Karin Welge setzt sich mit 59,4 Prozent gegen Malte Stuckmann mit 40,6 Prozent durch
Gelsenkirchen hat eine OB

Mit der ihr während des Wahlkampfes, vor allem aber am Wahlabend entgegen gebrachten Zuneigung und Wertschätzung durch die Gelsenkirchener Sozialdemokraten hätte Karin Welge vor sechs Monaten selbst noch nicht gerechnet.
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  • Mit der ihr während des Wahlkampfes, vor allem aber am Wahlabend entgegen gebrachten Zuneigung und Wertschätzung durch die Gelsenkirchener Sozialdemokraten hätte Karin Welge vor sechs Monaten selbst noch nicht gerechnet.
  • Foto: Gerd Kaemper
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 Eine strahlende, aber auch demütige und gerührte Siegerin Karin Welge ließ sich am Sonntagabend von den versammelten Sozialdemokraten im Bürgerforum des Hans-Sachs-Hauses, das die Gelsenkirchener SPD zu dem Zweck angemietet hatte, feiern. Diese Wahl bedeutet für die Stadt Gelsenkirchen wie auch die hiesigen Sozialdemokraten ein historisches Ereignis, denn Karin Welge wurde damit zur ersten Frau im Amt des Oberbürgermeisters.

Der deutliche Sieg zeichnete sich relativ schnell nach der Schließung der Wahllokale ab, doch Stimmung kam im Bürgerforum zunächst nicht auf. Diese forderte aber der scheidende SPD-Oberbürgermeister Frank Baranowski ein, indem er die anwesenden Sozialdemokraten zur Feier des deutlichen Ergebnisses aufrief.
Als Karin Welge den Saal betrat wurde sie schließlich mit Applaus, Standing-Ovations und Karin-Rufen empfangen. Dabei hatte der Vorsitzende der Ratsfraktion, Dr. Klaus Haertel, keine Chance, der glücklichen Kandidatin zu gratulieren.

Töns spricht von einem historischen Tag

Der Gelsenkirchener SPD-Unterbezirksvorsitzende, der Bundestagsabgeordnete Markus Töns, erklärte: „Dies ist ein historischer Abend, denn wir feiern hier die erste Oberbürgermeisterin von Gelsenkirchen und sind stolz über die erste Frau an der Spitze der Stadt. Hinter uns liegt ein grandioser, aber nicht einfacher Wahlkampf, der kaum gestartet durch Corona schon wieder außer Kraft gesetzt wurde. Doch bei allem hast du die Partei mitgenommen und die Partei hat dich mitgenommen, weil du gezeigt hast, dass diese Stadt dir am Herzen liegt. Und das Ergebnis von beinahe 60Prozent der Stimmen zeigt, dass diese Botschaft bei den Wählern angekommen ist.“
Welge waren der durch die Stichwahl noch einmal um zwei Wochen verlängerte Wahlkampf und die Doppelbelastung als Kämmerin und Leiterin des Corona-Krisenstabes deutlich anzumerken. Doch in ihrer Rede gab sich Karin Welge kämpferisch, aber auch dankbar für die Unterstützung ihrer Partei im Wahlkampf.
„Ich muss einmal kurz durchschnaufen. Mir fehlen ja nicht so leicht die Worte, aber das hier hat mich berührt. Ich möchte noch einmal sagen, dass ich in dieser Stadt lebe, diese Stadt liebe und für diese Stadt brenne. Allen Unkenrufen, Anfeindungen und der Hetze und dem Hass der letzten Wochen zum Trotz. Die Wähler haben sich für Anstand und Aufrichtigkeit in einer nicht einfachen Zeit für mich entschieden. Dafür danke ich den Gelsenkirchenern.“
Aber sie dankte auch ihren Mitstreitern in der Partei, denn für sie ist klar: „Nicht eine oder einer gewinnt einen Wahlkampf, hat das Sagen, hat immer recht, weiß immer, was das richtige ist und kennt die Menschen allein.“ Vielmehr betonte Karin Welge, dass mit dem Ergebnis der Wahl alle belohnt wurden, die wie sie den Menschen in der Stadt nichts versprochen haben, was man nicht einhalten kann.

