Film über Elke Spörkel
Testvorführung des Films "Fürchte dich nicht"

Elke Spörkel und Filmemacher Manuel Rees standen nach dem Testscreening Rede und Antwort.
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Film über die transidente Pfarrerin Elke Spörkel ist fast fertig

Am Montag fand in Wesel das Testscreening des Filmes „Fürchte dich nicht“ statt. Das ehemalige Weseler Scala-Kino, jetzt Kulturspielhaus, war bis auf den letzten Platz ausgebucht. Viele Reeser, insbesondere Halderner, nahmen an der Testvorführung teil.

Manuel Rees aus Ulm, Filmemacher und Student an der Filmakademie, hat einen 66 Minuten langen Dokumentarfilm über die transidente Pfarrerin Elke Spörkel-Hänisch erstellt. Mit Hilfe von Interviews stellte er den Werdegang von Pfarrer Hans-Gerd Spörkel, der über 25 Jahre die evangelische Kirchengemeinde in Rees-Haldern geleitet und der sich 2010 dazu entschlossen hatte, durch eine Personenstandsänderung und mit einem sehr aufwendigen Prozess, Elke Spörkel zu werden.
     Eigentlich schon seit frühester Jugend war es Spörkel klar, dass er sich als Frau im falschen Körper befand. Während er dieses Gefühl in den ersten Jahrzehnten komplett unterdrückte und sich niemandem offenbarte, hatte er sich in den letzten Jahren vor der Personenstandsänderung in kleinen Schritten auf die Weiblichkeit zubewegt, mal mit einem weiblicheren Haarschnitt, mal mit Ohrringen oder femininerer Kleidung. „Und irgendwann“, so berichtet Elke Spörkel im Rahmen der Filmvorführung, „ging in Haldern rum, dass man mich in Frauenkleidern gesehen hat.“
     Der Film zeigt den Zwiespalt der Halderner Bevölkerung zu diesem Zeitpunkt. Während der eine Teil Verständnis aufbrachte, weigerten sich andere Elke Spörkel zu bedienen, wechselten die Straßenseite oder verweigerten den Handschlag. Selbst langjährige Freunde wie Heiner Frost oder der Sohn Nils Spörkel, die auch beide mehrfach im Film zu Wort kommen, waren damals mit der Situation überfordert.
     Doch am Ende entschlossen sich die Kirchengemeinde Haldern und auch der Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Wesel, dass Elke Spörkel weiterhin die Halderner Kirchengemeinde leiten soll. Freunde und auch die sieben Kinder akzeptierten die Veränderung.
     Einige Zeit später, so zeigt ein Interview mit dem Gemeindemitglied Anke Knoblich, war dann aber ein Punkt erreicht, wo die Situation für das Presbyterium nicht mehr tragbar war. Spörkel hatte die 20 Jahre jüngere Lehrerin Kerstin Hänisch, kennen- und lieben gelernt und ihr dann während einer Schulstunde offiziell einen Heiratsantrag gemacht. Auch der Kleidungs- und Schminkstil von Spörkel wurde von vielen Gemeindemitglieder bemängelt. „Wer sein eigenes Leben dermaßen in den Mittelpunkt stellt und zelebriert, wirkt egozentrisch und das finde ich unpassend“, erklärte Anke Knoblich.
     Im Endeffekt trennte sich die Kirchengemeinde von Elke Spörkel und diese zog mit ihrer Frau nach Isselburg.
     Im Gegensatz zu den negativen Stimmen kommen auch Wegbegleiter von Spörkel, wie beispielsweise Charlotte Bethke, zu Wort: „Elke Spörkel hat sehr viel für die Kirchengemeinde geleistet und der Mensch ist doch der gleiche geblieben. Wir sollten sie daher weiterhin achten und respektieren.“
     „Entstanden ist ein Mutmachfilm“, erklärte Spörkel in einer Diskussionsrunde im Anschluss an den Film, „bei allen Schwierigkeiten, die Menschen haben, die sich outen und verändern, zeigt der Film, dass es eine Chance gibt weiter zu leben und damit anderen Mut zu machen. Jeder soll seinen Weg gehen, machen was man sich vorgenommen hat und nicht nur darauf schauen, was andere dazu sagen.
     Auch der Emmericher Bürgermeister Peter Hinze, der im Publikum saß und auch persönlich das Filmprojekt bei einer Crowdfunding-Initiative unterstützt hatte, äußerte sich positiv über den Film: „Es ist ein verdammt ehrlicher Film geworden, ich finde es super, dass beide Seiten zu Wort gekommen sind.“ Er bewunderte Elke Spörkel, wie diese die Gegenstimmung ausgehalten hätte: „Ich weiß was ein Coming-Out ist, aber den Weg, den du gegangen bist, ist nochmal doppelt so schlimm.“
     Die meisten Zuschauer waren begeistert von dem Film. Nur einige anwesende Halderner bemängelten, dass ihr Lindendorf im Film doch sehr spießig dargestellt würde.
     Der Film soll nach Plänen von Manuel Rees bei dem einen oder anderen Filmfestival teilnehmen und dadurch den Weg ins Fernsehen schaffen. Auch in Haldern oder Umgebung werden Interessierte die Möglichkeit zum Anschauen finden.

Dirk Kleinwegen / Stadtanzeiger Emmerich-Rees-Isselburg

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