Landgericht
Rewe-Räuber gesteht auch den Überfall in Niedersprockhövel

Die beiden Angeklagten mit ihren Rechtsanwälten Mollenkott (re.) und Hönnscheidt (li.) im Gerichtssaal.
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  • Die beiden Angeklagten mit ihren Rechtsanwälten Mollenkott (re.) und Hönnscheidt (li.) im Gerichtssaal.
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Vor der ersten großen Jugendstrafkammer beim Landgericht Hagen begann jetzt die öffentliche Hauptverhandlung gegen einen 19Jährigen aus Ennepetal, dem die Staatsanwaltschaft vorwirft, Rewe-Märkte in Niedersprockhövel, Breckerfeld und Wetter überfallen bzw. einen weiteren Überfall in Lüdenscheid geplant zu haben. Dem 21 Jahre alten Mitangeklagten wird nur die Mittäterschaft zur Vorbereitung für einen geplanten Überfall in Lüdenscheid zur Last gelegt. Spezialkräfte der Polizei nahmen die Täter im August 2018 unmittelbar vor Ausübung der Tat in Lüdenscheid fest.

Zwei Täter sind noch nicht ermittelt
Nach der Vereidigung der neuen Schöffen verlas Staatsanwalt Jörn Esken die Anklageschrift. Dem 19jährigen, der sich seit seiner Festnahme in Untersuchungshaft befindet, wird vorgeworfen, im Januar 2018 mit zwei weiteren bisher nicht ermittelten Mittätern einen Rewe-Markt in Breckerfeld, Anfang Mai 2018 einen Rewe-Markt in Wetter und am 11. Mai 2018 den Rewe-Markt in Niedersprockhövel überfallen zu haben. Die Gesamtbeute aus den drei Überfällen lag im mittleren fünfstelligen Bereich. Bis zur heutigen Hauptverhandlung haben die Angeklagten geschwiegen, keine Hinweise auf Mittäter gegeben und sich nicht zur Sache geäußert.

Nach Verlesung der Anklageschrift wurde die Hauptverhandlung unterbrochen, weil sich Richter, Schöffen, Staatsanwalt und die beiden Rechtsanwälte zu einem nicht öffentlichen Rechtsgespräch auf Basis der Strafprozessordnung zurückzogen.

Nach diesem Rechtsgespräch wurde vom Vorsitzenden Richter Jörg Weber-Schmitz mitgeteilt, dass die Strafkammer für den bereits vorbestraften 19jährigen einen Strafrahmen von dreieinhalb bis viereinhalb Jahren Jugendstrafe in Aussicht stellt, für den bisher nicht vorbestraften Mitangeklagten 21jährigen, der im Sicherheitsgewerbe tätig sein will, eine Bewährungsstrafe mit Ableistung von Sozialstunden. Dieses vorbehaltlich weiterer Erkenntnisse aus der Hauptverhandlung.

Plötzliches Geständnis der Angeklagten – Erschütternde Aussagen der Opfer
Danach gestanden die Angeklagten plötzlich die ihnen zur Last gelegten Taten und schilderten Details aus den Überfällen bzw. aus den Vorbereitungen des geplanten Überfalles auf einen Rewe-Markt in Lüdenscheid.

Der jetzt 19Jährige gestand auch, am 11. Mai 2018 beim Überfall auf den Rewe-Markt in Niedersprockhövel Mitarbeiter und Kunden, die sich auf den Boden legen mussten, bedroht und in Schach gehalten zu haben, während der bis heute unbekannte Mittäter eine Rewe-Mitarbeiterin zwang, ihm das Geld aus dem Tresor auszuhändigen.

Erschütternd, teilweise unter Tränen waren danach die Aussagen der betroffenen Mitarbeiter des Marktes in Breckerfeld. Als diese am Tattag kurz nach 22 Uhr ihren Rewe-Markt durch den Personaleingang verlassen wollten, bedrohten plötzlich zwei Täter die beiden Mitarbeiterinnen. Die aggressiven Täter hielten ihnen Pistolen an den Kopf, beleidigten sie mit den Worten "Schlampen", drohten sie "abzuknallen" und forderten die Tageseinnahmen. Einer unter Asthma leidenden Mitarbeiterin wurden die Hände mit Kabelbindern auf den Rücken gefesselt und ihr Kopf im Mundbereich mit Klebeband umwickelt.

Ihre Kollegin erhielt durch den bis heute noch nicht ermittelten Täter einen Nackengriff, wurde zu Boden gedrückt und gezwungen, den Tresor zu öffnen und Banknoten und Münzgeld auszuhändigen. Als der Täter dann noch ihre Handtasche rauben wollte, forderte sie diesen trotz der Überfallsituation auf, ihr sofort ihren Autoschlüssel auszuhändigen, da sie davon nur diesen und keinen Ersatzschlüssel hätte. Dieser überraschten Forderung kam der Täter sogar nach, fesselte sie ebenfalls und flüchtete mit dem Mittäter.

Marktmitarbeiterinnen leiden noch heute unter den Überfall-Folgen
Unter den Folgen der Überfälle leiden die Rewe-Mitarbeiterinnen trotz Inanspruchnahme professioneller Hilfe und Betreuung durch Mitarbeiterinnen des "Weissen Ring" teilweise bis heute. Eine Geschädigte hat sich versetzen lassen, ihre Kollegin macht keine Spätschichten mehr. Beide haben teilweise immer noch Angst, abends alleine auszugehen.

Diese menschlichen Schicksale der Überfallenen ließ sich der Vorsitzende Richter jeweils ausführlich schildern. Schmerzensgeldansprüche der Überfallenen im Rahmen einer Adhäsionsklage waren nicht Gegenstand der heutigen Hauptverhandlung.

Dem STADTSPIEGEL liegen Informationen vor, dass auch die überfallenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des REWE-Marktes in Niedersprockhövel erheblich unter den Folgen des erlebten Überfalles gelitten haben.

SEK-Zugriff war nicht zimperlich
Der bei den drei Überfällen beteiligte 19jährige entschuldigte sich bei seinen Überfallopfern. „Unser Ziel war es nicht, Ihnen wehzutun, macht unsere Tat aber auch nicht besser“, sagte er zu jeder der beiden Rewe-Mitarbeiterinnen.

Der 21Jahre alte Mitangeklagte war nach seinen Aussagen froh, dass das Sondereinsatzkommando der Polizei verhindert hatte, dass der geplante Überfall in Lüdenscheid auf einen weiteren Rewe-Markt stattfand, denn sonst säße auch er schon im Gefängnis. Wie Richter Weber-Schmitz mitteilte, sei der Zugriff des SEK auch nicht gerade zimperlich gewesen.

Für beide Angeklagte saßen im Gerichtssaal Familienangehörige, die sich in ihren jeweiligen Muttersprachen unterhielten. Am Dienstag, 5. Februar 2019, wird der Prozess in Hagen fortgesetzt. Dann sollen auch Zeugen und Polizeibeamte des Überfalles in Niedersprockhövel angehört werden.

Der STADTSPIEGEL berichtet weiterhin.

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