Wie gestalten Menschen mit einem Handicap ihren Alltag?

Rollstuhlfahren will gelernt sein. Aggi Wiggers vom Team "Der ganz normale Tag" zeigt den Schülern, worauf es ankommt.
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  • Rollstuhlfahren will gelernt sein. Aggi Wiggers vom Team "Der ganz normale Tag" zeigt den Schülern, worauf es ankommt.
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Die Schüler der Erich-Klausener-Grundschule in Leverkusen-Alkenrath erlebten einen spannenden Tag.

Leverkusen-Alkenrath/Langenfeld. Die blinde Rezzan Özel vom Team der Weik-Stiftung für den „Ganz normalen Tag“ in Grundschulen nimmt ein Farberkennungsgerät in die Hand. Sie hält es an ein T-Shirt ihrer Assistentin. „Weiß“ ist eine Stimme zu hören. Und dann auch noch an deren Hose. „Blau“ ist aus dem Gerät zu hören. „Stimmt das?“ möchte Özel von der Klasse um sie herum wissen. Auch einen digitalen Kurzzeitwecker und eine Waage hat sie mitgebracht. „Diese Geräte brauche ich zum Kuchen backen“, verrät sie den Schülern. Spre-chende Geräte helfen blinden Menschen im Alltag.

Danach schlägt Özel ein Buch auf und liest aus der Geschichte „Der kleine Prinz“ vor. Die Seiten bestehen aus lauter Punkten, die in die Seiten eingestanzt sind, der sogenannten Braille- oder Blindenschrift, deren Buchstaben aus maximal sechs Punkten bestehen. Um das zu demonstrieren, legt Özel in unterschiedlicher Anordnung Tischtennisbälle in einen 6er Eierkarton und lässt die Schüler den Buchstaben erraten.

Die Elisabeth & Bernhard Weik-Stiftung ist mit ihrem ehrenamtlichen Team zu Gast in der Gemeinschaftsgrundschule Erich-Klausener in Leverkusen-Alkenrath. „Es gibt Dinge, die kann man nicht so gut, und deshalb ist es wichtig, dass man sich gegenseitig hilft“, erklärt Judith Husmann, kommissarische Leiterin dieser Schule und Schulleiterin an einer weiteren Grund-schule in Leverkusen.

„Ich hoffe, ihr werdet einen spannenden Tag erleben und an den ein-zelnen Stationen in die Lage versetzt, wie es sich anfühlt, mit einer Behinderung zu leben“, sagt Peter Mecklenbeck, im Weik-Team verantwortlich für den „ganz normalen Tag“.

An den Stationen gibt es viel auszuprobieren: Mit dem Rollstuhl fahren, mit einem Blindenstock den Weg finden, an zwei Gehhilfen (Krücken) laufen und Stufen überwinden, mit Ge

wichtswesten rennen und klettern, um sich in „Übergewichtige“ hineinzuversetzen. Als „Armverletzte“ mit den Füßen schreiben, Knoten machen und Korken werfen. Und mit verbundenen Augen auf einem Tandemrad mitfahren, dem Piloten „blind“ vertrauen. Oder die Gebär-densprache von Hörgeschädigten kennen lernen.

„Wir haben die ganze Woche ein „Projekt der Sinne“ durchgeführt, da passt die Sensibilisierung der Schüler für Menschen mit Einschränkungen gut hinein“, sagt Husmann. Lehrerin Tülin Özen erzählt: „Jede Lehrkraft war Expertin für einen Sinn“ und zeigt Beispiele auf, wie die Schüler ihre Sinne eingesetzt haben: mit verbundenen Augen einen Fußparcour mit verschiedenen Materialien durchlaufen, oder Lebensmittel „blind“ kosten von Schokolade, Salzstangen bis Zitrone. Oder in kleine Filmdosen hineinriechen, die Zwiebel, Knoblauch, Zimt usw. enthalten.

„Wir sind eine offene Ganztagsschule, von den 186 Schülern nehmen ca. 150 dieses Angebot an“, erzählt Schulleiterin Husmann. Weil es zahlreiche Schüler mit Migrationshintergrund gebe, sei ein großer Schwerpunkt die Sprachförderung. „Wir fördern das Miteinander, Deutsch ist Zweit- oder Fremdsprache, es gibt auch herkunftssprachlichen Unterricht.“

Die Kinder freuen sich, wertgeschätzt zu werden, die Schule gebe ihnen ein Zuhause, in dem sie ihre Stärken erfahren und in notwendigen Bereichen gefördert werden können. In einem benachbarten Gebäude gibt es zwei ausgelagerte Gruppen der Hugo-Kückelhaus-Schule, einer Förderschule für geistige Entwicklung, die zum „ganz normalen Tag“ mit eingeladen wurden.

Autor:

Jürgen Steinbrücker aus Langenfeld (Rheinland)

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