Schalkes historisches Tor-Spektakel gegen Hannover

Lewis Holtby (r.) zieht ab. Der Deutsch-Engländer legte zwei Tore auf und erzielte selbst das 5:3. Fotos: Gerd Kaemper
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  • Lewis Holtby (r.) zieht ab. Der Deutsch-Engländer legte zwei Tore auf und erzielte selbst das 5:3. Fotos: Gerd Kaemper
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In einer wahnsinnigen zweiten Halbzeit sahen die Zuschauer in der Veltins-Arena insgesamt acht Tore zwischen Schalke und Hannover. Am Ende setzten sich die Knappen im ersten Bundesliga-Spiel für Jens Keller als Cheftrainer der Schalker und im Rückrunden-Auftakt der 1. Fußball-Bundesliga in einer völlig verrückten Partie mit 5:4 (1:0) gegen die Mannschaft von der Leine durch. Ausgerechnet Holtby, der vielleicht in den nächsten Tagen Schalke verlassen wird, war neben einem bärenstarken Farfan auf Seiten der Gastgeber der Matchwinner. Den Höhe- und gleichzeitigen Schlusspunkt setzte allerdings ein Hannoveraner in der Nachspielzeit mit einem Fallrückziehertor aus 20 Metern!

Schalkes neuer Trainer Jens Keller vertraute dem bekannten Schalker System und ließ in einem 4-2-3-1 spielen. Teils aber auch notgedrungen, da mit Huntelaar ein Stürmer wegen einer Sperre fehlte. Für ihn spielte Marica. Zudem lief im defensiven Mittelfeld neben Neustädter Marco Höger für den ebenfalls gesperrten Jones auf. Neuzugang Raffael stand zwar im Kader des S04, blieb aber zunächst auf der Bank.

Die Königsblauen fingen auch gleich an wie die Feuerwehr. Man merkte der Keller-Truppe an, dass sie etwas gutmachen wollte. Erst musste Nationaltorwart Zieler einen Kopfball von Höger über die Latte lenken (3.), dann köpfte Draxler keine 60 Sekunden später knapp über das Tor, ehe in der sechsten Spielminute Marica aus spitzem Winkel über das Tor schoss. Von Hannover war nicht nur in der Anfangsphase nichts zu sehen. In der kompletten ersten Hälfte gaben die Niedersachen keinen einzigen gefährlichen Torschuss auf das Gehäuse von Timo Hildebrand ab.

Doch auch dem S04 fiel nach den starken Anfangsminuten nichts mehr ein, so dass das Spiel lange keine Höhepunkte lieferte. Stattdessen hatte Schiedsrichter Aytekin immer häufiger damit zu tun, gelbe Karten zu verteilen. Pinto, Holtby, Marica und Hannovers Neuzugang Djourou kassierten allesamt eine Verwarnung. Als alle schon mt dem Halbzeitpfiff rechneten, schlugen die Gastgeber zu. Ein langer Einwurf von der linken Seite durch Fuchs, verlängerte Hannovers Eggimann unfreiwillig auf den zweiten Pfosten, wo Farfan stand und volles Risiko ging und mit dem Vollspann an Zieler vorbei ins Tor zum 1:0 schoss (44.). Farfans fünfter Saisontreffer, der damit mit Huntelaar gleichzog.

Beide Trainer verzichteten in der Halbzeit auf Wechsel, als noch keiner wusste, dass beide Teams beinahe Historisches leisteten. Denn in der zweiten Halbzeit sollten noch insgesamt acht weitere Treffer fallen. Nur vor 31 Jahren fielen in einer Halbzeit mehr Tore, als zwischen Borussia Dortmund Arminia Bielefeld gar zehn Treffer fielen.
Das muntere Scheibenschießen ging in der 49. Spielminute los, als Julian Draxler alleine vor Zieler sich die Ecke aussuchen konnte, in die er einschießen konnte. Vorausgegangen war erneut eine unglückliche und unfreiwillige Vorlage von Eggimann im Mittelfeld, der bereits das 0:1 vorgelegt hatte. Holtby hatte sich den Ball geschnappt und dann auf Draxler uneigennützig quer gelegt, der keine Probleme hatte, das 2:0 zu schießen. „Nach diesem Tor hatte ich eigentlich schon gedacht, dass das Spiel durch gewesen wäre und wir auf alle Fälle sicher gewinnen würden“, gab Keller im Anschluss an die Partie zu Protokoll. Doch Pinto verkürzte nur sechs Minuten später auf 2:1, als Neustädter seinen Schuss aus 20 Metern unglücklich abfälschte, so dass Hildebrand nicht mehr an den Ball kommen konnte.

Und es kam aus Schalker Sicht noch schlimmer. Wiederum nur fünf Minuten später glichen die Gäste in Person von Huszti sogar aus. Nach einer Flanke von rechts war der Linksfuß relativ allein gelassen, so dass der Hannoveraner den Ball annehmen und platziert ins lange Eck einschießen konnte (60.). Hildebrand war erneut ohne Chance bei diesem Gegentor.
Die Fans kamen kaum zum Durchatmen. Denn es dauerte wiederum nur vier Minuten bis zum nächsten Tor an diesem Abend. Marco Höger erzielte nach feinem Zusammenspiel mit Holtby das 3:2 und nur drei Minuten später erhöhte Marica sogar auf 4:2, nachdem Neustädter den Stürmer in Szene gesetzt hatte. Der Stadionsprecher war noch dabei, das sechste Tor an diesem Abend mit den Fans zu feiern, als erneut Huszti zuschlug und erneut verkürzte. Erneut war es auch eine Flanke über Schalkes linker Abwehrseite, die Diouf per Kopf auf seinen Teamkollegen zurücklegen konnte. Der Ungarn drosch dann das Leder humorlos unter die Latte zum 3:4 aus Sicht der Slomka-Elf (68.). „Wir haben über unsere linke Seite in der zweiten Hälfte viel zu viele Flanken zugelassen und standen teilweise katastrophal“, kritisierte Cheftrainer Keller unter anderem auch Christian Fuchs nach dem Spiel überraschend offen.

