Nostalgisches Hörerlebnis: Im Repair-Café wurden alte Röhrenradios instand gesetzt

Wolfgang Winter vom Repair-Café Castrop-Rauxel repariert das Radio Loewe Opta „Magnet“.
  • Wolfgang Winter vom Repair-Café Castrop-Rauxel repariert das Radio Loewe Opta „Magnet“.
  • hochgeladen von Vera Demuth

Nostalgisch ging es am Samstag (14. Oktober) im Maximilian-Kolbe-Haus in Henrichenburg zu. Anlässlich der Internationalen Repair-Café-Woche hatte das Repair-Café Castrop-Rauxel dazu aufgerufen, das älteste Radio der Stadt vorbeizubringen. Da wurden viele Erinnerungen wach.

„Ich habe als Kind bei meinem Großvater in der Küche gesessen und daran gespielt“, erzählt Christian Geiger über das Röhrenradio „Magnet“ der Marke Loewe Opta, das er mitgebracht hat. 20 Jahre stand das Erbstück, das 1961 oder 1962 produziert wurde, bei ihm herum.
Nun nutzt er die Gelegenheit, es von den fachkundigen Mitgliedern des Repair-Cafés reparieren zu lassen. Eine der Röhren und auch der Trafo ist defekt. Beide tauscht Wolfgang Winter aus, so dass Geiger das Radio voll funktionstüchtig wieder mitnehmen kann. Nun soll es auf der Kommode stehen, wo Geiger es seinen beiden Kindern (drei und sechs Jahre) vorführen will.
Stolze 225 DM hat Christian Ulbrichs Vater im Jahr 1960 für sein Röhrenradio Loewe Opta „Rheinperle“ bezahlt. Auch er verbindet Erinnerungen damit. „Als Kind habe ich mich gefragt, wie die Leute da hinein kommen.“ Er gehört selbst zum Team des Repair-Cafés, lässt das Radio aber von seinem Kollegen Michael Mehnert reparieren. „Der Kondensator ist ausgelaufen. Das ist ein Standardproblem“, erklärt dieser.

"Weil man sie reparieren kann"

Die damit verknüpften Erinnerungen sind ein Grund, warum Mehnert glaubt, dass es sich lohnt, die alten Geräte instand zu setzen. „Weil man sie reparieren kann“, nennt er einen weiteren, denn bei neueren Geräten sei dies nicht der Fall. Hinzu komme der „warme Röhrenklang“, der wegen des Holzgehäuses der alten Radios besser sei.
Ob die Röhren eines Radios noch funktionieren, misst Jörg Haase. Er hat dazu in dreimonatiger Arbeit ein Messgerät nachgebaut und Material im Wert von 2.500 Euro hineingesteckt. „Das amortisiert sich nie“, sagt er, „aber es macht Spaß.“ Nach einem Blick auf seinen Laptop, auf dem drei grüne Symbole aufleuchten, weiß er: „Die Röhre ist in Ordnung. Die kann eingebaut werden.“

Volksempfänger ist das älteste Radio

Insgesamt folgten zehn Besucher dem Aufruf des Repair-Café-Teams, ihre alten Radios am Aktionstag vorbeizubringen – eine gute Quote, sagt Organisator Günter Richter. Das älteste Gerät, das die Teilnehmer aus ihren Ecken hervorgezaubert haben, ist ein Volksempfänger VE 301, der Anfang der 1930er Jahre produziert wurde. Dessen Besitzer darf sich nun über eine Urkunde und einen Gutschein für das Westfälische Landestheater freuen.
Ob das Gerät läuft, weiß aber niemand vom Repair-Café. „Man bräuchte eine 15 Meter lange Antenne, um es auszuprobieren“, so Richter. Auf jeden Fall würde es aber kein UKW empfangen, sondern nur Kurz- und Langwelle, sagt Richter über das Radio, das auch als „Goebbels-Schnauze“ bekannt ist.

Autor:

Vera Demuth aus Bochum

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