Kronenberg – die unbekannte Krupp-Siedlung

Froh über den neuen Erinnerungsort (v. links n. rechts):
Doris Eisenmenger (Bezirksvertretung III), Dr. Reinhard Mielke (Altendorfer Bürgerverein), Bezirksbürgermeister Klaus Persch, Reinhard Matten (Altendorfer Bürgerverein), Architekt Wolfgang Zimmer.
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  • Froh über den neuen Erinnerungsort (v. links n. rechts):
    Doris Eisenmenger (Bezirksvertretung III), Dr. Reinhard Mielke (Altendorfer Bürgerverein), Bezirksbürgermeister Klaus Persch, Reinhard Matten (Altendorfer Bürgerverein), Architekt Wolfgang Zimmer.
  • hochgeladen von Mareike Ahlborn

Bürger-Engagement macht‘s möglich: In Altendorf erinnert eine neue Gedenktafel an Alfred Krupps letztes und zugleich größtes Wohnungsbauprojekt. In der Arbeitersiedlung Kolonie Kronenberg wohnten früher etwa 8.000 Menschen. Heute ist von ihr (fast) nichts mehr übrig.
„Kronenberg“ – das ist vielen Essenern ein Begriff. So heißt doch eine Straßenbahnhaltestelle, und ein Einkaufszentrum in Altendorf … Weniger bekannt ist allerdings, wonach diese beiden Einrichtungen benannt sind. Dabei steht der Name für ein wichtiges Kapitel der Stadtgeschichte. Für Aufklärung sorgt jetzt der Altendorfer Bürgerverein, der am 29. November eine Tafel an der Ecke Sälzerstraße/Haedenkampstraße aufgestellt hat.

Auf Bauer Krones Acker

Die Geschichte beginnt damit, dass Alfred Krupp in den 1860er-Jahren ein Unterbringungsproblem hatte. Seine Stahlfabrik boomte, er brauchte immer mehr Arbeiter. Doch Wohnraum in Essen war knapp. Krupp handelte, indem er dem Landwirt Krone in Altendorf ein Feld abkaufte, das westlich an sein Werk angrenzte. Darauf ließ er von Regierungsbaumeister Gustav Kramer aus Berlin zweckdienliche Mehrfamilienhäuser für Werksangehörige bauen.
Nach drei Jahren Bauzeit stand die Arbeitersiedlung („Kolonie“) Kronenberg: 221 Backsteinhäuser mit 1356 Wohnungen. Heute ist die riesige Siedlung von damals verschwunden. Die expandierende Firma Krupp selbst ließ in den 1940er-Jahren einen Teil abreißen, den Rest zerstörte der Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs. Einzig die ehemalige Bierhalle des Arbeiterviertels ist noch erhalten.

Ein Stück Altendorfer Geschichte

Dass es ab sofort einen Erinnerungsort für Kronenberg gibt, ist ehrenamtlichem Engagement zu verdanken. Als der Architekt Wolfgang Zimmer das Kronenberg Center entwirft, recherchiert er die Baugeschichte Altendorfs und stößt dabei auf Unterlagen zur Kronenberg-Siedlung. Das Thema fesselt den Architekten so, dass er 2016 für den Bund Deutscher Architekten (BDA) einen Baukulturspaziergang im ehemaligen Kronenberg-Viertel anbietet. Unter den 60 Kronenberg-Spaziergängern, die kommen, befindet sich auch der Ingenieur Dr. Reinhard Mielke, Mitglied im Altendorfer Bürgerverein. Hinterher ergreift Reinhard Mielke die Initiative und setzt sich für einen Erinnerungspunkt in Altendorf ein.
„Dr. Mielke hat nicht nur den Altendorfer Bürgerverein von der Notwendigkeit einer Gedenktafel überzeugt, sondern auch Sponsoren dafür gefunden“, freut sich Bezirksbürgermeister Klaus Persch bei der Einweihung.

Wegweisende Architektur

Ein Blick aufs historische Foto zeigt: Kronenberg war keine Margarethenhöhe. Streng rechtwinklig angeordnet reihten sich dreistöckige Mietskasernen aneinander. Die Bewohner, allesamt Kruppsche Arbeiter oder Familienangehörige, wohnten dicht an dicht, benebelt vom Rauch der Stahlfabrik. Einerseits.
Andererseits hatten die Kruppianer Infrastruktur direkt vor der Haustür, einen Marktplatz, ein Lebensmittelgeschäft und eine Bierhalle mit Versammlungssaal. Und die Wohnungen überzeugten durch hohen Standard: Toiletten „auf halber Treppe“ und eine abgeschlossene kleine Wohneinheit für jede Familie waren Ende des 19. Jahrhunderts nämlich keine Selbstverständlichkeit.
„Für den Wohnungsbau war der Entwurf der Werkssiedlung Kronenberg wegweisend“ bestätigt Architekt Zimmer. „Das Projekt strahlte bis nach Berlin aus, sogar der Kaiser kam zu Besuch.“

Vorbild Kronenberg?

Schnee von gestern? Vorsicht! Das Problem der Wohnungsnot in einer wachsenden Stadt ist gerade wieder brandaktuell. Dr. Reinhard Mielke: „Damals wie heute stellt sich die Frage: Wie können wir sehr schnell und zu möglichst günstigen Preisen Wohnungen für sehr viele Menschen bauen?“ Dass man aus der Anlage der Kolonie Kronenberg etwas lernen könne, sei eine Überlegung wert, so Mielke. Bis dahin leistet der Bürgerverein wertvolle Erinnerungsarbeit. Und folgt dem Motto des Künstlerprojektes „Stolpersteine“: „Um die Stadt, in der man lebt, zu verstehen, ist es wichtig, ihre Geschichte zu kennen.“

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