Michael Polubinski kramt für den Stadtspiegel in Erinnerungen an die glorreichen Zeiten der Trabrennbahn
"Wetten war Vati suspekt"

Michael Polubinski (l.) und die Bürgertraberfamilie. Der Trabsportfan hat viele Erinnerungen an die Rennbahn.
  • Michael Polubinski (l.) und die Bürgertraberfamilie. Der Trabsportfan hat viele Erinnerungen an die Rennbahn.
  • Foto: Polubinski
  • hochgeladen von Thorsten Seiffert

Mit dem Abriss des markanten Werbeturms an der A 2 in Höhe der Recklinghäuser Hillerheide endete jetzt auch optisch wahrnehmbar die Traber-Historie im nördlichen Revier. Luftlinie knapp zwei Kilometer davon entfernt, ist Michael Polubinski aufgewachsen.

Traber haben den Wahl-Scherlebecker seit seiner Kindheit bis heute begleitet. Seit zwanzig Jahren führt er die Geschäfte des Vereins „Bürgertraber Herten“. Der STADTSPIEGEL hat den Bürgerpreis-Träger gebeten, für die Leser in seinen pferdesportlichen Erinnerungen zu kramen und einiges niederzuschreiben.
„Wenn mein Vater sonntags nicht auf irgendeiner Versammlung seiner Vereine und Organisationen war, spazierten wir vormittags zur Rennbahn. Dort schlenderten wir an den Ställen vorbei. Rennveranstaltungen zu besuchen, kam für den braven Bergmann nicht infrage. Wetten war Vati suspekt. Renntage erlebte ich erst als junger Mann, gemeinsam mit meinem Schwiegervater. Als Student bewegte ich samstags Pferde auf der Hillerheide, zunächst die vom Gestüt Büntenhof, dann Traber von Trainer Willi Rode.
Zu der Zeit hatte ich das große Glück, Presserennen bestreiten zu dürfen. Ich war nämlich bei der WAZ als Zeilen-Texter aktiv. Der damalige Sportchef Jürgen Seyb wollte den Pferden nicht seine gut zwei Zentner Lebendgewicht zumuten. Also nahm ich für ihn Platz im Sulky. Meine Liebe zum Journalismus und Pferden bescherten mir in Sydney den Media Award in der 'Best Newspaper Article Category', verliehen durch die International Trotting Association. Die Siegtrophäe wurde mir im Vorstandszimmer des Recklinghäuser Rennvereins überreicht. Hätte ich mir auch gerne in Australien abgeholt.
Zeitweise habe ich Pferde gezüchtet, meist mit Freunden zusammen. Von einem Besuch Im damaligen DDR-Gestüt Prieros brachten wir Mutterstuten mit. Eine andere tragende Mutterstute ersteigerten mein inzwischen verstorbener Freund Chris Warnke und ich in Solvalla (Schweden). Weil ich John Lennon verehre, bekamen die Fohlen allesamt Namen von Alben oder Songs der Beatles. Sie hießen 'Abbey Road', 'Norwegian Wood' oder 'Eight Days a Week'. Als eine im Nachhinein total bescheuerte Idee erwies sich mein Engagement als Deckhengsthalter. Dieser 'Kingfish' ging zwar bei Stuten – wie Kerle in solchen Situationen nun mal sind – mit heißem Elan zu Werke. Aber er befruchtete äußerst schlecht, was in seinem Job nun mal der Supergau ist.
Im aktuellen Jahrzehnt habe ich einige Gästefahren und Spaßrennen im Minitraber-Sulky absolviert. Letztere zugunsten von Hilfsprojekten in Afrika. Vor sechs Jahren erlebte ich im Gelsentrab Park meinen letzten Auftritt im Sulky. Hier trat ich in einem Gästerennen unter anderen gegen die Schalke-Ikone Klaus Fischer an. Nach miserablem Start ging es mit einem Abstand von 50 Metern zum übrigen Feld als letztes Gespann auf die Reise. Meine Stute 'Nalinas Flashlight' kämpfte sich jedoch Meter für Meter nach vorne. Just auf der Linie konnte ich meinem Idol aus früheren Tagen, Klaus Fischer, noch den zweiten Platz wegschnappen. Das war in meinen insgesamt acht Rennen das beste Ergebnis.
Vor 21 Jahren gebar Bürgermeister Klaus Bechtel bei einer Unternehmer-Veranstaltung im Gestüt Meßmann die Bürgertraber-Idee. Klaus hatte ebenfalls praktische Erfahrungen im Sulky. Er hatte Traber der heimischen Gastronomie-Familie Gasber trainiert. Keine Frage, dass ich aufgrund seiner Bitte gemeinsam mit Peter Brautmeier und Winfried Kunert den Bürgertraber-Verein aufgebaut habe. Diesem ersten Charity-Rennpferd-Projekt in Deutschland folgte die einzigartige „Hippologische Städtefreundschaft“ zwischen Herten und Waltrop. Begründet und gepflegt durch den Kontakt zur Züchterfamilie Meßmann sowie zahlreichen Waltroperinnen und Waltropern. Jetzt wiederbelebt durch die beiden neuen Bürgermeister Marcel Mittelbach und Matthias Müller. Parallel zur sozialen Mission hat sich die Bürgertraber-Familie längst zu einem gesellschaftlichen Kristallisationspunkt gemausert.
Apropos Charity: Wir haben uns im Vorstand für die Hertener Sportjugend eine Weihnachtsüberraschung ausgedacht. Unser Bürgertraber Ignatz von Herten startet in diesem Jahr noch mindestens einmal. Verraten wird noch nichts. Wie gesagt, soll `ne Überraschung sein…“

Autor:

Thorsten Seiffert aus Herten

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