Strategiewechsel bei Hertie

In das Thema „Hertie-Immobilie“ ist wieder Bewegung gekommen: Seit dem letzten Zwangsversteigerungstermin im Gladbecker Amtsgericht am 19. Februar hat die Stadt erneut mehrere Gespräche mit Interessenten geführt. Darüber informierte die Stadtverwaltung jetzt im Wirtschaftsförderungsausschuss.

Zweimal wurde die Zwangsversteigerung kurz vor dem Termin abgesagt, am 19. Februar fand sie aber überraschenderweise statt. Dieser Strategiewechsel habe sich, so Bürgermeister Ulrich Roland, vorher nicht abgezeichnet. „Damit ergeben sich jetzt aber neue Perspektiven. Wir werden bei der nächsten Zwangsversteigerung sicherstellen, dass es einen Bieter gibt.“

Dies könnte auch die Stadt Gladbeck sein, allerdings werde man selbstverständlich nicht unverantwortlich mit Steuergeldern umgehen, sondern nur aktiv werden, wenn der Verkaufspreis deutlich sinke: „Einen städtischen Bedarf für Flächen im ehemaligen Hertie-Haus gibt es nicht und der öffentliche Raum mit der neu gestalteten Fußgängerzone und dem Willy-Brandt-Platz ist in einem sehr attraktiven Zustand, so dass eine Neuordnung wie in anderen Städten nicht erforderlich ist.“

Oberste Priorität habe für die Stadt aber weiter, einen Investor zu finden, der das Gebäude neu entwickelt. Dies scheiterte bislang an dem nicht marktgerechten Kaufpreis von 4,5 Millionen Euro.

Peter Breßer-Barnebeck, Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung, betonte im Ausschuss: „Das Gebäude hat eine sehr gute Lage, das Einzelhandelsumfeld ist gut. Das langgestreckte Grundstück führt aber zu Schwierigkeiten bei der Aufteilung in mehrere Geschäfte. Außerdem fehlen noch Nutzungsmöglichkeiten für das 2. und 3. Obergeschoss. Eine städtische Nutzung wie in anderen Städten kommt nicht in Frage, da wir alle städtischen Einrichtungen in sehr geeigneten Räumlichkeiten untergebracht haben. Auch Wohnen oder Büros lassen sich aufgrund der Bauart nur schwer realisieren.“

Im Ausschuss stellte Dana Zocher von der städtischen Wirtschaftsförderung beispielhafte Nachfolgenutzungen von leerstehenden Kaufhausimmobilien aus anderen Städten vor: In den meisten Kommunen nutzen öffentliche Institutionen die Gebäude, außerdem findet Nutzung durch Lebensmittelgeschäfte statt. Für acht ehemalige Hertiestandorte wurde bisher keine Nachfolgenutzung gefunden. Dana Zocher: „Im Gegensatz zu vielen ehemaligen Karstadt- bzw. Hertie-Häusern, in denen heute Lebensmittelmärkte untergebracht sind, besteht dieser Bedarf in unserer Innenstadt nicht. Die Lebensmittelversorgung in der Stadtmitte ist schon ausreichend vorhanden (EDEKA, Kaufland, Discounter).“

Trotzdem, so Peter Breßer-Barnebeck, sei man optimistisch, bei gesunkenem Verkaufspreis einen Investor zu finden, der kreativ mit diesen Anforderungen umgeht. Schließlich bestehe in Gladbeck weiter Bedarf an Einzelhandelsflächen in attraktiver Lage wie sie das ehemalige Hertie-Haus im Erdgeschoss und im 1. Obergeschoss und dem großen Parkhaus biete.

Tim Deffte
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Stadt Gladbeck

Autor:

Tim Deffte aus Gladbeck

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