Grundschule Bennert - das Land der Blaukarierten und Buntgemischten.

Ein „ganz normaler Tag“ beginnt. Hintere Reihe 2. von re. Schulleiterin Christa Rosenberger, rechts außen Elmar Widera vom cSc-Team.
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  • Ein „ganz normaler Tag“ beginnt. Hintere Reihe 2. von re. Schulleiterin Christa Rosenberger, rechts außen Elmar Widera vom cSc-Team.
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Die Städtische Gemeinschaftsgrundschule in Leichlingen erlebte den „ganz normalen Tag“.

Leichlingen/Langenfeld. Es ist nicht mehr überraschend, dass sich der "ganz normale Tag" der Elisabeth & Bernhard Weik-Stiftung immer mehr herumspricht. Lehrer und Kollegien erzählen einander, was für eine großartige Idee dies ist. Und so kommen auch immer mehr Anfragen von außerhalb, nachdem Langenfeld gut abgedeckt ist. Auch wenn das ehrenamtliche Team der Weik-Stiftung nicht überall präsent sein kann, freut man sich über den großen Erfolg.

Der „ganz normale Tag“ in der Grundschule Bennert in Leichlingen begann mit dem „Lied der Blaukarierten“, das von den Unterschieden der Menschen erzählt. Nicht nur äußerlich unterscheiden sich Kinder einer Schule voneinander. Auch sonst kann der eine dieses oder jenes gut oder weniger gut.

Damit niemand wegen seiner Unzulänglichkeiten geärgert oder gehänselt wird, veranstaltet die Elisabeth & Bernhard Weik-Stiftung in den Grundschulen den „ganz normalen Tag“. Normal ist, unterschiedliche Stärken und Handicaps zu haben, und für Letztere sollen die Schulkinder spielerisch sensibilisiert werden.

Ein Sportler der Paralympics, der mit acht Jahren ein Bein verloren hatte, erzählte Bernhard Weik in einem Interview: „Das Schlimmste war nicht, dass ich nur noch ein Bein hatte, sondern die dauernden Hänseleien der anderen Kinder, weil ich nicht mehr alles mitmachen konnte.“ Für andere Menschen ist es normal, sich mit Gehhilfen oder im Rollstuhl zu bewegen, mit den Füßen zu greifen, blind oder gehörlos zu sein.

Wolfgang Krafft und Manfred Glasmacher sind blind. Sie gehören zum cSc-Team für den „ganz normalen Tag“. Krafft rollt einen Ball, der innendrin Glocken hat und deshalb beim Bewegen zu hören ist. So können ihn blinde Menschen einander zurollen. Er zeigt ein Buch und eine Zeitschrift in Blinden-(Braille-)schrift und liest dann eine kurze Geschichte vor. Glasmacher schreibt die Namen der Kinder mit der Blindenschreibmaschine, zeigt ihnen, wie er Münzen und Geldscheine erkennt, mit dem Zollstock messen kann, wie ein Farberkennungsgerät funktioniert und eine „sprechende“ Uhr. Spielkarten können genauso gefühlt werden wie Steine bei Mühle + Dame und beim Schach.

An vielen Stationen erfahren die Kinder, wie man mit Einschränkungen „normal“ leben kann, beim Fahren mit dem Rollstuhl, beim Laufen und Treppen steigen mit Gehhilfen, bei der Verständigung mit der der Gebärdensprache für Gehörlose, spüren Übergewicht mit Gewichtswesten und –manschetten, fahren als „Blinde“ auf dem Rad-Tandem und balancieren mit verbundenen Augen und dem Blindenstock.

„Wir haben 142 Schüler, wenn alle da sind, und unterrichten sie in sechs Lerngruppen von jeweils 23-25 Kindern, in denen immer alle vier Grundschul-Jahrgänge vertreten sind“, erzählt Schulleiterin Christa Rosenberger. „Sie kennen das doch sicher von früher, als in Dorfschulen alle Kinder in einem Klassenraum waren.“ Diese Unterrichtsart erfordere sehr engagierte Kolleginnen. 1997 habe man bei ihrer Vorgängerin mit jeweils zwei Jahrgängen begonnen und dann sei das allmählich gewachsen und habe sich als Konzeption für die ganze Schule entwickelt.

Jährlich kämen ca. 35-40 neue Kinder in die Schule. Dieses Jahr sei Carla (6) dazugekommen. Sie sitzt im Rollstuhl und wird von Mitschülern und Lehrerinnen liebevoll unterstützt. „Ihre Geschwister waren hier, und sie ist gut integriert“, sagt Rosenberger.

Die Schule ist naturnah, hat einen „Naschgarten“. Es gibt eine Big Band im Aufbau mit E-Gitarren und Bässen und viele sportliche Aktivitäten. „Schulverein und Eltern unterstützen uns in allen Belangen, wir sind eine große Gemeinschaft“, betont die Schulleiterin. Für den „ganz normalen Tag“ haben sich spontan 25 Eltern als Helfer an den von den ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen der Weik-Stiftung betriebenen Stationen gemeldet, und alle Eltern hatten ein sehr großes und vielseitiges Büfett gespendet.

Autor:

Jürgen Steinbrücker aus Langenfeld (Rheinland)

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