Bei der Gocher Bucht standen die Zeichen schon auf Sanierung - Doch neue Anträge von SPD und CDU wurden von der Verwaltung abgelehnt - Frist wurde um einen Tag verpasst
SPD-Fraktionschef: "Das grenzt schon an Unverschämtheit!"

Freundliche Übernahme oder wie? Die Mitglieder des Stadtparkvereins trafen sich zum Foto auf dem Gelände der Gocher Bucht. Sie können es offenbar kaum erwarten, hier aktiv zu werden ...Foto: Steve
  • Freundliche Übernahme oder wie? Die Mitglieder des Stadtparkvereins trafen sich zum Foto auf dem Gelände der Gocher Bucht. Sie können es offenbar kaum erwarten, hier aktiv zu werden ...Foto: Steve
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Gocher Bucht, die x-te: Dienstagabend saßen die Mitglieder des 28. Bau- und Planungsausschusses im Gocher Rat zusammen, um wieder darüber zu beraten, ob und wie das Gelände am Rande des Gocher Stadtparks hergerichtet beziehungsweise dem Gocher Stadtparkverein zur weiteren Bewirtschaftung in die Hände gegeben werden soll. Mit einem Unterschied zu den bisherigen Debatten: Es schien sich etwas zu bewegen. Doch dann wurden neuerliche Anträge zur Sanierung von der Verwaltung abgelehnt.

