Bahnbrücke Horster Straße: Tschüss Baustelle, auf Wiedersehen Umleitung

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Nach mehrjähriger Bautätigkeit und vielen Verzögerungen ist die Bahnbrücke Boy wieder in beide Richtungen befahrbar.

„Endlich!“ wird wohl das Wort des Jahres in der Boy. Denn nach mehrjähriger Bauzeit und etlichen Verzögerungen wurde vor ein paar Tagen die Bahnbrücke an der Horster Straße und damit eine der Hauptverkehrsstraßen, die den Stadtteil mit der City verbindet, wieder komplett für den Verkehr freigegeben - keine Einbahnstraße mehr, keine Umleitungen.

Die alte Bahnbrücke war mit rund 80 Lebensjahren einfach zu alt und zu marode. Auch war das Bauwerk für die aktuelle Verkehrsbelastung nicht mehr ausreichend tragfähig. „Die Schäden sind so erheblich, dass eine Sanierung unwirtschaftlich ist“, betonte damals Tiefbauamtsleiter Dirk Laumeier.
Das war im November 2009.Die Autofahrer und die Anwohner, so die damalige Einschätzung, müssten sich auf zwei Jahre mit Stau und Baulärm einrichten, dann sollte die neue Brücke fertig sein. Aber es kam anders. Nicht nur strenge Wintermonate, vor allem die notwendige Abstimmung der Arbeiten mit den zahlreichen zuständigen Untergesellschaften der Bahn wurden immer wieder zur Fortschrittsbremse.

Jetzt ist das Projekt also so gut wie beendet, was noch fehlt, ist „Kosmetik“. „Das war ein ganz wichtiger Punkt im Rahmen der Gesamterneuerung der Horster Straße“, sagt Klaus Benscheid vom Tiefbauamt. In diesen Tagen werden die Schilder, die die großräumige Umleitung ausschildern und auf die Baumaßnahme hinweisen, ins Depot wandern. Das Geländer des Bahnsteigzugangs in Richtung Dorsten muss noch verlegt werden, die Bahnböschungen werden begrünt, der Unternehmer, der die Zufahrt zum Park and Ride-Parkplatz auf dem ehemaligen Tankstellengelände gepflastert hat, muss nachbessern.

Stichwort Park and Ride: Der Parkplatz, auf dem rund 30 Autos und 20 Fahrräder Platz finden sollen, werde definitiv gebaut, verspricht Klaus Benscheid. Der Zeitpunkt dafür ist allerdings noch unklar, da dieser Teil der Maßnahme in die Zuständigkeit der Bahn fällt.

Die ist ebenso für den barrierefreien Zugang zum Bahnsteig zuständig, der nicht nur der Stadt und den Bottropern versprochen wurde, sondern auch vertraglich zwischen Bahn und Land geregelt wurde. Dennoch weigert sich die Bahn bislang, dieser Verpflichtung nachzukommen. „Zu geringe Fahrgastzahlen“ heißt das Argument. Die Stadt und der VRR sind derzeit mit vereinten Kräften dabei, ein Umdenken zu erreichen. Obwohl die Stadt die Baumaßnahme zu 100 Prozent fördert, will sie nicht selber tätig werden. Denn dann, so erläutert Klaus Benscheid, sei sie in Zukunft auch für die Wartung zuständig.

Die Kosten der jetzt 19 Meter breiten und 17 Meter langen Brücke betragen rund 2,4 Mio Euro. Weil auch die Bahn von der Erneuerung profitiert, beteiligt sie sich mit knapp der Hälfte an den Kosten. Der städtische Anteil wird mit 85 Prozent von Bund und Land gefördert. Die verbleibenden Kosten von knapp 200.000 Euro werden von der Stadt getragen. Für die Gesamterneuerung der Horster Straße wurden 11 Millionen Euro veranschlagt. Zwei weitere Bauabschnitte stehen noch aus, dann ist die Verkehrsachse „generalüberholt“.
Für den Bahnverkehr wurde die Durchfahrt höher und breiter. Auf der Brücke wurden Radfahrstreifen eingerichtet. Die Bushaltestellen liegen nun direkt auf der Brücke.

Zur Erinnerung: Im Winter 2009 wurde eine Behelfsbrücke zur Aufnahme des stadtauswärts fließenden Verkehrs errichtet. Das riesige Ding wurde in den Niederlanden gemietet und ermöglichte - bis auf wenige Ausnahmen - den Verkehr zumindest einspurig über die Horster Straße leiten zu können. Es folgten die Verlegung der dortigen Wasser- und Telekomleitungen. Für den Verkehr stadteinwärts wurde die schon von den Arbeiten an der Brücke über die Zechenbahn bekannte Umleitung über die Batenbrockstraße eingerichtet.
Eine der spektakulärsten Aktionen war der Abriss der alten Brücke, der an einem Wochenende im Sommer erfolgte. Hierfür mussten nicht nur die Straße, sondern auch die Bahngleise gesperrt werden. Zuerst wurde der Beton in große Stücke gebrochen, dann abtransportiert. Der Einsatz eines tonnenschweren Kranes, der die Brückenplatte aus der Verankerung hob, entwickelte sich zum Zuschauermagneten - auch Dank der Tatsache, dass man auf einen blickdichten Bauzaun bewusst verzichtet hatte.

„Wir haben jetzt wirklich einen klasse Verknüpfungspunkt für alle Verkehrsträger erreicht“, zeigt sich Klaus Benscheid zufrieden. „Die Busse halten direkt auf der Brücke, am Zugang zum Bahnsteig, es wird einen Park and Ride-Parkplatz geben, an dem man zusätzlich Fahrräder mieten kann - das Ziel ist erreicht.“

Ein großes Lob spricht er in diesem Zusammenhang den Anwohnern und den Geschäftsleuten in der Boy aus. „Die Geduld und die Kooperation waren hervorragend, ein wirklich partnerschaftlicher Umgang. Und speziell für die Geschäftsleute war es ja wirklich keine leichte Zeit.“

Hintergrund:

Die Boyer Kaufleute haben sich im Lauf der Bauarbeiten an der Horster Straße zur IG Boy zusammengeschlossen.

Gemeinsam wurden verkaufsoffene Sonntage, Kundenaktionen zu Ostern und Weihnachten oder Sommerfeste organisiert, um die Besucher, die durch die Straßensperrungen vom Stadtteil ferngehalten wurden, in die Boy zu locken.

Die IG Boy hat ihren Vorstand neu gewählt. Vorsitzende ist weiterhin Stefanie Papierok, ihr Stellvertreter ist Holger Czeranski. Daneben werden sich weitere Mitglieder der Interessengemeinschaft in unterschiedlichen Gruppen engagieren: Heike Ingendoh, Stephan Löpenhaus und Christel Lukas (Osteraktion), Berthold Birkner, Hannelore Bahl und Birgit Grabosch (Gruppe Nikolaus- und Weihnachtsaktion), Berthold Birkner (Stadtkontakte), Oliver Daschkey (Pressearbeit), Rainer Pawliczek (Schriftführer), Norbert Lukas (Kassierer).

Autor:

Judith Schmitz aus Bottrop

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