Sechs Millionen „abgefischt“ - Zwei Kartenterminals manipuliert - Wohl 4.000 Kunden betroffen

Foto: Molatta

„Mit hoher krimineller Energie und großem technischem Wissen haben Unbekannte die Daten von rund 4.000 Kunden ausgespäht und einen Schaden von hochgerechnet bis zu sechs Millionen Euro angerichtet. Die Täter haben zwischen dem 10. April bis zum 14. Mai zugeschlagen“, so Volker Schütte von der Pressestelle der Polizei. „Sie hatten je ein an der Kasse stehendes Kartenterminal im Gartencenter Augsburg in Schwerte und in der Filiale Bochum manipuliert.“

„Guten Tag, hier ist die Sparkasse Bochum. Haben Sie in den letzten Tagen im Gartencenter Augsburg mit der EC-Karte bezahlt?“ Rund 30 Kunden der Sparkasse Bochum erhielten in den vergangenen Tagen diesen Anruf. „An einem Terminal wurden Daten ausgespäht. Bitte wundern Sie sich nicht, wir haben vorsichtshalber ihre Karte gesperrt, damit niemand unbefugt Geld abheben kann.“

„Wir sind aktiv auf unsere Kunden zugegangen, bei denen wir ungewöhnliche Kontobewegungen beobachteten. Aber auch die Kunden, bei denen der Verdacht besteht, dass unbefugte Abhebungen vorgenommen werden könnten, wurden von uns informiert“, erklärt Sabine Raupach-Strohmann, Pressereferentin der Sparkasse Bochum.

„Wir wurden von der Polizei informiert, dass in unseren Filialen in Schwerte und in Bochum diese Manipulationen vorgenommen wurden“, so Augsburg-Verkaufsleiterin Barbara Schilling. „Wir wissen nicht, wie trotz aller Sicherungsvorkehrungen wie Alarmanlagen, Bewegungsmelder und Sicherheitsdienst die Täter vorgegangen sind. Unsere Vernutung ist, dass sich die Unbekannten über Nacht haben einschließen lassen. Die Sache ist schleierhaft, da wir seit Monaten keinen Einbruch mehr hatten.“ Nun werden die Kartenterminals über Nacht in den Tresor eingeschlossen.

Bisher gingen 120 Anzeigen bei der Polizei ein. „Es werden immer mehr. Wir gehen insgesamt von bis zu 4.000 Fällen aus“, so Volker Schütte von der Pressestelle der Polizei. „In Bochum sind inzwischen 1.800 Karten gesperrt worden, in 1.000 Fällen hatten die Täter aber schon Abbuchungen zwischen 500 und 5.000 Euro vorgenommen und das Geld nach Kolumbien, Mexiko, in die Dominikanische Republik und nach New York transferiert.“ Im Schnitt wurden 1.500 Euro unberechtigt abgebucht, so dass zusammen mit den Fällen in Schwerte die Polizei mit einer Schadensumme von bis zu sechs Millionen Euro rechnet.

„Die beiden manipulierten Kartenterminals wurden von außen angesteuert und die Daten transferiert“, so Volker Schütte. „Jeder Betrieb, in dem ein Kartenterminal benutzt wird, kann ein Opfer dieser international agierenden Banden werden. Die Geräte sollten immer über Nacht gut weggeschlossen werden“, so sein Rat.

Die Ermittler der Polizei raten, das Auslandslimit bei EC-Karten auf 0,00 Euro zu setzen und nur bei Reisen in das Ausland einen Verfügungsrahmen festzulegen. Damit ist den Tätern die Abhebung von Geld im Ausland nach dem Ausspähen der Daten unmöglich. „Das ist machbar, aber wir halten es nicht für praktikabel“, so Sabine Raupach-Strohmann von der Sparkasse. „Wer spontan zu einem Kurztipp nach Holland aufbricht oder im Ausland tanken will, kann dann nicht mehr mit der EC-Karte zahlen. Diese Lösung ist etwas für ganz Sicherheitsbewusste, die vor und nach jeder Auslandsreise in die Geschäftstelle kommen wollen. Den Betroffenen entsteht in diesen Fällen kein Schaden“, betont die Pressereferentin der Sparkasse. „Stellt man einen Schaden fest, bitte in die Geschäftsstelle kommen und eine Anzeige bei der Polizei erstatten. Dann kommt unser Haftungsfonds für den Schaden auf.“

Übrigens: Auffällige Kontobewegungen lösen über ein Sicherheitssystem vorsichtshalber einen Alarm aus. Und sogenannte Dubletten mit gestohlenen Daten sind an europäischen Geldautomaten völlig nutzlos.

Rat der Polizei
Bei einem Verdachtsfall die Karte umgehend über die Bank oder den bundesweiten Sperr-Notruf 116116 sperren lassen.

Regelmäßig die Kontoauszüge prüfen und die Sicherheitsangebote nutzen.

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