Zero Waste: Die Mülltrennung ist immer noch das größte Problem
Wild entsorgt in der Biotonne

Solveig Holste und Cornelia Padtberg mit Produkten und Infos rund um den Biomüll. Foto: Pielorz
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Für Solveig Holste, Fachbereichsleiterin Stadtbetriebe und Tiefbau, und Cornelia Padtberg, Abfallberaterin bei der Stadt Hattingen, ist beim Thema Nachhaltigkeit nicht nur die Müllvermeidung, sondern für allem die richtige Mülltrennung und die Steigerung des Biomülls die große Aufgabe. Die Stadt Hattingen ist nämlich im EN-Kreis die Stadt, die die geringste Menge an Biomüll produziert. Und das liegt nach Auffassung der Abfallexperten vor allem an der falschen Mülltrennung.
Seit Frühjahr 2018 ist Cornelia Padtberg quasi die Chefin der Biotonne. Und wie das so ist – Vertrauen ist gut, aber Kontrolle ist besser. Also wird seit genau dieser Zeit auch der Inhalt der Biotonne überprüft. „Rund 800 Haushalte in Hattingen sind aufgrund eines Antrages von der Biotonne befreit. Sie haben angegeben, dass sie entweder selbst kompostieren oder keinen Bioabfall haben“, erklärt Cornelia Padtberg. Letzteres ist kaum glaubhaft, denn: alles vor und nach dem Kochtopf ist Bioabfall. Dazu zählen eben alle Lebensmittelreste, aber auch Blumen, Laub und Gartenabfälle. Selbst Knochen gehören in die Biotonne – und, Verzeihung, auch die tote Amsel aus dem Garten. Ist alles organischen Ursprungs. Was Cornelia Padtberg oft hört, ist auch der Satz: ,Wir haben keinen Bioabfall, wir haben einen Hund‘ – dann hat sie eher Mitleid mit dem Vierbeiner, weiß aber, dass der Satz auch nicht stimmt.
„Mülltrennung fängt in der Küche an. Man braucht einfach ein Dreikammersystem für Biomüll, Restmüll und gelber Sack. Pro Einwohner kommen wir in Hattingen auf 163 Kilo Restmüll und 67 Kilo Biomüll. Letzteres ist viel zu wenig und da muss man einfach ansetzen. Hier hilft nur kontinuierliche Aufklärung und Beratung – und bei Beratungsresistenz dann auch ein Bußgeld ab 55 Euro. Denn wir kontrollieren den Inhalt der Biotonne und werden bei Verstößen auch tätig. Was sie auch nervt: Viele Bioabfälle sind in Plastiktüten verpackt in der Biotonne zu finden. „Das geht gar nicht“, sagt die Expertin. Zwar gibt es kompostierbare Bioabfallbeutel – da wäre man schon einmal einen Schritt weiter und die gibt es auch bei der Stadt zu kaufen – aber: Deutschlandweit warnen Experten auch davor, denn im Kompostierwerk wird der als kompostierbar angepriesene Kunststoff mitnichten zu wertvollem Kompost. Das Problem: der Zersetzungsprozess dauert dafür viel zu lange.

Engmaschige Kontrollen

Zwölf Wochen darf es laut Euro-Norm dauern, bis sich "kompostierbare" Plastiktüten zersetzt haben müssen. Das aber ist für die meisten Kompostieranlagen zu lange, denn die Anlagen arbeiten mit viel zu geringen Temperaturen und sehr viel schneller, als für den Abbau der Bio-Müllbeutel nötig wäre. Nach gerade mal vier bis fünf Wochen muss der Kompost aus dem Werk verkaufsfertig sein. Die Folge: ein Teil der vermeintlich abbaubaren Bio-Mülltüten bleiben im Kompost und müssen anschließend durch ein aufwändiges Siebtechnik herausgefiltert und verbrannt werden. Und: Beim Filterprozess werden lediglich 95 Prozent der verbliebenen Bio-Plastikteilchen rausgefischt. Die restlichen fünf Prozent bleiben in der Komposterde. Und landen im Anschluss auf unseren Äckern. Das sind immerhin 900 kleine Plastik-Restpartikel pro Kilo Kompost. Also: besser auf kompostierbare Tüten verzichten oder eben nicht in den Biomüll oder auf den Kompost werfen - empfiehlt übrigens auch das Umweltbundesamt. Prima sind die Tüten in jedem Fall als Ersatz für Plastiktüten.
Wird bei den Kontrollen eine falsche Befüllung der Biotonne entdeckt, dann wird die Tonne mit dem Deckel fotografiert, ebenso ihr Inhalt. So kann der Behälter einem Eigentümer zugeordnet werden. Der bekommt dann Post. Das gilt übrigens auch für falsch befüllten Restmüll – etwa dann, wenn sich Elektrogeräte oder Batterien in dem Behälter befinden. „Es ist im Sinne des Bürgers, richtig zu befüllen und Restabfall zu sparen. Denn er spart bares Geld. Wenn man für einen Zwei-Personen-haushalt vierzig Liter Restabfall rechnet, wir aber als kleinste Tonne nur 60 Liter haben, dann werden sogar nur 40 Liter berechnet. Man kann mit kleinen Behältern einfach sparen. Wer Bioabfall im Restmüll entsorgt, verursacht höhere Kosten, als die Verwertung über die Biotonne kostet.“ Und nicht nur das: Cornelia Padtberg hält auch wertvolle Tipps für den Umgang mit der Biotonne parat: „Den Rand kann man beispielsweise mit Essigessenz einsprühen oder abreiben. Das verhindert die Fliegen. Und wenn man den Bioabfall sofort in Altpapier wickelt, verhindert auch das Insektenbefall.“
Und noch einen Hinweis gibt die Expertin: „In Biomüll steckt jede Menge Energie, in der Bananenschale beispielsweise rund drei Stunden Licht.“
Damit nicht nur den Bürgern ein Licht aufgeht – all das gibt es natürlich auch zum Nachlesen in der Abfallbroschüre und der Broschüre „Hattingen: sauber!“ mit Bildern, was wo in welche Tonne gehört. Die kommt auch in der Beratung mit Cornelia Padtberg richtig gut an – bis hin zu den jüngsten Umweltschützern im Kindergarten.

Autor:

Dr. Anja Pielorz aus Hattingen

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