nobel. „Natürlich findet man nur Trost und keine Lösung im Intershop und irgendwann verliert Mann den Überblick und hat nachts ‚tausend ameisen im Koppe‘! Ich habe dann noch weitergemacht und weiter, und bestimmt einigen Kollegen vor den Kopf gestoßen, was ich sehr bedaure, bis es irgendwann einfach nicht mehr ging. Eigentlich sollte es im September nur eine Pause geben, aber die wurde länger und länger und daher verstehe ich, dass der Verein handeln musste, um handlungsfähig zu bleiben.“
Der postive Stress, den das erfolgreiche Theater mit sich brachte, sei irgendwann in einen negativen Stress umgeschlagen. Etwa seit Mai, so der Theatermacher, sei bei ihm eine Unzufriedenheit gewachsen, die zuletzt immer größer wurde. „Mein eigentlicher Beruf, Regie zu führen, lag nur noch bei 25 Prozent - das ist es aber, was ich am besten kann, was mich erfüllt und was ich tun will. Verwaltung und Administration etc., da verliert man leicht den Überblick, gerade, wenn man nur mit Freiwilligen arbeitet.“
Hinzu gekommen sei eine wachsende künstlerische Unzufriedenheit - nicht mit allen Inszenierungen, die an der Rottstr5 zu sehen waren, sei er glücklich gewesen. Auch von dieser Unzufriedenheit habe er sich mit seinem Schritt frei machen wollen. Es gehe immer auch darum, was man erreichen wolle: „Und ich habe größere Ansprüche als Studententheater.“
Nach sechs Jahren in Bochum sei es für ihn daher an der Zeit, weiter zu ziehen.
Was bleibt? „Ich habe in Bochum so tolle Arbeiten machen dürfen: Von „Billy the Kid“ und „Johnny Cash“ über „Naked Lunch“, „Troja“, „Fräulein Julie“ bis zur „Zoo Story“.“ Auf jeden Fall wolle er weiter Theater machen - „vielleicht auch irgendwann wieder in Bochum, gerne eine Shakespeare - vielleicht Julius Caesar“.
Dem Theater wünscht er für die Zukunft eine Förderung von Stadt und Land - um die Zukunft der Bühne ist ihm aber nicht bang: „Die Jungs schmeißen den Laden eh‘ prima ohne mich.“

Starker Auftritt auf der Bühne (hier in „Werther“) - leiser Abschied aus Bochum: Arne Nobel. | Foto: Foto: Rottstr5
Starker Auftritt auf der Bühne (hier in „Werther“) - leiser Abschied aus Bochum: Arne Nobel. | Foto: Foto: Rottstr5
Autor:

Petra Vesper aus Bochum

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