Essener TelefonSeelsorge bietet bald auch Kontaktaufnahme per Mail
„Schreib‘ mir, was Du nicht aussprechen kannst!“

Kompetente Beratung auf allen Kanälen.
  • Kompetente Beratung auf allen Kanälen.
  • Foto: Archivbild Essener TelefonSeelsorge
  • hochgeladen von Claudia Kornicki

Im Frühjahr 2019 will die Essener TelefonSeelsorge das Angebot des Mailkontaktes anbieten. Dies konnte verwirklicht werden, da der Innovationsfond der Evangelischen Kirche Essen die Ausbildung finanziell unterstützt und nun die Ressourcen vorhanden waren, mit dem Projekt „Mailarbeit“ beginnen zu können.

Bei der bundesweiten TelefonSeelsorge - ein gemeinsames Angebot der evangelischen und katholischen Kirche - gibt es die Beratung per E-Mail bereits seit 1995. Der Bedarf an alternativen Kontaktmöglichkeiten steigt stetig an. „Immer mehr junge Leute telefonieren nicht mehr, sondern mailen oder chatten“, berichtet Elisabeth Hartmann, Referentin in der katholischen Telefonseelsorge Essen. Das Alter der Nutzer im Chat- und E-Mail-Bereich ist deutlich jünger, wie sie weiß: „Von 14 bis unter 40 liegt der Schwerpunkt. Die meisten sind unter 30 Jahren.“

Damit noch mehr junge Menschen über diesen Weg Hilfe suchen und auch bekommen können, absolvieren nun zehn der ca. 120 ehrenamtlichen Essener Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Zusatzqualifikation für die E-Mail-Seelsorge, damit sie den bundesweiten Beraterpool verstärken können. Im April oder Mai sollten sie so weit sein. „Es sind erfahrene Telefonseelsorger und –seelsorgerinnen, die sich nun der neuen Herausforderung stellen. „Ein Text antwortet einem Text", so Elisabeth Hartmann. Es sei eine ganz besondere Herausforderung, weil viele andere Wahrnehmungskanäle ausgeschaltet sind und alles sich auf das geschriebene Wort reduziert.

Hemmschwelle noch geringer

Zugleich aber auch ein großer Vorteil, weil die Kontaktanbahnung per E-Mail sehr niederschwellig ist. „Der Ratsuchende muss noch nicht mal seine Stimme preisgeben. Dadurch können auch Themen besprochen werden, die deutlich angst- und schambesetzter sind", weiß die erfahrene Telefonseelsorgerin. Gewalt, Missbrauch, Suizid – schwierige Themen können über die Tastatur thematisiert werden, für die den Betroffenen sonst die Worte fehlen würden. „Was ich ihnen schreibe, das könnte ich niemals aussprechen“ – solche und ähnliche Aussagen sind im Beratungsalltag häufig zu hören.

Während bei der TelefonSeelsorge der Ansprechpartner bei jedem Anruf ein anderer sein kann, ist das bei der E-Mail-Begleitung anders: Der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin bleibt in der Begleitung mit dem Ratsuchenden verbunden - Vorteil und Herausforderung zugleich. Die höhere Verantwortung gegenüber dem Ratsuchenden auf der einen Seite – zugleich auch die Notwendigkeit zur Abgrenzung, die auch Elisabeth Hartmann kennt: „Da denkt man am Wochenende dann doch mal dran. Das muss man wollen, mit anderen Menschen so intensiv zu arbeiten.“

Die Anonymität bleibt bei jeder Form der Kontaktaufnahme stets gewahrt. Alle Mitarbeiter der Telefonseelsorge arbeiten in einem gemeinsamen System. Eine SSL-Verschlüsselung bei der E-Mail-Übertragung und ein selbst gewählter Nickname für das Login sorgen für maximale Anonymität. „Die Begleiter und Begleiterinnen sehen keine Mailadresse – höchstens das, was der Betreffende durch Anklicken von sich preisgeben möchte. Ob er männlich oder weiblich ist und sein ungefähres Alter. Mehr nicht", weiß Elisabeth Hartmann.

Die Anonymität bleibt immer gewahrt

Junge Menschen dort abholen, wo sie sich meistens aufhalten und ihnen weitere Hilfe und Kontaktmöglichkeiten anbieten – eine tolle Idee, die auch von der „freddy fischer stiftung – Chance Zukunft“ honoriert wird. Als neues förderndes Mitglied unterstützt die Stiftung die Arbeit des Fördervereins „Essener TelefonSeelsorge e. V. (FETS)“ in den kommenden drei Jahren mit jeweils 1500 Euro. Weitere Seminare und Fortbildungen für die Mitarbeiter sollen damit gefördert werden.

Für Ratsuchende: Seelsorge per E-Mail ist über die bundesweite Zuleitung jetzt schon möglich. Alle Anfragen werden über die Zentrale in Berlin vermittelt. Jeder, der über diesen Weg Hilfe suchen möchte, kann dies tun über www.telefonseelsorge.de und klickt dort auf „Mailberatung“.

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