Eine Borbeckerin im Zoo

Wer fürchtet sich vor wem? Hier haben die Kids eindeutig mehr Zweifel als die Gespenstschrecke, die doch recht munter war.
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Gaby Borg ist Borbeckerin aus Leidenschaft. Und sie hat einen ganz besonderen Beruf: Borg ist Zoopädagogin beim Zoo Krefeld. Der BORBECK KURIER hat die Pädagogin einen Tag begleitet und ihr bei ihrer Arbeit über die Schulter geschaut.

„Ein Pfeiler des Zoo Krefelds ist es, viel mit Kindern zu arbeiten, sie auf die artgerechte Tierhaltung hinzuweisen und ihr Verständnis gegenüber Tieren zu schärfen. Deswegen gibt es bei uns das sogenannte ‚Forscherhaus‘, bei dem sich Kinder treffen können und wir auch bereits mit sehr kleinen Gruppen arbeiten“, berichtet Gaby Borg.
Der erste Arbeitsgang an einem Tag ist es, die Kaninchen, welche ein großes Gehege hinter dem Forscherhaus haben, zu füttern. „In den sehr kalten Wochen mussten wir zusätzliches Heu und Windschutz anbringen, damit die Tiere nicht gefährdet sind“, so die Pädagogin.
Nach dem Füttern geht dann alles Schlag auf Schlag. Der Juniorclub kommt, tierinteressierte Kinder im Alter von drei bis sieben Jahren, die einmal im Monat im Zoo neue Erfahrungen sammeln können. Durchweg betreut versteht sich.
„Die Arbeit mit Kindern ist sehr schön, vor allem wenn sie sich freuen, oder man merkt, dass man doch schon kleine Spezialisten in den jeweiligen Gruppen hat“, so Borg.
Am Tag unseres Besuches lernt der Juniorclub die Tiere kennen, die im Forscherhaus leben. Angefangen mit Stabheuschrecken über Gespenstschrecken, Achatschnecken bis hin zu einer Bartagame, sehen die Kids die Tiere hautnah und dürfen die Betreuerinnen mit Fragen löchern.
Bei den Stabheuschrecken besteht sogar die Möglichkeit, diese auf die Hand zu nehmen. Natürlich nur, wer auch wirklich mag. „Es gibt immer wieder Kinder, die Angst vor dem kleinsten Lebewesen haben. In der Gruppe jedoch entwickeln sie sich zumeist prächtig und manchmal können sogar die Eltern noch etwas von den Kindern lernen“, so Borg.
An eine Geschichte erinnert sie sich noch ganz genau: „Wir standen mit einer Gruppe Kindern vor den Elefanten, bis dann einige meinten, wie toll animiert diese doch wären. Die Kinder dachten wirklich, es handelt sich nicht um echte Tiere, sondern um Hologramme vom PC oder ähnliches. Als wir ihnen dann behutsam mitteilten, dass die Elefanten, die sie sehen, wirklich echt sind, konnten die Kinder es zuerst kaum glauben, waren danach aber völlig aus dem Häuschen“, berichtet Borg.
Das zeigt auch gerade den Wandel von Zoos. Dass es nicht mehr darum geht, Tiere in kleinen Käfigen zu zeigen, sondern die Menschen auf artgerechte Haltung aufmerksam zu machen. „Es gibt leider immer noch sehr viele Kinder, die ihre Freizeit einzig und allein zu Hause und vor dem PC verbringen“, verdeutlicht Borg, „diese Kinder profitieren sehr davon, in den Juniorclub zu kommen.“
Gesagt getan geht es nun auf zu Rundgängen durch den Zoo. In Gruppen mit je fünf Kindern machen sich Borg und ihre Helferinnen auf den Weg, um den Kindern zumindest zu einigen Tieren schonmal ein wenig zu erklären. „Ganze Zoorunden gehen wir nicht“, betont Borg. Die Kinder sollen eben nicht überfordert werden.
