Die Faszination des Grauens - Lost Places
Leon und Berkant begeben sich auf Geisterjagd

Foto: Privat
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Verlassene Militäranlagen, vergessene Industriebauten oder unbewohnbare Wohnhäuser - die Faszination solcher so genannten "Lost Places" zieht seit einigen Jahren immer mehr Menschen in ihren Bann. Auf seinem YouTube-Kanal "LeonTV" besucht der Gelsenkirchener Leon gemeinsam mit seinem besten Freund Berkant die heimgesuchtesten verlassenen Orten in Deutschland, um den dunklen Geschichten dahinter auf den Grund zu gehen.
Wer kennt nicht das eine oder andere verlassene Gebäude, dessen bloßer Anblick einen erschaudern lässt? Wo andere einen großen Bogen drum machen würden, dahin lockt es Leon und Berkant aus Gelsenkirchen regelmäßig.
"Schon als Kind war ich besonders von einem alten Bahnhofsgebäude in unserer direkten Nachbarschaft fasziniert", erzählt der 21-jährige Leon. "Dahin haben sich nur die Großen getraut und regelmäßig fanden hier Mutproben statt. Ich denke, das hat schon früh den Anstoß gegeben. Mit 14 Jahren habe ich dann ganz aktiv angefangen, solche Orte zu besuchen und mich dabei auch zu filmen. Das war natürlich anfangs noch laienhaft, und wir sind oft bei dem kleinsten Geräusch direkt abgehauen. Im Laufe der Zeit haben sich immer mehr Videos angesammelt und irgendwann haben wir sie dann auch online gestellt. Und weil es Leute gab, die das sehen wollten, haben wir immer weiter gemacht."
Einigen Gelsenkirchenern ist Leon aber auch wegen eines anderen Coups bekannt: Im Jahr 2018 filmte der Abiturient den Abischerz an seiner Schule und stellte ihn im Anschluss online. Das Video ging innerhalb kürzester Zeit durch die Decke. Weil sowohl der Dreh als auch die Veröffentlichung nicht mit der Schule abgesprochen waren, musste Leon es aber schließlich wieder aus dem Netz nehmen.
"Mich haben danach immer wieder Menschen auf der Straße darauf angesprochen, das war wirklich witzig. Dadurch bin ich vor Ort schon ein wenig bekannter geworden." Mittlerweile hat der junge Mann rund 70.000 Follower auf YouTube. Die sind es auch, die ihm inzwischen immer mal wieder Tipps für neue gruselige Orte geben, die er dann besucht. Dabei scheut er auch keine Reise in die Nachbarländer. Denn je spannender die Geschichte hinter den Objekten, desto höher auch die Anziehungskraft auf die beiden jungen Männer.

Wenn es gruselig wird, macht es Spaß

"Natürlich spielt bei allem auch der Adrenalin-Kick eine Rolle. Wir gehen zum Beispiel super gerne an Orte, an denen es angeblich spuken soll. Man weiß ja nie genau, was einen da erwartet und man erlebt auch wirklich verrückte Sachen." Beim Einstieg in verlassene Gebäudekomplexe sind die beiden beispielsweise schon in eine Drogenhöhle geraten, haben eine totgeschlagene Katze entdeckt oder mussten vor dem Militär flüchten.
"Wir bewegen uns bei einigen Besuchen schon mal am Rand der Legalität", ist sich Leon auch den ganz weltlichen Gefahren bewusst. "In all den Jahren, in denen wir das jetzt schon machen, gab es dabei aber eigentlich nur einmal ein Problem. Da sind wir in eine ehemalige Schule eingestiegen, in der im Zweiten Weltkrieg Euthanasie an behinderten Menschen verübt wurde. Wir mussten das Video dann aus dem Netz nehmen, weil der Besitzer mit einer Klage drohte."
Ein Erlebnis, das sich bei Leon auch wegen des besonderen Gruselfaktors nachhaltig eingebrannt hat. "Als wir drin waren, haben wir beide plötzlich ein Husten direkt neben uns gehört. Es war aber niemand da. Als wir später erfahren haben, dass bei den Menschen damals die Lungenerkrankung Tuberkulose als Rechtfertigung der Nazis für die Morde 'diagnostiziert' wurde, haben sich bei uns die Nackenhaare aufgestellt." Trotzdem ist es vor allem die Leidenschaft und die Faszination, die den YouTuber antreibt. Einmal wöchentlich besucht er einen "Lost Place" und lässt seine Fangemeinde auch live am Nervenkitzel teilhaben.
"Neben reinen Videos filmen wir auch ab und an im Live-Stream. Die Leute mögen es, zwar hautnah dabei zu sein, sich aber nicht selbst in unmittelbare Gefahr zu begeben." Wenn die Möglichkeit besteht, suchen sich die beiden vor Ort einen Platz zum Schlafen und verbringen dort die Nacht. "Das Ganze hat etwas von Hassliebe", berichtet Leon. "Im Vorfeld sind wir immer ganz heiß darauf, dass es losgeht, wenn es dann soweit ist, mache ich mir regelmäßig in die Hose. Ich bin halt wirklich eine echte Schissbuchse, und es ist immer wieder eine Herausforderung, seine eigenen Grenzen zu überschreiten."

Solide Fanbase, hohe Klickzahlen

Und dass das Konzept bei den Zuschauern ankommt, zeigt nicht nur die stetig wachsende Fanbase, sondern auch die vielen Klickzahlen. Im Februar hat sich der gelernte Mediengestalter mit seinem Projekt "LeonTV" selbstständig gemacht und lebt seitdem auch hauptberuflich seine Leidenschaft aus.
"Es ist einfach super, wenn man das machen kann, was man liebt", schwärmt Leon. "Dafür nehme ich zurzeit auch die finanziellen Unwägbarkeiten als Selbstständiger in Kauf. Die Branche boomt, es gibt hier noch viel Luft nach oben und ich freue mich, ein Teil davon sein zu dürfen."

Autor:

Janina aus dem Siepen aus Hattingen

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