"Klimbim"-Opa Wichart von Roëll stark gefragt

Gräfin Amelie  (Johanna Liebeneiner) und Fritz Schubert (Wichart von Roëll) haben in der ZDF-Serie „Lena - Liebe meines Lebens“ das Glück gefunden. In 180 Folgen wirkte der Schauspieler bei „Lena“ mit. Foto: ZDF/ Stefan Behrens
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  • Gräfin Amelie (Johanna Liebeneiner) und Fritz Schubert (Wichart von Roëll) haben in der ZDF-Serie „Lena - Liebe meines Lebens“ das Glück gefunden. In 180 Folgen wirkte der Schauspieler bei „Lena“ mit. Foto: ZDF/ Stefan Behrens
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Schluss und aus: Am 21. Juni hat das ZDF zum letzten Mal „Lena - Liebe meines Lebens“ gezeigt. Und zum letzten Mal darf der in Recklinghausen lebende Schauspieler Wichart von Roëll in seiner Rolle als Fritz Schubert seine große und späte Liebe Amelie (Johanna Liebeneiner) in die Arme schließen.

Wovon manche seiner jüngeren Kollegen träumen, Wichart von Roëll hat sie gehabt: Eine große Rolle und damit acht Monate harte Dreharbeiten für eine TV-Serie. Und das im Alter von 73. Acht Monate lang bestimmte „Lena“ sein Leben, und das als Schauspieler, der mit 65 ganz ordentlich pensioniert wurde und Stress nicht nötig hat.

„Aber ich wollte es, ich habe es mir zugetraut und die letzten acht Monate, die täglichen Dreharbeiten für 180 Folgen, in denen ich mitgewirkt habe, in vollen Zügen genosssen. Es war die spannenste Zeit meines Lebens“, erklärt der agil wirkende, seit vielen Jahren in Recklinghausen lebende Darsteller.
Berühmt wurde der Mann mit dem ungewöhnlichen Namen („den ich aber sehr schön finde und niemals hätte ändern wollen“) mit einer anderen TV-Serie, die seit Jahrzehnten Kult-Status genießt: Wichart von Roëll spielte bei „Klimbim“ den kriegerisch-knurrigen Opa.
Mit dieser Rolle wird er heute noch identifiziert. Stört‘s ihn? Eine Romy Schneider war das „Sissi“-Image lästig, um nur ein Beispiel aus seiner Schauspieler-Zunft zu nennen. Doch Wichart von Roëll hadert nicht mit Klimbim, im Gegenteil: „Ich war dankbar für die Rolle. Es war schön damals. Wir haben unter der Regie von Michael Pfleghar im deutschen Fernsehen etwas völlig Neues geschaffen, eine deutsche Sitcom.“ Und durch Pfleghar habe er viele andere Künstler kennengelernt, auch internationale Größen. Unvergesslich bleibt Wichart von Roëll der Tag, an dem er mit dem legendären Jerry Lewis vier Sketche drehen durfte.
„Das war auch in Köln. Eigentlich waren mehrere Drehtage geplant, aber Jerry Lewis fand Köln nicht schön, er wollte ganz schnell mit der Arbeit fertig werden.“ Beeindruckt habe es ihn, wie hoch konzentriert der US-Star gearbeitet habe.
Und nach den Klimbims? „Eine harte Zeit. Fast zwei Jahre lang bekam ich kein Engagement, weil mich alle nur mit ,Klimbim‘ identifiziert haben.“ Dass ein Künstlerleben Höhen und Tiefen kennt, hat der Wahl-Recklinghäuser hautnah erlebt. „Dass ich aber immer am Ball geblieben bin und neue Arbeit fand, hat auch etwas mit meiner Selbstdisziplin zu tun.“
Ob Theater-Engagements in Berlin, München, Hamburg oder Augsburg, TV-Aufträge oder Rezitationsabende, der 73-Jährige ist auch nach seinem Eintritt in den wohlverdienten Ruhestand gefragt. „Das freut mich. Ich finde besonders die Zusammenarbeit mit jüngeren Kollegen äußerst spannend und befriedigend. Am Set von ,Lena‘ wurde ich mit viel Respekt behandelt, da hat keiner der jungen Kollegen abschätzig reagiert, nach dem Motto: Was will denn der alte Knacker hier.“
Interessant findet er, dass er durch die ZDF-Telenovela, für die er acht Monate lang unter der Woche täglich mehrmals vor der Kamera stand, einen Zuschauerpublikum bekannt wurde, das so jung ist, dass es mit „Klimbim“ wenig oder gar nichts anzufangen weiß. „Das liegt alles am Internet“, ist sich Wichart von Roëll sicher. „Die junge Leute gucken nicht nur Fernsehen, die gehen auch auf Facebook und wie die Portale alle heißen. Für meine Rolle als Fritz Schubert bei ,Lena‘ habe ich viel positive Reaktionen erlebt, besonders von jüngeren Zuschauern.“
Für die Telenovela war Wichart von Roëll regelrecht auf „Montage“, denn nach einigen Wochen gingen ihm die täglichen Zugfahrten auf die Nerven. „Ich hatte in Köln einge kleine Wohnung. Das war gut so. Wir haben regelrecht wie eine große Familie zusammengelebt und gearbeitet.“ Traurig seien alle gewesen, als am 15. April der letzte Drehtag anstand.
In Recklinghausen hat Wichart von Roëll eine neue Heimat gefunden. Dass er oft gebeten wird, zu lesen oder andere Aufgaben zu übernehmen - wie den historischen „Stadtführer“ zu machen, wenn „Recklinghausen leuchtet“, ist ihm Ehrensache, denn: „Ich fühle mich hier sehr wohl.“

Zur Person:
- Wichart von Roëll, Jahrgang 1937, stammt von französischen Hugenotten ab. Er hat viele Jahre in München, Berlin, Hamburg und Köln gelebt. Seit den 90er Jahren lebt der Schauspieler in Recklinghausen.
- Nach seiner Schulausbildung heuerte er sechs Jahre bei der Handelsschiffahrt an, danach macht er eine Schauspielausbildung.
- Nach verschiedenen Theater-Engagements wurde er durch die WDR-Serie „Klimbim“ (1973-1979) zum Star.
- Von 1989 bis 199 moderierte er die Sketchserie „Kanal Fatal“ im Bayrischen Fernsehen.
- Auszeichnungen: Grimme-Preis 1974 für „Klimbim“ und Deutscher Comedypreis (2003).
- Sendungen aktuell: „Lena - Liebe meines Lebens“, ZF, di-fr 10.30 Uhr (Letzte Folge: 21. Juni)
- kommende TV-Sendungen: „Die Anrheiner“, 27. November 2011 und 11. März 2012, 17.45 Uhr, WDR

Autor:

Kerstin Halstenbach aus Marl

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