"Ewigkeits-Stein" für Mordopfer Berthold

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Ein Aufschrei ging durch die Essener Bevölkerung, als die vom grauenvollen Mord des Frohnhauser Obdachlosen Berthold hörte. Ein 68-jähriger Rache-Rentner fackelte ihn mit Benzin wie einen Müllhaufen ab. Sein Tod rückte die Menschen zusammen. Unvergessen bleibt er durch ein Denkmal---!

Noch immer zieht die Todesstelle von Berthold die Leute an. Stunde um Stunde. Tag für Tag stehen Menschen im Westpark vor seiner „Brennkammer“, einem Streugutcontainer. „Ich vermisse ihn so“, bekennt auch Ursula Weichert. „Vor einigen Jahren schleppte er mir den Tannenbaum vom Frohnhauser Markt in meine Wohnung. Er war immer nett und freundlich. Tat niemandem was Böses.“ Kopfnicken der Umstehenden. Jeder erzählt nur Gutes über ihn.
„Berthold hat einen würdigen Abschied verdient.“ Diese Worte prägte prompt nach dem Verbrennungsmord Udo Marx. Mit Kollegen organisierte er kurzfristig auf dem Markt ein Super-Benefizkonzert. Wie geht’s weiter?

An Ort und Stelle trafen sich nun Udo Marx sowie Jutta Motzek – Berthold’s Freundin im wahrsten Sinne – Jan Bormann, Bildhauer BBK Dipl.-Designer aus Castrop-Rauxel und Bernd Hutschenreuter, Mitglied im Deutschen Werkbund.

„Es soll kein offizielles Denkmal für Obdachlose werden. Ich möchte etwas schaffen, das auf die Thematik Gewalt hinweist. Und Berthold muss draufstehen.“ Schon skizziert der Bildhauer seine Gedanken: Eine hingekauerte Figur mit schützenden Händen. Pfeil – Bedrohung kommt von oben. Flammen. Berthold. Datum. Ein ca. zwei Meter hoher Ruhrsandstein soll es sein mit einer gewissen Dicke, keine dünne Platte. Mit Anti-Graffitischutz soll der Stein versehen werden.

Zögernd formuliert Bernd Hutschenreuter seine Gedanken. Er blickt auf den offen stehenden Container, im Innern rußgeschwärzt.. „Wie eine Brennkammer. Ich muss mich durch den Stein beißen, um überhaupt einen Schutz zu bekommen. Wenn ich diese Grotte machen würde, wie kriege ich die Bedrohung rein?“
„Mit Kerzen, Grablichtern zwischen dem Obelisk? Seitlich? Die Gewalt kommt von außen!“ Gedanken werden ausgetauscht. Jutta Motzek wirft ein: „Berthold sagte immer: „Ich geh in mein 1.50 x 1.80.“ Seine Schlafstelle. „Und er wollte ja auch nicht dreckig erscheinen. Er hat sich immer ein bisschen abgesondert von den anderen. Sagte öfter: Kleene, kannst du mir die Haare schneiden.“ Hutschenreuther ergänzt: „Verstehe, seine Würde, seinen Stil bewahren.“
Wer übernimmt die Steinpflege? Bei Schattenlage wird er relativ schnell grün. Bleibt der Container hier stehen? Kommt wieder Split rein? „Aus Pietätsgründen muss er leerbleiben“, widerspricht Marx. „Er sollte so als Erinnerung bleiben und am Standort“, formuliert Jutta Motzek. Was ist mit den Büschen? „Die müssten dann auch bleiben. Als Gardine. Berthold duckte sich, ging in sein 1.50 x 1.80“, so Hutschenreuther.

Fazit: Bildhauer Bormann sucht im Herdecker Steinbruch nach einem passenden Stein. Der muss natürlich auf einem Betonfundament befestigt werden von einem Steinmetzbetrieb. Vielleicht findet sich noch eine Firma für das Fundament? Denn der ganze Stadtteil zeigt ja Betroffenheit. Eine aufrechte Stele soll an einen aufrechten Menschen erinnern.
Udo Marx ist sich sicher, dass letztendlich Grün und Gruga das Okay für Bertholds „Mahn“-Mal gibt.

Fotos: Uwe Schattberg

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