Zero Waste: Nachhaltigkeits-Gedanke erobert Secondhand-idee
Mehrfach nutzen statt Einwegdenken

Claudia Wiemann mit einer alten Schublade, aus der ein Regal wurde. Foto: Pielorz
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  • Claudia Wiemann mit einer alten Schublade, aus der ein Regal wurde. Foto: Pielorz
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Trödel- oder Flohmärkte erfreuen sich großer Beliebtheit. Ihren Namen verdanken sie spätmittelalterlichen Kleidergaben der Fürsten. Sie wurden durch Lumpenhändler dem Volk überlassen und dabei wechselte auch der ein oder andere Floh den Wirt. Der Flohmarkt“ hat seinen Ursprung als „Marché aux Puces“ in Paris und den ersten soll es um 1890 gegeben haben. Den ersten deutschen Flohmarkt gab es erst 1967 in Hannover. Bedürftigkeit und kleines Geld standen im Mittelpunkt des Trödelns. An Nachhaltigkeit dachte noch niemand. Das ändert sich gerade gewaltig.
„Als wir vor über zwanzig Jahren mit dem Projekt MäcMöbel starteten, hat hier auch niemand den Gedanken der Nachhaltigkeit gepflegt. Es ging einfach um preiswerte Einkaufsmöglichkeiten für bedürftige Bürger“, fasst Claudia Wiemann vom Hattinger „MäcMöbel“ die Gründungsidee zusammen. Unterschiedliche Arbeitsmarktprojekte kommen hier zusammen, Langzeitarbeitslose finden hier Möglichkeiten der Qualifikation – von Haushaltsauflösungen bis hin zu Upcycling. Die Waren erhält das Projekt aus Bürgerspenden oder eben durch das Auflösen der Haushalte. Angekauft wird hier nichts und gewinnorientiert arbeitet man auch nicht. Unter dem Dach des Vereines „HAZ Arbeit + Zukunft erfolgt die Finanzierung des Beschäftigungsprojektes durch das Jobcenter EN. „Ich habe eigentlich immer bis heute die Idee forciert, Gebrauchtes aus der Schmuddelecke zu holen. Eine ansprechende Präsentation, vielseitig aufgestellt in den Inhalten und natürlich müssen die Produkte ansehnlich sein“, so Wiemann. Und mehr noch: unter dem Begriff „Shabby Chic“ wird Altes aufgearbeitet und völlig neu interpretiert. Da wird aus einer Kaffeekanne auch schon einmal ein Vogelhäuschen und eine alte Schublade verwandelt sich in ein Regal. „Blickt man auf die großen Städte wie Berlin oder Hamburg, dann erkennt man, dass Secondhand eine ganz andere Kultur genießt. Es geht schon längst nicht mehr nur um bewusste Preisgestaltung, sondern eben auch um Nachhaltigkeit, um allergiereduzierte Mode, um Individualität. Diese Sichtweisen müssen hier allerdings noch wachsen. Manches mag auch mit der Tatsache verbunden sein, dass in Metropolen mit vielen Studenten hier eine Klientel vorhanden ist, die eine veränderte Haltung zur Nachhaltigkeit mit kleinem Geld kombiniert.“
Sehr „angekommen“ im Bewusstsein ist der Trödel- oder Flohmarkt natürlich beim Austausch von Kleidung und Spielzeug bei Kindern. „Hier steht einfach die Erkenntnis im Vordergrund, dass Kinder schnell aus Kleidung herauswachsen oder anderes Spielzeug bevorzugen und deshalb die Ware oft nur über einen geringen Zeitraum genutzt wird. Daraus haben sich Tauschbörsen, aber eben auch klassisch Secondhand entwickelt. Das fängt ja bereits in der Kindertagesstätte an.“ Am anderen Ende der Altersskala stehen oft die Senioren. „Viele ziehen aus einem größeren Wohnobjekt in eine kleineres um und können nicht alles mitnehmen. Oder sie ziehen in eine Alterseinrichtung. Und wenn sie verstorben sind, dann müssen die Wohnobjekte leergeräumt werden. In der Regel behalten die nachfolgenden Generationen nur Erinnerungsstücke.“ So wird der Gedanke der Nachhaltigkeit im Konsum quasi in den Kreislauf des Lebens eingepflegt.
Mittlerweile gibt es „Am Walzwerk 19“ (geöffnet montags 13 bis 18 Uhr, dienstags bis freitags 11 bis 18 Uhr) fast nichts, was es nicht gibt. Beim Bummel fällt auf: Bedingt durch Haushaltsauflösungen gibt es auch Dinge, die noch nie gebraucht wurden: nicht verschickte Grußkarten, Seidenstrümpfe in Originalverpackung und natürlich Möbel, Mode, Geschirr und vieles mehr. Dreimal im Jahr wird das nachhaltige Prinzip durch Basare in die Öffentlichkeit getragen: im Frühjahr, beim Adventsbasar am ersten Samstag im November und beim Wäscheleinenflohmarkt am ersten Samstag im August, also jetzt am Samstag, 3. August, 11 bis 16 Uhr. Da wird auf hunderten von Metern Wäscheleine auch Ware präsentiert, die etwas größer ist – Bettwäsche beispielsweise. Stöbern im ganzen Haus kann man aber natürlich auch.
Claudia Wiemann selbst stöbert auch gern und hat auch das ein oder andere Schnäppchen schon gemacht. „Ich glaube, wir müssen einfach umdenken. Es geht auch nicht darum, nichts Neues mehr zu kaufen. Aber es geht um bewussteren Konsum. Und dazu gehört eben auch der Gedanke der Nachhaltigkeit. So stellen wir beispielsweise Kaminanzünder aus Abfallprodukten her oder arbeiten Gebrauchtes individuell wieder auf.“ Es ist ein Versuch gegen das Einwegdenken.

Autor:

Dr. Anja Pielorz aus Hattingen

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