Ein Versuch, die Absurdität dieser Welt zu erklären

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Edward Albees „Zoo Story“ spielt auf einer Bank mitten im Central Park - Felix Lampert und Björn Geske stehen in der neuen Produktion des Theaters Rottstr5 auf der Bühne. Foto: Hupfeld (Foto: Foto: Hupfeld)
Bochum: Theater Rottstr5 | Rottstr5 zeigt Edward Albees selten gespielte Komöde „Zoo Story“

Die Zeitläufte haben ihn eingeholt: Eigentlich wollte Regisseur Arne Nobel mit „Edward Albees „Zoo Story“ endlich mal „etwas Lustiges“ auf die kleine Bühne an der Rottstraße bringen. Doch dann kamen immer neue Bilder der Proteste aus Syrien, dann kam der Anschlag von Oslo - und plötzlich erschienen die Proben in einem ganz neuen Licht. „Die höllischen Ereignisse haen es mir schwer gemacht, Slapstick zu inszenieren“, so Nobel. Der Begriff des „absurden Theaters“, der für Albees Stück immer wieder benutzt wird, habe plötzlich eine ganz andere Bedeutung für ihn bekomen: „Die Inszenierung ist ein Versuch, die Absurdität dieser Welt zu erklären.“

Antworten indes gibt er keine: „Pappschilder hochzuhalten ist nicht so mein Ding. Ich spiele mit Assoziationen, die Transferleistung bleibt dem Zuschauer überlassen. Ich setze eher auf Bilder als auf fertige Erklärungen. Nur dann macht Theater für mich Sinn.“
Die beiden Figuren, die Felix Lampert und Björn Geske auf die Bühne bringen, machten vielmehr die Zerbrechlichkeit unserer Zivilisation deutlich.
Ihre Premiere erlebt die „Zoo Story“ am Donnerstag, 18. August, im Theater Rottstr5. Kurzentschlossene gehen leer aus: Die Premiere bereits jetzt ausverkauft. Für alle, die jetzt keine Karte mehr bekommen, gibt es aber Hoffnung: Wenn das Wetter mitspielt, zeigen die Theatermacher der Rottstr. das Stück in einem „Auswärtsspiel“ am Freitag und Samstag, 26. und 27. August, open air im Weitmarer Schlosspark. Dann ist der Eintritt frei und Besucher sind aufgerufen, Picknick-Körbe mitzubringen.
Für Arne Nobel ist die Albee-Komödie nicht zuletzt auch eine willkommene Abwechslung im großen Nibelungen-Zyklus: „Ich habe schon ziemlich viel gemacht, das reicht erstmal. Jetzt bin ich erst zum Ende wieder dabei.“
Wie so oft im kleinen Theater Rottstr5 ergab sich auch bei der neuesten Produktion das Stück durch die beteiligten Schauspieler: „Felix Lampert und Björn Geske sind ein wunderbares Paar. Sie haben den selben Humor, sind aber total unterschiedlich. Wer weiß, wenn sie weiter zusammen spielen, dann werden sie in ein paar Jahren zu so etwas wie den legitimen Nachfolgern von Walter Matthau und Jack Lemmon als ‚Ein seltsames Paar‘.“ In „Isenstein“ haben beide Schauspieler erstmals gemeinsam auf der Bühne gestanden - bei Albees „Zoo Story“ kommt es nun zu einer Neuauflage.
„Ich habe Albee immer verehrt“, bekennt Arne Nobel. „Und ‚Zoo Story‘, das ganz in der Tradition der ‚Well made plays‘ steht, ist einfach perfekt für unseren Raum.“ Allerdings existierte von dem Stück aus den 50er Jahren bislang nur eine einzige Übersetzung, die zudem ebenso alt war. „Einfach altbacken“, urteilt Arne Nobel, so dass Dramturg Hans Dreher kurzerhand eine modernere Neuübersetzung lieferte. „An diesen Text habe ich mich auch ziemlich eng gehalten“, beteuert Arne Nobel schmunzelnd, dass er diesmal auf die sonst so beliebten Textcollagen weitgehend verzichtet habe „es gibt wenig Fremdes.“ Allerdings habe er zuerst einmal alle Regienanweisungen Albees komplett gestrichen. „Die Inszenierung hat etwas Märchenhaftes und Phantastisches. Ich finde, dadurch wird der Sinn realer.“
Und trotz all‘ der schrecklichen Ereignisse in der Welt, da ist sich Arne Nobel sicher, darf nicht nur im Theater gelacht werden: „Es muss gelacht werden!“
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