Treffsichere Reime

Christoph Wiegand alias Weekend legte die Messlatte für seine knapp 1000 Konkurrenten sehr hoch. Das Wasser konnte ihm in diesem Jahr keiner reichen. Foto: Privat
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  • hochgeladen von Harald Gerhäußer

Wir alle lieben das Wochenende. Christoph Wiegand hat sich danach benannt: Weekend. Der Gelsenkirchener Rapper gewann im November 2011 das Videobattleturnier (VBT), ein Online-Event, bei dem Rapper aus dem deutschen Sprachraum gegeneinander antreten.

Auch wer sonst keinen Rap hört, sollte mal das VBT des HipHop-Forums www.rappers.in anschauen. Ähnlich wie bei einer Castingshow entscheiden Jury und Zuschauerstimmen über den Erfolg der Rapper. Allerdings hat das Turnierformat einen viel höheren Anspruch: Denn die Teilnehmer schreiben ihre Texte selbst, sie basteln eigene Beats und drehen Videos, um ihre Gegner zu besiegen. Sogenannte Battles haben im HipHop eine lange Tradition: Zwei Rapper treten dabei gegeneinander an. Es gewinnt derjenige, der die treffsichersten Reime, den überraschensten Inhalt und den besten Stil hat. So ist das auch beim VBT, nur dass die Teilnehmer zusätzlich noch ein Video drehen und auf die Rap-Plattform hochladen müssen.

Gelsenkirchener Schauplätze
Christoph Wiegand (24) alias Weekend hat hierfür auf dem Weg ins Finale halb Gelsenkirchen abgefilmt. Man sieht ihn rappend im Areal von Zeche Ewald, in der Innenstadt, vor dem Erz- und Kohlebunker in Ückendorf und so weiter. „Man bekommt in jeder Runde des Turniers gesagt, gegen wen man antreten muss. Dann habe ich mir den Typen angeschaut, hab das Lied über ihn gemacht und aufgenommen. Das dauerte meist etwa drei Tage. Danach habe ich mich mit einem Freund getroffen, der die Videos gedreht hat“, sagt Christoph Wiegand.
In den einzelnen Battle-Runden geht es ordentlich zur Sache: Die Kontrahenten zogen über Wiegands Körpergröße, Sonnenbrille, Rapstil usw. her. Auf die Frage, ob einen die verbalen Angriffe manchmal auch emotional treffen, antwortet Weekend, dass es bei ihm nie so gewesen sei. „Ich hatte nicht eine Situation, bei der ich mich angegriffen fühlte. Es war eher so, dass ich sportlich dachte: ‚Mann, das war ‘ne gute Zeile!‘ Aber man macht bei so etwas auch nicht mit, um Komplimente zu bekommen.“

Britney Spears – das muss doch nicht sein
Weekend erzählt, dass es ihm mehr gelegen habe, wenn er auf die Raps und Beats der anderen antworten musste, anstatt vorzulegen: „Du hast zu viele Freiheiten, wenn du als erster etwas gegen den anderen machst. Wenn er aber schon etwas gegen dich gesagt hat und du ihm darauf antworten kannst, dann hast du ein klar umrissenes Feld, mehr gibt’s nicht, daraus musst du dir was zusammensuchen. Das fiel mir dann immer einfacher.“ Allerdings nicht immer: Neben den Texten darf jeder Rapper auch einen Beat aussuchen, auf den er rappen möchte und auf den der andere antworten muss. Weekend musste deswegen einmal auf die Beats aus Britney Spears Song „Lucky“ rappen. „Als ich den Beat hörte, dachte ich, das muss doch jetzt nicht sein, oder?“ Im Ergebnis war es aber egal, denn auch diese Runde ging an Weekend, der trotz Spears-Beat seinen Gegner rauswerfen konnte.

Arbeit am Album
Am VBT wolle er zukünftig nicht mehr teilnehmen. Die Zeit sei stressig gewesen. Er habe in dem halben Jahr außer seiner Arbeit als Sozialarbeiter beim Jugendamt Gelsenkirchen, dem Essen und Schlafen nicht viel anderes getan, als Battle-Texte zu schreiben und Videos zu drehen. Er werde nun wieder richtig Musik machen, sagt er. Deshalb steckt Wiegand derzeit seine Energie in ein neues Album, das im Frühjahr rauskommen wird. „Von den Texten her wird das Album kein Battle-HipHop sein, sondern eher selbstironisch, wobei da die Übergänge fließend sind. Das habe ich ja auch beim VBT gemacht, weil es eben mein Ding ist. Das Album wird zu 80 Prozent über mich sein. Aber nicht depri oder so, sondern selbstironisch. Eine gute Zusammenfassung wäre: Ein witziges Album über mich selbst.“

Songs und Konzerttermine von Christoph Wiegand findet man auf www.fansgesucht.de. Die Battlevideos vom VBT 2011 kann man sich auch bei youtube.com ansehen.

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