„Ein echtes Abenteuer“ Dominik Burkhardt und Gernot Mortier wechselten von Schalke nach Windhuk in Namibia

Analysecomputer sind Luxus, wissen Gernot (l.) und Dominik nun.Foto: Gerd Kaemper
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Für die Kabel 1-Doku „Stellungswechsel“ tauschten zwei Gelsenkirchener Kfz-Mechaniker ihre Arbeitsstätte mit zwei Kollegen irgendwo in der Welt. Ihre Reise ins Unbekannte führte die Mitarbeiter von Basdorf-Automobile in Schalke in einen Township von Windhuk in Namibia. Das erfuhren Dominik Burkhardt und Gernot Mortier aber erst am Flughafen.
Von SIlke sobotta

GE. Als ihr Chef, der Inhaber des Autohauses, Frank Basdorf seine versammelten Mitarbeiter fragte, ob jemand von ihnen bereit sei, diesen Sprung ins Ungewisse zu tun, erklärten sich Dominik und Gernot sofort bereit. Schließlich lockten Freiheit und Abenteuer und am Ende sagt Dominik Burkhardt: „Das war ein echtes Abenteuer und Erlebnis“. Und er ist sich, wie auch sein Kollege Gernot, sicher, dass er es immer wieder tun würde.
Dabei war das Unternehmen ein echter Sprung ins kalte Wasser, denn die beiden Gelsenkirchener hatten im Vorfeld keine Ahnung, wohin sie die Reise führen würde. Ebenso wussten Frank Basdorf und seine Frau Sylvia nicht, wen sie bei sich aufnehmen würden. Spannung an allen Fronten.
„Die Werkstatt war natürlich ganz anders als wir es kannten. Da gab es kein Dach, so dass nur bei gutem Wetter gearbeitet werden konnte. Aber in Afrika ist das Wetter nun mal meistens gut. Und dann war da die fehlende Technik. Nicht mal eine Hebebühne gab es“, erinnert sich Dominik.
Gernot ergänzt: „Da war echt Muskelkraft gefragt. Denn wenn es etwas zu heben gab, dann kam ein Flaschenzug zum Einsatz, der auch seine besten Zeiten hinter sich hatte, da sprang gern mal ein Zahn bei der Kette durch und die ganze Last hing auf den Muskeln.“
Doch davon ließen sich die gestandenen Mechaniker nicht abschrecken. Was ihnen viel mehr zu schaffen machte, war ihr Quartier: „Das war ein Kabuff hinter der Werkstatt mit zwei übereinander gelegten Matratzen auf dem Boden, die schon so manchen beherbergt hatten. Geduscht wurde mit richtig kaltem Wasser und die Zähne haben wir uns an einem Blechwaschbecken geputzt, über dem ein Stück Spiegel angebracht war. Aber das Abenteuerlichste war das Toilettenhaus.“
Gernot hatte sich wohlweislich mit Kohletabletten ausgestattet und sich damit regelrecht vollgepumpt, obwohl die beiden sich hauptsächlich von Fastfood ernährt haben. „Für das Filmteam sollten wir mal landestypische Speisen essen. Dazu waren wir auf einem Markt. Dort liegt bei glühender Hitze das Fleisch mitten in der Sonne. Als Dominik dann so ein ganzes abgeschlagenes Kuhbein mitnahm, habe ich nur noch gesagt: wenne dat jetz nicht frisst, dann trifft dich der Blitz beim Scheißen. Ob das gesendet wird, weiß ich nicht, aber das war einfach zu eklig“, erzählt Gernot.
Zumal Dominik dieses „Bein“ erst einmal auf den Grill legen musste, um das Fell abschaben zu können.
Auch Pansen, den man hierzulande an Hunde verfüttert, lag bei gut 30°C in der Sonne. Dazu meinte Gernot nur: „Damit kannst Du mir höchstens den Rücken waschen.“
Ansonsten galt das Motto: Zähne zusammen beißen und durch. Die Arbeit bot, abgesehen von den fehlenden und hier typischen Hilfsmitteln, nichts Neues für die beiden Mechaniker. Und auch wenn sich Gernot an einem überhitzten Motor die Finger verbrannte, machten beide weiter ihren Job. Schwieriger gestaltete sich schon der Dreh für die Doku, weil der Regisseur seine Vorstellungen hatte, wie eine Szene zu sein hat.
So fuhren die beiden Basdorf-Mitarbeiter im fernen Namibia mit rechtsgesteuerten Fahrzeugen drei Stunden lang im Kreis, um eine Szene nach Vorgaben zu drehen. „Irgendwann ist mir der Kragen geplatzt. Man muss sich das vorstellen, dass wir längst unser Ziel erreicht hatten und trotzdem wie blöd immer im Kreis fuhren. Und das bei über 30°C und ohne Klimaanlage. Hinzu kam, dass ich nur gelenkt habe, das Schalten hat Dominik übernommen, weil das einfach zu heftig war“, schildert ein immer noch aufgebrachter Gernot.
Dafür lernten die Monteure aber auch, dass jeder Kunde König ist, denn wenn er nicht sofort bedient werden kann, dann zieht er weiter zur nächsten Werkstatt. Zwischen den Kunden kann dann wieder die Zeit lang werden, aber sobald ein Kunde auftaucht oder ruft, muss der Monteur an die Arbeit und das an sechs Tagen in der Woche von morgens bis abends.
Was es bedeutet, wenn mal kein Kunde kommt, erfuhr währenddessen Frank Basdorf in Gelsenkirchen von seinen Gästen Brian und Vilho: „Wenn es regnet, kann nicht gearbeitet werden, weil die Werkstatt kein Dach hat. Und wenn nicht gearbeitet wird, dann gibt es auch kein Geld. Dann muss man abends statt mit einem Essen mit einem Glas Wasser zufrieden sein, ehe man schlafen geht.“
Das schockierte den Autohaus-Besitzer und seine Gattin ebenso wie sie die Freundlichkeit und Höflichkeit der beiden Gästen aus dem fernen Afrika beeindruckte. „Als ich die beiden gefragt habe, was sie gern sehen würden, da meinte Vilho zu mir, dass er gern für uns singen würde und legte mit Gospels los,“ erzählt Basdorf, der sich auch bewusst ist, dass die beiden Afrikaner wohl noch nie in ihrem Leben drei Mahlzeiten an einem Tag zu sich genommen hatten.
Vermutlich nie wieder vergessen wird der Geschäftsmann die Aussage seines Gastes: „Bei uns wird der Strom per prepaid-Karte bezahlt. Wenn man kein Geld hat, bekommt man auch keinen Strom.“
Hochgradig amüsiert und doch tief beeindruckt hat das Gelsenkirchener Ehepaar die Frage einer der beiden Afrikaner nach den Löwen hier und wie er mit denen umgehen solle. „Die beiden haben immer gelacht und gescherzt. Und das, obwohl sie Sorgen haben müssen, wie wir sie noch nie im Leben hatten“, schildert Frank Basdorf.
„Die beiden sind uns richtig ans Herz gewachsen. Als sie beim Abschied sagten, dass dies die schönste Zeit ihres Lebens war, liefen bei meiner Frau nur so die Tränen“, erzählt Frank Basdorf.

Analysecomputer sind Luxus, wissen Gernot (l.) und Dominik nun.Foto: Gerd Kaemper
Brian und Vilho staunen über die Hebebühne, Spezialwerkzeuge und Computer zur Fehleranalyse, die ihnen Frank Basdorf in Schalke präsentierte. Foto: Frank W. Hempel

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