Kämpferische Einstimmung

Dabei hatte sie auch eine schlechte Nachricht für die Anwesenden: „Das heute ist erst der Anfang. Es wird anstrengend bleiben, sobald morgen der Alltag los geht. Steckt ab heute eure verletzten Seelen ein und lasst uns ab morgen gemeinsam Gutes für Gelsenkirchen tun.“ Welge betonte, dass sie nicht nur im Rat der Stadt ihre „feste und laute Stimme“ erheben möchte, sondern auch in Düsseldorf und Berlin.
Einen großen Dank richtete Karin Welge auch an ihre „coole Mädchengang“, die aus ihrer Mutter Gisela und ihren Töchtern Giulia und Laurence besteht.
Über ihre Erfahrungen im Wahlkampf berichtete Karin Welge, dass sie sich freute Zugang zu vielen Menschen bekommen zu haben. „Einige wollten mich nur mal kennenlernen, andere wünschten sich direkt Lösungsvorschläge für ihre Probleme. Denn allzu oft wird der Föderalismus nicht verstanden und die Menschen wissen nicht, wer wofür zuständig ist. Aber gerade solche Erklärungen sind wichtig für die Demokratie und zwar gerade auch in Corona-Zeiten.“
Sie möchte den Menschen zeigen, dass sie sich für ihre Anliegen interessiert und sie gern einladen, Einblicke in die Verwaltung ihrer Stadt zu bekommen. Denn die Verwaltung ist für die Bürger da. Damit hat sie direkt eines ihrer Ziele nach ihrem Amtsantritt am 1. November skizziert.

Malte Stuckmann holt einen Achtungserfolg

Für den Polit-Neuling Malte Stuckmann, der seit 2006 Mitglied der CDU und seit 2016 Schatzmeister des CDU-Kreisverbandes Gelsenkirchen und damit Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes ist, aber kein Ratsmitglied war, ist das Ergebnis beachtenswert und wird von ihm auf einen sehr ambitionierten Wahlkampf zurückgeführt.
„Dafür, dass Anfang des Jahres keiner mit mir gerechnet hat, ist es ein gutes Ergebnis. Allerdings zeigt die niedrige Wahlbeteiligung auch, dass die Bürger langsam resignieren“, erklärte Malte Stuckmann. „Wir haben einen tollen Wahlkampf geführt und ich bin sehr zufrieden mit der Unterstützung durch die Partei. Denn sie hat in den letzten 14 Tagen gemeinsam mit mir noch einmal Vollgas gegeben. Das zeigt mir, dass der Zusammenhalt in der CDU stimmt und man den Willen hat etwas verändern zu wollen.“
Als Kandidat mit dem Listenplatz 1 auf der Reserveliste zieht Malte Stuckmann erstmals in den neuen Rat der Stadt Gelsenkirchen ein und verspricht: „Ich werde effektiv an der Gestaltung der Politik in Gelsenkirchen mitarbeiten.“

Ratsfraktionsvorsitzender zieht sich zurück

Nach 36 Jahren als Stadtverordneter und 22 Jahren als Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion zieht sich nun Dr. Klaus Haertel aus dem politischen Geschehen zurück. Dabei machte es ihm das Ergebnis der Stichwahl doch ein wenig leichter, sich mit seiner neuen Rolle als Politik-Ruheständler anzufreunden.
Beratend bleibt er der SPD natürlich erhalten. Ansonsten widmet er sich aber mehr seinem Hobby der Fotografie und möchte nun endlich einmal die Zeit nutzen, um die Dia-Fotos seiner Kinder einzuscannen. „Ein sentimentel remember, wie man heute sagt“, lachte Haertel.

Mit der ihr während des Wahlkampfes, vor allem aber am Wahlabend entgegen gebrachten Zuneigung und Wertschätzung durch die Gelsenkirchener Sozialdemokraten hätte Karin Welge vor sechs Monaten selbst noch nicht gerechnet.
 In Corona-Zeiten erfolgt auch die Gratulation des Unterlegenen an die Siegerin per Ellenbogen-Check statt mittels Handschlag. Malte Stuckmann ließ es sich nicht nehmen, Karin Welge zu gratulieren und wurde dabei begleitet vom neuen Vorsitzenden der CDU-Ratsfraktion Sascha Kurth und seinem Vorgänger Wolfgang Heinberg, der auf dem Foto hinter Malte Stuckmann steht.
Autor:

silke sobotta aus Gelsenkirchen

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