Wer meldet sich freiwillig?

Hausbesuch - Soldaten trainieren den Ortskampf. Mit höherem Wehrsold und attraktiven beruflichen Perspektiven soll der Nachwuchs gesichert werden.Foto: Bundeswehr/ Rott
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Guttenberg ist Geschichte. Die von ihm begonnene Umstrukturierung der Bundeswehr läuft jedoch weiter.
Nach Aussetzung der Wehrpflicht zum 1. Juli werden keine Wehrpflichtigen mehr zur Ableistung des Grundwehrdienstes herangezogen. Auf Antrag können junge Männer jedoch weiterhin ihren Grundwehrdienst oder einen darüber hinausgehenden freiwilligen Wehrdienst leisten. Deutschlandweit haben bereits 1.255 Freiwillige, darunter 875 Grundwehrdienstleistende und 380 Freiwillig Wehrdienstleistende, ihre Einberufung zum Dienst in den Streitkräften erhalten. Darüber hinaus treten im Laufe des Monats 276 Zeitsoldaten ihren Dienst an - doch eigentlich werden pro Jahr rund 12.000 Freiwillige benötigt, um alle Bereiche der Bundeswehr abzudecken. „Das reicht von der Teilhabe an Stabilisierungsoperationen bis hin zum Heimatschutz“, erklärt General Volker Wieker, ranghöchster Soldat der Bundeswehr, in einer Presseveröffentlichung des Bundesverteidigungsministeriums. „Jetzt muss hinterfragt werden, was Streitkräfte wirklich unter einem solchen Oberbegriff leisten müssen.“
Auch die Nachwuchsgewinnung rückt verstärkt in den Fokus. Dabei gelte es, die Attraktivität des Soldatenberufes weiter zu fördern. „Wir machen bereits heute unseren Soldaten ein breites, auch zivilberuflich verwertbares Bildungsangebot“, so Wieker weiter.
Im Einzugsbereich des Kreiswehrersatzamtes Siegen, zu dem auch der Märkische Kreis gehört, liegt das Interesse an einem freiwilligen Dienst bei rund einem Viertel der üblichen Anzahl an Wehrpflichtigen. „Wir hatten in diesem Bereich üblicherweise 250 bis 280 Wehrpflichtige. Bis jetzt haben sich 25 Freiwillige gemeldet. Bis Mai kommen wir wahrscheinlich auf 60 bis 70“, sagt Regierungsamtmann Ralf Wiesel auf Nachfrage des STADTSPIEGEL. Bei den Zeitsoldaten wären die Zahlen unverändert bis Tendenz leicht steigend. Ab dem 1. Juli sieht es dann vielleicht schon anders aus. „Ab diesem Zeitpunkt wird der Wehrsold erhöht. Da ist das Interesse schon größer, auch bei jungen Menschen mit Abitur.“
Wesentlich größere Probleme mit der Nachwuchswerbung wird es wohl im Bereich der Zivildienstleistenden geben. „Bis zum Sommer haben wir noch zwei Zivis in der Altenpflege beschäftigt“, so Sabine Arens von der Diakonie Mark-Ruhr in Iserlohn. Nachfolger für den neuen „Bundesfreiwilligendienst“ sind allerdings bis jetzt noch nicht in Sicht.
Eine Alternative zum Zivildienst ist das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ). Darauf setzt das Netzwerk Diakonie, das innerhalb der Diakonie Mark-Ruhr für die Betreuung körperlich wie psychisch behinderter Menschen verantwortlich ist, bereits seit einiger Zeit. „Wir haben, als die Nachfrage der Zivildienstleistenden nachließ, rechtzeitig umgesattelt“, erklärt Geschäftsführer Stefan Haacke. Beim FSJ sei die Nachfrage nun oft größer, als Plätze vorhanden sind. „Das sind junge Leute, die auch genau diesen Weg beruflich einschlagen wollen“, ist Haacke erfreut.
Auch die FSJ-Plätze im Ausland sind gefragt. „Da hatte ich schon einige Nachfragen“, sagt Pfarrer Peter Wevelsiep, der bislang die Beratung der Wehrdienstverweigerer im Ev. Kirchenkreis übernommen hatte. Das hilft den Pflegediensten vor Ort allerdings nicht. Zudem gilt es auch bei dieser Reform, noch einige Ungereimtheiten auszumerzen. Denn bislang besteht beim Anspruch auf Kindergeld noch keine einheitliche Linie. So würden Freiwillige im Bundesfreiwilligendienst am Ende mehr Geld herausbekommen als ihr Kollegen beim FSJ.

Hintergrund: Zum 1. Juli soll der neue Freiwillige Wehrdienst dann in Kraft treten. Nach Aussetzung der Wehrpflicht können Männer und Frauen sich dann für einen freiwilligen Wehrdienst von sechs bis zu 23 Monaten entscheiden. Die ersten sechs Monate gelten dabei als Probezeit, und zwar unabhängig davon, auf welche Verpflichtungszeit sie sich festgelegt haben.

Hausbesuch - Soldaten trainieren den Ortskampf. Mit höherem Wehrsold und attraktiven beruflichen Perspektiven soll der Nachwuchs gesichert werden.Foto: Bundeswehr/ Rott
Bleiben in der Altenpflege nach dem Wegfall des Wehrdienstes die Zivis aus? Foto: Fischer/ bep
Autor:

Melanie Giese aus Recklinghausen

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