95 Jahre verschollen

Was 95 Jahre lang niemand schaffte, recherchierte sie in knapp drei Wochen: Die Schülerin Sema Inanc (rechts) klärte das Schicksal des 1916 gefallenen Soldaten Rudolf Lothar Bettaque auf und machte dessen Neffen Rolf Bettaque (links) ausfindig.Foto: Gerd Kaemper
  • Was 95 Jahre lang niemand schaffte, recherchierte sie in knapp drei Wochen: Die Schülerin Sema Inanc (rechts) klärte das Schicksal des 1916 gefallenen Soldaten Rudolf Lothar Bettaque auf und machte dessen Neffen Rolf Bettaque (links) ausfindig.Foto: Gerd Kaemper
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Eine außergewöhnliche Recherche leistete Sema Inanc. Die Schülerin von der Gesamtschule Berger Feld machte einen deutschen Soldaten ausfindig, der seit 1916 als verschollen galt.
Eine der verlustreichsten Schlachten des Ersten Weltkriegs war die Dardanellenschlacht, auch Schlacht von Gallipoli genannt.
Vom 19. Februar 1915 bis zum 9. Januar 1916 dauerten die Kämpfe, als die Entente-Mächte Großbritannien und Frankreich versuchten, die für den Zugang zum Schwarzen Meer strategisch wichtigen Dardanellen zu erobern.
Rund 57.000 Soldaten des Osmanischen Reiches – unter dem Oberkommando von Mustafa Kemal, später als Kemal Atatürk Gründer der Türkei – verloren ihr Leben. Auf Seiten der Alliierten fielen etwa 44.000 Soldaten. Die Eroberung der Dardanellen scheiterte.
Unter denjenigen, die auf Seiten des Osmanischen Reiches kämpften, waren auch Soldaten aus dem Deutschen Reich. Prominentester Deutscher war Generalleutnant Otto Liman von Sanders, der ab 1913 in der heutigen Türkei stationiert war und dort den Rang eines osmanischen Generals (Birinci Ferik) bekleidete. Nach dem Ende der Schlacht kam es immer noch zu Scharmützeln. Am 7. Mai 1916 fiel Rudolf Lothar Bettaque.
Seit 13 Jahren gibt es an der Gesamtschule Berger Feld das Friedensprojekt. Hauptforschungsgebiet ist die belgische Stadt Ypern, die im Ersten Weltkrieg direkt an der Westfront lag und deshalb stark umkämpft war. Um Ypern herum gibt es viele Soldaternfriedhöfe. Schüler der Gesamtschule Berger Feld konnten im Laufe der Zeit viele gefallene Soldaten und deren Verwandte identifizieren.
Erst kürzlich waren Vertreter der Schule im Rahmen einer Delegationsreise in Istanbul. Sie besuchten u.a. die Sommerresidenz der Deutschen Botschaft, auf der sich auch ein deutscher Soldatenfriedhof befindet. Die Grabtafeln wurden fotografiert.
Anhand der Fotos und einer Liste von gefallenen Soldaten, die der Volksbund für Kriegsgräberfürsorge zur Verfügung stellte, begannen die Teilnehmer des Geschichtsworkshops zu forschen. Dabei stieß Sema Inanc auf den Namen Rudolf Lothar Bettaque. Sie recherchierte weiter und fand tatsächlich einen Angehörigen, den 89-jährigen Neffen des Gefallenen, Rolf Bettaque aus Hamburg.
Bettaque hat seinen Onkel zwar nie kennengelernt. Doch für die Familie war die Nachricht, dass ihr im Krieg verschollener Verwandter gefunden worden war, ein Segen. Das letzte Lebenszeichen war eine Feldpostkarte, die Rudolf Lothar Bettaque am 5. Mai 1916, zwei Tage vor seinem Tod, verschickt hatte.
Noch vor den Weihnachtsferien besuchte Rolf Bettaque die Gesamtschule Berger Feld. Der emeritierte Professor für Verfahrenstechnik brachte auch Erinnerungsstücke wie die oben erwähnte Feldpostkarte mit.
Damit ist die Geschichte aber noch nicht abgeschlossen. In Anwesenheit des Deutschen Botschafters, Vertretern des Volksbundes sowie offiziellen Vertretern der Türkei wird die Gesamtschule Berger Feld am 28. April nächsten Jahres auf dem Gelände des Friedhofs am Grab von Rudolf Lothar Bettaque eine Gedenkfeier mit den Angehörigen aus Hamburg feiern. Die Schülerinnen und Schüler werden einen Gottesdienst gestalten, bei dem die Person des gefallenen Soldaten gewürdigt wird.

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