LK-Kindheit / LK-Rückblick
Berliner Kind - Schweriner Kind

Berlin-Köpenick 1943
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Meine Eltern lernten sich in Berlin-Köpenick kennen. Papa war ein gebürtiger Castrop-Rauxeler, Mama eine waschechte Berlinerin.  Nach den Wirren des 2. Weltkrieges folgte sie ihm in unsere schöne kleine Stadt.

Berlin-Köpenick 1943

Wir teilten uns eine Wohnung mit einer alten, verwitweten Dame "auf Schwerin". Sie wurde dazu verdonnert, eine Familie aufzunehmen, da Wohnraum zu der Zeit knapp war. Ich verbrachte meine ersten 6 Lebensjahre dort.

Die liebe Tante Machholz teilte ihre Wohnung mit uns. Wir Kinder nannten sie "Nana". Immer wenn wir Blödsinn machten, erhob sie ihren Zeigefinger und sagte :"Na, na ..." Das verhalf ihr zu diesem Namen.
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Wir hatten 2 Zimmer und unsere Mitbewohnerin hatte 2 Zimmer, die Toilette hat sie mit uns geteilt. Ein Badezimmer gab es nicht. Aber eine Waschküche und einen wunderschönen Garten. Wir hatten Möhren, Erdbeeren, Stachelbeeren und Johannisbeeren. Im Sommer wurde für uns Kinder eine alte Zinkwanne auf die Wiese gestellt und mit Wasser gefüllt zum plantschen. Manchmal hat Mama uns eine frisch geschrappte Möhre gegeben, die wir in Zucker eintauchen durften. Was für ein Genuss !

Mit meinem großen Bruder und 'ner Miezekatze
  • Mit meinem großen Bruder und 'ner Miezekatze
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Später zogen wir in eine Neubauwohnung nach Bladenhorst, in eine Werkskolonie. Mein Bruder und ich hatten jeweils ein eigenes Zimmer, aber ich war dort anfangs todunglücklich. Ich vermisste unseren Garten.  Mit der Zeit gewöhnte ich mich an die neue Umgebung.

In der Siedlung wohnten viel mehr Kinder und alle tummelten sich auf der Straße. Wir spielten Verstecken, Räuber und Gendarm und Gummitwist, kletterten auf Bäume und sprangen von Garagendächern. Unsere Kolonie war durch eine Eisenbahnunterführung erreichbar. Und diese Unterführung bot ungeahnte Möglichkeiten.

Bei starken Sommerregen gab es regelmäßig Überschwemmungen unter der Brücke. Das Wasser stand mindestens kniehoch. Und wir "Blagen" warteten auf die Tankwagen. Die 30-Tonner nahmen den Weg durch die Unterführung Richtung Rütgerswerke und zurück. Bei der Durchfahrt entstand ein Sog, der das Wasser zur Mitte zog und der Bürgersteig war frei. In dem Moment waren wir dran und wir mussten schnell sein.  Beine in die Hand nehmen und rennen ! Der Sinn bestand darin, trockenen Fußes von der einen Seite zur anderen zu gelangen und die Zeit war knapp. Sobald der Tankwagen durch war, schwappten die Wellen zurück und die gesamte Unterführung stand wieder unter Wasser. Das war ein Heidenspaß! Die Taufe zum Ruhrpottkind. Und ich gehörte dazu.

Autor:

Birgit Schwier aus Castrop-Rauxel

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