VON FRANZ GEIB

Goch. Thomas Claaßen, der Vorsitzende des Stadtparkvereins, durfte im Sitzungssaal vor den versammelten Mitgliedern Platz nehmen und die Ideen, wie sich der Stadtparkverein die Bewirtschaftung der Gocher Bucht vorstellt, präsentieren.
Sein Konzept, worüber das Gocher Wochenblatt bereits exklusiv berichtete, sah vor, dass der Kommunalbetrieb der Stadt das Gebäude und den Zaun instandsetzt und das überwuchernde Grün zurückschneidet: "Man kann nichts mehr erkennen vom Verkehrskindergarten und der Mini-Golfanlage." Anschließend, so führte der Gocher weiter aus, wolle der Stadtparkverein die Anlage übernehmen und mit ehrenamtlichen Mitglieder weiter betreiben, um dort seine Angebote zu organisieren. So soll die Gocher Bucht täglich von 8 bis 14 Uhr den Grundschulen und Kindergärten zur Verfügung gestellt werden. An einer noch zu bauenden Grillhütte könnten sich Vereine und Einrichtungen treffen und/oder Gäste der Veranstaltungen des Vereins, darunter "Spielen wie früher", verweilen.
Von der Minigolfanlage würde der Verein die Bahnen, die noch reparabel sind, erneuern und anschließend die Anlage mit Behinderten betreiben. Wie das genau aussehen soll, konnte Claaßen allerdings nicht erläutern. "Es gibt bereits Interesse, die Einrichtungen warten hier auf ein Signal, doch wir können noch nichts sagen", kritisiert der Vorsitzende leicht genervt den Stillstand um die Entwicklung. Zu der immer wieder vorgetragenen Forderung nach einem Konzept meinte Thomas Claaßen nur: "Wir haben in den vergangenen Jahren durch unsere Events im Stadtpark bewiesen, dass wir gute Arbeit geleistet haben."
In der anschließenden Diskussion ergriff zunächst Georg Binn für die CDU das Wort und fragte nach dem zu erwartenden Aufwand, um die Fläche möglichst kurzfristig nutzen zu können. Das rief Klaus-Dieter Nikutowski (SPD) auf den Plan, dessen Fraktion mit zwei Anträgen zur Wiederherstellung der Bucht gescheitert war: "Man wundert sich nur noch hier. Wir hatten einen Preis (206.000 Euro, Anm. der Red.) bereits genannt." Und sogleich schob der Fraktionschef noch ein weiteres Argument pro Bucht hinterher: "Wir haben die Verantwortung den Bürgern mit der Gocher Bucht keine Schrott-Immobilie zu hinterlassen und sollten das Thema darum nicht wieder auf die lange Bank schieben." Mit "Totschlag-Argumenten" käme man nicht weiter, schließlich sei die Instandsetzung der Bucht auch eine gelungene Arbeitsbeschaffungsmaßnahme in schwierigen Corona-Zeiten, meinte Nikutowski, der schließlich vorschlug, das Thema jetzt in den Rat zu bringen.
Ludwig Kade, ehemals von der ZIG-Fraktion und jetzt für das BürgerForumGoch in der Sitzung, nahm den Ball auf und erinnerte daran, dass lange Zeit bei den Fraktionen das große Schweigen herrschte, sobald das Thema diskutiert wurde: "Man hätte längst die 200.000 Euro in die Hand nehmen können."
Auch Wolfgang Jansen kreidete der Politik Stillstand und den daraus resultierenden miserablen Zustand der Bucht an: "Vor sieben Jahren hatten wir schon mal eine Maßnahme (Kletterpark) vorgeschlagen, da ist nichts passiert. Dagegen ist der Rest des Parks eine Oase." Anschließend appellierte er an die Mitglieder, dass diese das Thema mit in die Fraktionen nehmen und abschließend beraten möchten. Carsten Janssen von der BFG bat allerdings den Stadtparkverein zumindest um ein "kleines" Konzept. Ihm lag vor allem die Frage auf dem Herzen, wie denn die Kinder, die mal hier spielen sollen, versichtert sind.
Thomas Claaßen erwiderte daraufhin, dass der Verein bereits Anträge und somit ein Konzept geschrieben habe. Zur Versicherung der Gäste meinte er nur, dass dies in der Verantwortung der Gäste läge.
Klaus-Dieter Nikutowski regte sich auf: "Hier sind keine Profis, sondern Ehrenamtliche aktiv, die etwas für die Bürger tun! Die Gocher Bucht muss ordentlich aussehen, jetzt ist sie nur ein Schandfleck. Das kann doch die Fraktionen nicht trennen."
Einen Tag später ist seine Fraktion tatsächlich (wieder) aktiv geworden und hat sich schriftlich an den Gocher Bürgermeister gewandt. Darin beantragt die Fraktion für die Sitzung des Rates am 3. September den Beschluss zur Sanierung der Gocher Bucht zu fassen. Im Einzelnen soll die gesamte Fläche aufgeräumt und nutzbar gemacht, das Gebäude inklusive Toilettenanlage instandgesetzt, die Minigolfanlage soll nutzbar gemacht und der Zaun soll instandgesetzt werden.
Die dafür benötigten Mittel von 30.000 Euro sollen, so schreibt Klaus-Dieter Nikutowski, durch einen Nachtragshaushalt für 2020, bzw. mit Verpflichtungserklärung für 2021, etatisiert werden. Nach der Fertigstellung soll das Gelände dem Gocher Stadtparkverein zur Freizeitnutzung für alle Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung gestellt werden.
Einen ähnlichen Antrag hat die CDU Goch formuliert: "Ziel ist es, dem Stadtparkverein zeitnah die Gocher Bucht zur Verfügung zu stellen, damit die Ideen umgesetzt werden. Dies halten wir in Zeiten von Covid 19 sehr wichtig, da die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung sehr eingeschränkt sind." Die kostenfreie Überlassung soll aber zunächst bis zum 31. Dezember 2021 befristet werden, um das Ziel einer Gesamtkonzeption nicht aus den Augen zu verlieren und nach wie vor alle Möglichkeiten offen zu halten."
Die Antwort aus der Verwaltung kam prompt: Beide Anträge werden nicht in die Tagesordnung der kommenden Ratssitzung aufgenommen. Grund: Die Anträge kamen zu spät. Um einen Tag. Für Klaus-Dieter Nikutowski ein Unding: "Das ist eine Unverschämtheit! Daran erkennt man, dass der Bürgermeister das Vorhaben schon von vornherein ablehnt."
Und Thomas Claaßen? Der schüttelt nur noch den Kopf und verliert langsam den Glauben, will sich aber nicht entmutigen lassen: "Wir kämpfen für die Gocher!"

Autor:

Franz Geib aus Goch

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