Tor des Jahres durch Diouf

Beinahe hätte Hannover keine 120 Sekunden später sogar zum zweiten Mal an diesem Abend ausgeglichen. Doch Diouf scheiterte nur hauchdünn mit seinem Schuss. Danach beruhigte sich das Spiel zum ersten Mal in der zweiten Halbzeit. Beide Teams wechselten jeweils zweimal und gelbe Karten wurden an Rausch und Uchida auch verteilt. Nachdem Diouf in der 87. Minute per Kopf erneut knapp am Schalker Gehäuse scheiterte, war es Schalke mit einem Konter nur eine Zeigerumdrehung später, der die Partie vermeintlich entschied. Farfan legte uneigennützig alleinstehend vor Zieler quer, so dass Holtby nur noch ins leere Tor zum 5:3 einschieben musste (88.).
Damit krönte Holtby seine starke Vorstellung an diesem Abend, der einmal traf und zwei Tore auflegte. Kurz danach wurde er durch Neuzugang Raffael ersetzt.

Als alle dachten, dass das Toreschießen nun endgültig vorbei sei, schlug Hannovers bester Akteur an diesem Abend noch einmal zu. Marke: Traumtor! Aus 20 Metern erzielte Diouf per Fallrückzieher das 4:5 aus Sicht der Niedersachsen - zu spät. Denn nur 30 Sekunden später wurde das Spiel abgepfiffen. Schalke siegte somit nach sieben sieglosen Spielen mal wieder, während die 96er zum dritten Mal in Folge als Verlierer den Platz verlassen mussten.

„Jetzt gilt es erst einmal durchzuatmen. Die Hauptsache ist, dass wir heute einen Sieg, einen dreckigen Sieg eingefahren haben, nachdem wir in letzter Zeit viel Prügel aus den Medien beziehen mussten.“ Holtbys Erleichterung war nach dem Spiel deutlich hörbar. Gerade Holtby selbst war es, der nicht wusste, wie er in der Arena empfangen wurde. Hatte er in der Winterpause doch bekannt gegeben, spätestens im Sommer zu Tottenham Hotspur nach England zu wechseln. Ob es wohlmöglich sein letztes Heimspiel im Schalker Dress war, vermochte der 22-Jährige allerdings nicht sagen. „Ich bin nicht Nostradamus und kann in die Zukunft blicken. Diese Dinge regelt alles mein Berater. Ich will jetzt nichts in die Luft schmeißen und Falsches sagen“, ließ Schalkes „Zehner“ weiterhin genug Spielraum für Spekulationen offen.

Sein Trainer freute sich für ihn besonders. „Der Junge stand riesig unter Druck und legt dann so ein Spiel hin, das war beachtlich.“ Ansonsten hatte Keller kein Verständnis für die Berichterstattung. „Als Trainer muss man einiges hinnehmen. Aber was in den letzten Tagen und Wochen geschrieben wurde, ist einfach Wahnsinn und oftmals wurden auch Unwahrheiten geschrieben. Ich weiß nur, dass ich aus dem Verein totale Rückendeckung spüre und das zählt“, so Keller abschließend.

Horst Heldt wirkte nach dem Spiel etwas gezeichnet von den aufregenden 90 Minuten. „Mit den drei Punkten können wir zufrieden sein. Allerdings haben wir zu viele Gegentore kassiert, das werden wir aber in Ruhe analysieren und jetzt nicht unmittelbar nach dem Spiel.“
Hannovers Kapitän Jan Schlaudraff verstand hingegen die Welt nicht mehr. „Wenn man auswärts vier Tore schießt, muss man eigentlich was mitnehmen. Die erste Halbzeit war vor allem noch gut von uns, weil wir wenig zugelassen haben. Aber wir haben dann zu viele individuelle Fehler gemacht und haben es den Schalkern zu leicht gemacht, zu Tore zu kommen.“

Für Schalkes geht es nächste Woche Samstag (15.30 Uhr) mit dem Auswärtsspiel in Augsburg weiter, während Hannover 96 zur gleichen Zeit den VfL Wolfsburg zum Niedersachsen-Derby empfängt.

Schalke: Hildebrand – Uchida, Matip, Höwedes, Fuchs – Höger (73. Kolasinac), Neustädter – Farfan, Holtby (90. Raffael), Draxler (77. Barnetta) – Marica

Hannover: Zieler – Chahed, Eggimann, Djourou, Rausch – da Silva Pinto (77. Hoffmann), Schmiedebach (86. Kadah) – Schlaudraff, Huszti – Diouf, Sobiech (71. Abdellaoue)

Tore: 1:0 Farfan (44.), 2:0 Draxler (49.), 2:1 da Silva Pinto (55.), 2:2 Huszti (60.), 3:2 Höger (64.), 4:2 Marica (67.), 4:3 Huszti (68.), 5:3 Holtby (89.), 5:4 Diouf (90.+2)

Zuschauer: 60.811

Hier geht es zur Bildergalerie von Gerd Kaemper zum Spiel Schalke gegen Hannover - der Rückrundenaufakt!

Lewis Holtby (r.) zieht ab. Der Deutsch-Engländer legte zwei Tore auf und erzielte selbst das 5:3. Fotos: Gerd Kaemper
Autor:

Raphael Wiesweg aus Gelsenkirchen

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