Ende April 1945
In der City war keinHaus mehr intakt: Viele Brücken von den Deutschen zerstört

Der Ruhr-Eisenbahnviadukt zwischen Vorhalle und Herdecke wurde im Zweiten Weltkrieg gleich zweimal teilzerstört. Die zweite Zerstörung wurde von der Deutschen Wehrmacht herbeigeführt - wenige Stunden vor dem Kriegsende in unserer Region.
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  • Der Ruhr-Eisenbahnviadukt zwischen Vorhalle und Herdecke wurde im Zweiten Weltkrieg gleich zweimal teilzerstört. Die zweite Zerstörung wurde von der Deutschen Wehrmacht herbeigeführt - wenige Stunden vor dem Kriegsende in unserer Region.
  • Foto: Archiv Ruhrverband
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Vor 75 Jahren – genauer: Mitte/Ende April 1945 – gelang es den Truppen der USA, nicht nur Hagen zu erobern, sondern auch alle anderen benachbarten Städte. Als Truppenteile der 86. US-Infanterie-Division (die „Black Hawks“) am 14. April den Talkessel der Hagener Innenstadt erreichten, gelangten sie in ein Wohn-, Geschäfts- und Verwaltungsquartier, in dem praktisch kein einziges Haus mehr intakt war.

Von Michael Eckhoff

Insbesondere ein am 15. März erfolgter Großangriff der britischen Luftwaffe brachte Tod und Zerstörung in einem Ausmaß, wie man Vergleichbares an der Volme zuvor noch nicht erlebt hatte. Rund 270 viermotorige Bomber der Typen Halifax und Lancaster sowie anderthalb Stunden später noch einmal zehn zweimotorige Mosquito-Bomber waren am Nachmittag des 15. März in Ostengland losgeflogen, um ihre todbringende Last in die größte westfälische Stadt südlich der Ruhr zu transportieren.
In den Abendstunden wurde Hagen erreicht. Ungefähr zwischen 20.25 Uhr und 20.45 Uhr sowie um kurz nach 22 Uhr fielen viele Hundert Tonnen an Spreng- und Brandbomben auf die Volmestadt. Auch die meterdicke Betonwand des Bunkers an der Körnerstraße wurde durchschlagen – und zwar so gravierend, dass nach dem Angriff ein riesiges Loch in seiner Außenwand klaffte.

Über 1.000 Todesopfer

Wie viele Menschen an diesem Abend in der Hagener Innenstadt insgesamt ums Leben kamen, ist nicht hundertprozentig dokumentiert. Laut Schätzungen haben etwa 1.000 Menschen den Tod gefunden. Allein im und vor dem Bunker an der Körnerstraße, der in dieser Nacht völlig überbelegt war, soll es mindestens 260 Tote gegeben haben. Das schätzt jedenfalls Hagens Archivchef Dr. Ralf Blank im Buch „Hagen – Geschichte einer Großstadt“. In verschiedenen amtlichen Unterlagen ist von 240 bis 270 Opfern die Rede. Der Hannoveraner Historiker Michael Foedrowitz geht sogar von einer deutlich höheren Zahl aus. Er verweist auf Augenzeugen, die von 350 bis 650 Toten zu berichten gewusst hätten.
Die großen Unterschiede ergeben sich möglicherweise daraus, dass in den amtlichen Unterlagen wahrscheinlich „nur“ Deutsche erfasst sind, also vermutlich keine Kriegsgefangenen. Die Hagener Bunker-Katastrophe war weltweit eines der größten Unglücke dieser Art im Zweiten Weltkrieg.

Tausende Obdachlose

Abgesehen von den vielen Toten gab es an diesem Abend zudem Hunderte Schwerverletzte, die kaum versorgt werden konnten. Verzeichnet wurden außerdem Tausende Obdachlose, die in der schon eh von mehreren Großangriffen arg zerstörten Volmestadt kein Dach mehr über dem Kopf zu finden vermochten.
In die völlig zerbombte Innenstadt drangen die Amerikaner am 14. April 1945 letztendlich relativ problemlos vor, nachdem sie zuvor noch im Hagener Süden auf deutsche Einheiten gestoßen waren, die den Vormarsch der Alliierten zu stoppen versucht hatten. Schwieriger gestaltete sich der Einmarsch im Raum Letmathe/Hohenlimburg, hier kam es am 14./15. April zunächst noch zu schweren Kämpfen, in deren Verlauf der Nazi-Bürgermeister von Hohenlimburg, Friedrich Pott, Selbstmord beging.

Hitlers Nero-Befehl

Noch circa drei Wochen vor dem alliierten Einmarsch hatten sich diverse Mitglieder der hiesigen NSDAP-Führung darauf verständigt, den von Hitler am 19. März verkündeten Nero-Befehl auf jeden Fall zu befolgen. Dieser Befehl besagte, dass alle wirtschaftlichen und verkehrstechnischen Einrichtungen grundsätzlich ohne Rücksicht auf die Existenzgrundlage der Menschen zu zerstören seien.
So wurden – laut Ralf Blank im Buch „Hagen“ – noch wenige Stunden vor dem US-Einmarsch von der Deutschen Wehrmacht mehrere Brücken gesprengt, zum Beispiel die Straßenbrücke über den Hengsteysee oder auch der Ruhr-Eisenbahnviadukt zwischen Vorhalle und Herdecke. Erst in den 1950er-Jahren konnten die Schäden behoben und die Zugfahrten wieder aufgenommen werden.

OB-Empfehlung

Die Amerikaner begaben sich nach ihrem Einmarsch umgehend auf die Suche nach einer möglichst unbescholtenen Person, die für das Amt des Oberbürgermeisters befähigt sein sollte. Der seit 1920 im Dienst der Stadt Hagen befindliche „korrekte Beamte“ Dr. Dönneweg wurde vollverantwortlicher Bürgermeister.

Wie es in Hagen im Mai 1945 weiterging, berichten wir nächste Woche.

Der Ruhr-Eisenbahnviadukt zwischen Vorhalle und Herdecke wurde im Zweiten Weltkrieg gleich zweimal teilzerstört. Die zweite Zerstörung wurde von der Deutschen Wehrmacht herbeigeführt - wenige Stunden vor dem Kriegsende in unserer Region.
Dieses Foto vom zerstörten Bunker stammt aus dem Jahr 1945.
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Lokalkompass Hagen aus Hagen

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