Ihrer Hühner waren drei und ein stolzer Hahn dabei

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Industrielle Massentierhaltung, Fleischskandale, Tierquälerei:
Ist veganes Leben heute die einzige Alternative?
Eine Halternerin findet einen anderen, sehr klassischen Weg:
Sie hält ihre Nutztiere selbst -
und lernt die Schwierigkeiten der Subsistenzwirtschaft hautnah kennen.

Der Fleischverbrauch der Deutschen ist in den letzten vier Jahren leicht gesunken. Gleichzeitig macht sich ein Trend zu fleischloser Lebensweise bemerkbar. Läden und Restaurants mit vegetarischen Angeboten sind im Kommen. Grund dafür ist neben gesundheitlichen Aspekten ein steigendes Bewusstsein für Umweltschutz und die Entscheidung gegen die industrielle Erzeugung von tierischen Produkten.

In der Regel ist es eine Entscheidung aus Liebe zum Tier und gegen die qualvolle Massentierhaltung und Tötung. Dass aber auch Erzeugnisse vom lebenden Tier wie Eier und Milchprodukte für die Tiere mit zum Teil enormen Leiden verbunden sind, ist weniger bekannt.
Für Trinkmilch und Milchprodukte leben Milchkühe in Dauerschwangerschaft und werden gleich nach der Geburt von ihren Kälbern getrennt - für die Gewinnung von Eiern werden die männlichen Küken in sogenannten Kükenschreddern „entsorgt“ oder sie werden vergast. Sie sind für die Nahrungsmittelindustrie wertlos da die Mast und Aufzucht eierlegender Rassen wegen des geringeren Fleischanteils nicht lohnt. So sterben pro Jahr 40 Millionen Küken gleich nach dem Schlüpfen in Deutschland diesen grausamen Tod. Auch Freilandhühner in der Bio-Landwirtschaft.

Veganes Leben als einzige Alternative?

Haltern Solche Szenarien waren es, die Manu Perlmann vor zwei Jahren veranlassten, bewusster zu leben und zu konsumieren und künftig nur noch auf Eier und Fleisch eigener Hühner zurück zu greifen. Bei ihrer Familie, mit denen sie ein liebevoll restauriertes Häuschen mit großem Grundstück am Rand der Innenstadt bewohnt, stieß die Idee sofort auf Begeisterung. Im Garten hinter dem Haus und auf einem weiteren Pachtgrundstück außerhalb der Stadt lebten bereits ein paar Schafe und Ziegen als das erste Federvieh einzog.
Was mit einer aus Mitleid aus einer Legebatterie geretteten Henne begann, weitete sich im Laufe der Zeit und wachsender Erfahrung zu einer kleinen Hühnerfarm aus. Manu besorgte sich umfassende Lektüre, besuchte Vorträge und ließ sich von Geflügelfarmern beraten bevor sie den Bestand auf nunmehr zwanzig Tiere erweiterte.

Henne Idefix war vor dem Ei da

Es war schnell klar, dass Henne „Idefix“ mehr als einen großen Auslauf zum Scharren und Sandbaden brauchte um ein artgerechtes Leben zu führen.
Also kamen alsbald ein Hahn und Hühner verschiedenster Rassen hinzu. Neben braunen Eiern und den weißen von Henne Idefix sorgen auch blau-grün gesprenkelte Eier für eine bunte Mischung, an der sich mittlerweile auch die Nachbarn und Freunde von Manu erfreuen.
Mit ihrer Haltung erfüllt sie sich einen Kindheitstraum und möchte gleichzeitig ein Stückchen zurück zur Natur, von der wir uns alle selbst im ländlichen Haltern erschreckend weit entfernt haben.

Die Arbeit mit den Tieren ist anstrengend, schweißtreibend und kostet Zeit und Nerven wenn die Tiere krank sind, geimpft werden müssen, Raubtiere in die Ställe einzudringen versuchen und sie auch nachts raus muss. Aber sie macht es gern und aus Überzeugung.
Hin und wieder holt sich ein Bussard ein Huhn. Sie nimmt es hin ohne Groll gegen die gefiederten Räuber. Sie empfindet es als Tribut an eine annähernd natürliche Lebensweise und opfert es gern.
„Was heute in Wohngebieten undenkbar ist, ein eigener kleiner Stall hinter dem Haus für ein oder zwei Schweine und etwas Kleinvieh, war noch in den 50iger Jahren gang und gäbe. Einmal im Jahr war Schlachtfest an dem dann die ganze Nachbarschaft teilnahm und half.
Klar ist das mit viel Arbeit verbunden und billig ist selbst produziertes Fleisch auch nicht, aber Fleischkonsum wie wir ihn hier und heute weltweit betreiben ist ein Verbrechen gegen die Kreatur. Letztendlich schaden wir uns selbst durch unseren unverantwortlichen Raubbau an der Natur,“ sagt sie während sie die Mistgabel schwingt und die zahme Krähe „Socke“ auf ihrer Schulter krächzt zustimmend.

Selbst ganz auf Fleisch zu verzichten schafft sie dennoch nicht – auch ihre Hähnchen landen irgendwann im Topf.
Bis dahin aber werden sie genau das Leben geführt haben, das die hübschen Bilder auf den Eierkartons uns so gern glauben machen wollen:
Auf grüner Wiese inmitten einer intakten Schar glücklicher Hennen, Küken und Hähne...

Autor:

Antje Clara Bücker aus Haltern

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