„Die erste Station in Gaby Borgs Gruppe sind die Kamele. Hier gibt es bereits die erste Frage, die auch so manch ein Erwachsener sicher falsch beantworten würde, nämlich: „Was ist drin im Kamelhöcker?“ Na wussten Sie‘s? Wer hier mit Wasser antwortet, wird eines Besseren belehrt: Fett ist im Kamelhöcker enthalten. Auf die Frage, warum die Kamele nur wenig Zweige mit Rinde zum abnagen bekommen schmunzelt Borg: „Die Tiere würden alles fressen, über Äpfel, Möhren und andere Leckereien. Aber das ist nicht gut für sie, denn da wo sie herkommen, gibt es auch nur begrenzte Nahrung. Da muss man die Nahrung hier anpassen, sonst werden die Kamele krank.“
Ganz besonders begeistert sind die Kids aber von den Pinguinen. „Die fliegen durchs Wasser“, hört man da nur von den Kindern. „Das Pinguinbecken ist das nächste, welches nach dem Gorillagarten erneuert wird“, betont Borg.
Dann ist es auch schon wieder Zeit für die Kinder und sie werden von ihren Eltern abgeholt. Doch eine Ruhepause gibt es für Gaby Borg nicht. Sie muss in den nahegelegenen Blumenladen und Tulpen abholen für die nächste Führung. „Eine Säule des Zoos sind die vielen interessanten Führungen, die wir anbieten, wie eine Führung für verliebte Pärchen am Valentinstag, Fledermausführungen oder Haloweenrundgänge. Immer thematisch abgestimmt.“
Neben der Arbeit mit der Jugend stehen für Borg also auch Führungen für interessierte Besucher auf dem Programm.
Eines ist gewiss, vielseitig ist der Beruf im Zoo in jedem Fall. Aus Borbeck wegziehen möchte Borg deswegen aber nicht. „Dafür mag ich den Stadtteil zu gerne und hänge zu sehr an Essen.“ Hier könne man sich übrigens hervorragend in der Natur aufhalten. Und welche Voraussetzungen sind zu erfüllen um Zoopädagogin zu werden?
„Zuallererst einmal habe ich Biologie studiert“, so Borg. „Nach Abschluss des Biologiestudiums und des Diploms, war schon klar, dass ich einmal im Zoo landen möchte.“ Doch bis dahin war es für Borg ein langer Weg. Angefangen mit Bundes- und Landesgartenschauen war Borg damit betreut, verschiedene Umweltthemen für Schulklassen aufzubereiten und diese dann bei den Landesgartenschauen vorzustellen. „Von klein auf bin ich immer gerne in den Zoo gegangen“, erinnert sich Borg. Dann wurde das Zooführerteam im Krefelder Zoo langsam aufgebaut und Gaby Borg als Zooführerein engagiert.
„Hier bin ich dann hängengeblieben als Leiterin des Zooführerteams. Krefeld ist ein kleiner aber feiner Zoo mit einem tollen Erholungscharakter“, so die Pädagogin. Und man erkennt: Hier werden die Gehege neu gestaltet, die Tiere beschäftigt, damit ihnen nicht langweilig wird.
„In meinem Job muss man auch einiges an Büroarbeit leisten, neben dem Füttern der Tiere im Forscherhaus und der Betreuung der Kindergruppen. Aber das ist in jedem Job so, man kann eben nicht den ganzen Tag beispielsweise mit den Kindern Spielzeug basteln für die Affen.“ Aber eines ist gewiss: Das Leuchten der Kinderaugen, wenn die Kids beobachten können, wie die Affen sich mit den selbstgebastelten Spielzeugen beschäftigen, tröstet dann doch über manchmal lästige Büroarbeit hinweg. Weitere Infos: www.zookrefeld.de.
Fotos: Decker

Autor:

Silvia Decker aus Emmerich am Rhein

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