Wattestäbchen gehören nicht ins WC! Liberale treffen sich zum Fachgespräch mit dem Ruhrverband in der Kläranlage Hemer.

Eine Betriebsbesichtigung beim Ruhrverband
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Erst wenn man in fernen Ländern an offenen Kloaken vorbeikommt, merkt man den stillen Service, den die heimischen Abwasserkanäle und Kläranlagen an Bürger und Umwelt leisten.
Dieser Service ist aber nicht umsonst. Mit der Abwassergebühr bezahlt jeder Einwohner seinen Anteil. Die Abwassergebühr stellt die Stadtverwaltung den Bürgern in Rechnung und vor allem den Liberalen ist daran gelegen, dass sich Gebührensteigerungen in Grenzen halten.
Darum trafen sich am Dienstag Liberale aus Partei und Fraktion mit dem Betriebsleiter der Stadtentwässerung Hemer, Willi Große und dem stellvertretenden Bereichsleiter des Ruhrverbandes, Dr. Klaus Kruse.

Einblicke in die Tiefen der Kanalisation bot Willi Große. Wichtig sind vor allem dichte Kanäle, weil sogenanntes Fremdwasser, also eigentlich sauberes Wasser, wie Grund- oder Drainagewasser die Wassermengen und damit die Kosten der Wasserreinigung in die Höhe treiben. Ständig werden darum im Stadtgebiet die Kanäle kontrolliert und schadhafte Strecken repariert. Bis zum Zaun der Kläranlage ist die Stadtentwässerung für das Funktionieren des Kanalnetzes zuständig.

An vier Übergabepunkten fließt das Schmutzwasser des gesamten Hemeraner Stadtgebietes in die Kläranlage und dort in die Zuständigkeit des Ruhrverbandes.
Gleich zu Beginn der Anlage liegt das im Jahre 2000 erbaute, 7.650 Kubikmeter fassende Regenüberlaufbecken, das bei Starkregenereignissen die anströmenden Wassermengen erst mal zwischenspeichert.
Hier setzt sich mitgespülter Sand, Dreck und Gestein ab. Eindrucksvoll war die Vorführung der Beckenreinigung durch den Einsatz der Spülkippen. Hier rauschen 25 Kubikmeter Nachklärwasser mit Schwung über den mit Dreck belegten Boden und reißen den Schmutz mit in die Kläranlage.

Das ankommende Schmutzwasser wird zuerst mechanisch gereinigt, ein grober und ein feiner Rechen sammelt das ab, was alles so die Toilette hinuntergespült wird:
Kondome, Hygieneartikel, Toilettenpapier etc. Leider entwischen immer die Wattestäbchen.
Diese Rechenreste werden gespült, etwas ausgepresst und landen in der Müllverbrennung. Wer also hier zur Kostenreduzierung beitragen möchte, sollte den Mülleimer im Badezimmer benutzen, denn die eigene schwarze Mülltonne bezahlt man ja eh.

Im anschließenden Sandfang verliert das Schmutzwasser die festeren Bestandteile, also Sand und kleine Steinchen. Im daran anschließenden Vorklärbecken bleibt das Wasser zirka zwei Stunden. Dadurch setzen sich weitere Schwebteile ab und werden als Schlamm herausgeschoben. Nun fließt das Wasser weiter in die biologische Klärung. Hier helfen Bakterien Inhaltsstoffe zu binden und zu zersetzen. Hierbei bekommt das Schmutzwasser Schokoladenfarbe. Es wird Sauerstoff zugeführt, um die biologische Reinigung weiter zu aktivieren. Anschließend wird das gelöste Phosphat chemisch gefällt und mit dem Überschussschlamm aus dem System entfernt. Im Nachklärbecken wird das gereinigte Abwasser von den Mikroorganismen getrennt, indem das Wasser oben ab- und weiter in die Oese fließt und sich der Rest als Schlamm unten im Becken absetzt.

Alle an den Becken anfallenden Schlämme werden in den Faulturm gepumpt.
Bei ca. 36 Grad Celsius und Sauerstoffausschluss beginnt ein Faulprozess bei dem Biogas entsteht.
Dieses wird zwischengespeichert und im eigenen Blockheizkraftwerk zur Storm- und Wärmegewinnung genutzt.
Die Wärme heizt wieder den Faulturm und der Strom deckt zu ca. 40 Prozent den Energiebedarf der Pumpen und Anlagen in der Kläranlage.
Nach 20 „Faultagen“ wird der Restschlamm gepresst und der Verbrennung zugeführt.

Die Liberalen konnten sich davon überzeugen, dass in Hemer eine sehr moderne und effiziente Kläranlage arbeitet. Die FDP-Ortsvorsitzende Andrea Lipproß bedankte sich bei Herrn Große, Dr. Kruse und seinem Mitarbeiter herzlich für die Führung und die umfangreichen Erläuterungen zu den Fragen der Gruppe.

Für den Fraktionsvorsitzenden Arne Hermann Stopsack ist entscheidend , dass es weiterhin gilt, den Fremdwasseranteil im heimischen Kanalnetz und somit Kosten zu reduzieren. Klaus Hoffmann als FDP-Mitglied im zuständigen Fachausschuss hofft, dass nach den Investitionen der letzten Jahre die Kostensteigerungen bei der Ruhrverbandsumlage nachlassen, damit die Abwassergebühren in Hemer nicht weiter steigen.

Weitere Informationen findet man unter:

http://www.ruhrverband.de/index.php?id=299

Autor:

Andrea Lipproß aus Hemer

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