Konjunkturumfrage für Herbst 2020
HWK-Präsident: „Corona hinterlässt auch im Handwerk Spuren“

Berthold Schröder. Foto: HWK
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Die Covid-19-Pandemie schlägt sich deutlich auf dieStimmungslage im Handwerk nieder: Nur noch 84 Prozent (Herbst 2019: 92 Prozent) der befragten Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage mit gut oder zufriedenstellend.
82 Prozent rechnen miteiner guten Entwicklung in den kommenden sechs Monaten.  Kammer-Präsident Berthold Schröder: „Corona hinterlässt auch im Handwerk Spuren. Zwar sind manche Bereiche vergleichsweise gut durch die letzten Monate gekommen – allen voran das Bau- und  Ausbaugewerbe – und es gab auch schon erste Zeichen der Erholung,  doch gerade die Betriebe der personenbezogenen Dienstleistungen und die Nahrungsmittelhandwerke hat es so schwer getroffen, dass die Verluste nicht mehr aufzuholen sein werden. Schon gar nicht jetzt, in einer zweiten Phase der weit reichenden Beschränkungen zur Pandemiebewältigung. Die Eigenkapitalreserven der Unternehmen sind durch den Lockdown im Frühjahr zumeist aufgebraucht – ein weiterer Substanzverlust wäre vielfach existenzgefährdend.“
„Die Hilfsprogramme von Bund und Land sind wichtige Stützen, aber siewerden die Folgen der Krise nicht voll abfedern können. Deshalb ist es immens wichtig, dass jetzt alles getan wird, um das Infektionsgeschehen nachhaltig einzudämmen. Andernfalls wird der wirtschaftliche Schaden schlimmer sein als damals bei der Finanzkrise.“
Bauhauptgewerbe: Die Stimmungslage im Bauhauptgewerbe übertrifft  mit aktuell 96 Prozent sogar den Wert vom vorigen Herbst (95 Prozent).  29 Prozent der Betriebe gaben an, dass sich ihre Auftragslage in den letzten sechs Monaten verbessert hat.
Ausbaugewerbe: Mit 91 Prozent beurteilen die Ausbauhandwerker ihreaktuelle Lage nicht ganz so positiv wie ihre Kollegen aus dem Bauhauptgewerbe, doch sie liegen weiterhin deutlich über den Werten der übrigen Handwerke. Besonders auffällig ist der mit 63 Prozent hohe Anteil an Betrieben, die ihre Geschäftslage mit „gut“ beurteilen.
Kreishandwerksmeister Christoph Knepper: „In dieser CoronaSituation haben viele Menschen die Dienstleistungen derHandwerksbetriebe vor Ort wieder richtig zu schätzen gelernt. Alle sind froh, dass Handwerker unter enormen zusätzlichen persönlichen und wirtschaftlichen Belastungen weiterhin im Einsatz sind. Die regionalen Fleischer und Bäcker sind wieder sehr gefragt und können sich von den Fleischkonzernen abheben.
Auch die Friseure erlebten nach dersechswöchigen Schließung eine sehr beeindruckende Wertschätzung. Die Gemeinschaft der Innungen in unserer Kreishandwerkerschaft erfahren derzeit einen Zuspruch, wie ich ihn so noch nie erlebt habe. Meine Handwerkskollegen und unser KH-Team zeigen auch einen  beispielgebenden Einsatz. Wir werden alle im Handwerk weiterhinzupacken, um die Versorgung vor Ort zu sichern.“
„Die meisten Innungsbetriebe in der Hellweg-Lippe-Region sind mit ihrer Auftragslage außerordentlich zufrieden. Corona-bedingte Umsatzeinbrüche sind insbesondere im Friseurhandwerk, in Betrieben des Lebensmittelhandwerks mit einem hohen gastronomischen Anteil, in Autohäusern und in Metallbaubetrieben mit hohem Zulieferanteil und internationalen Abhängigkeiten festzustellen. Das Soforthilfeprogramm wird von diesen Betrieben fast ausnahmslos nicht als Hilfe gewertet, da diese ,Hilfe‘ selbst von den meisten Friseurbetrieben mit sechswöchiger Schließung vollständig zurückgezahlt werden muss.“
Handwerke für den Gewerblichen Bedarf: Die Gesamtbeurteilung der aktuellen Geschäftslage ist deutlich auf 72 Prozent gesunken (Herbst 2019: 91 Prozent). Die Konjunkturindikatoren unterstreichen dieschwierige Situation: 59 Prozent der Befragten haben im letzten halben  Jahr Rückläufe beim Auftragsbestand hinnehmen müssen, 56 Prozent gesunkene Umsätze. Die Erwartungen bis zum Frühjahr 2021 sind mit 76 Prozent zurückhaltender als im übrigen Handwerk (82 Prozent).
KFZ-Handwerk: 78 Prozent beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage mitgut oder zufriedenstellend (Frühjahr 2020: 87 Prozent). Die Konjunkturindikatoren sind im KFZ-Handwerk etwas negativer als im übrigen Handwerk. Besonders auffällig sind die Rückgänge beim Auftragsbestand, der bei 66 Prozent gesunken ist (übriges Handwerk: 42 Prozent) und Gesamtumsatz, der bei 64 Prozent geschrumpft ist  (übriges Handwerk: 44 Prozent). Die Erwartungen für die kommendensechs Monate sind bei den Betrieben des KFZ-Handwerks mit 86 Prozent dagegen etwas positiver als im übrigen Handwerk (82 Prozent).
Nahrungsmittelhandwerke: Die positive Einschätzung der derzeitigen  Geschäftslage liegt mit 82 Prozent leicht unter der des übrigenHandwerks (84 Prozent), doch haben sich beide Werte im Vergleich zum Frühjahr 2020 angenähert (89 Prozent zu 93 Prozent). Die Indikatoren sind aber fast alle schwächer als im übrigen Handwerk; insbesondere der Auftragsbestand (82 Prozent) und der Gesamtumsatz (76 Prozent) sind im letzten halben Jahr stark eingebrochen.
Personenbezogene Dienstleistungen: Traditionell ist die Einschätzungder aktuellen Geschäftslage hier schlechter als in anderen Gruppen. Die Pandemiesituation hat diesen Effekt verstärkt: Nur 72 Prozent der Betriebe sprechen von einer wenigstens zufriedenstellenden Situation. Zusätzliche Investitionen, vor allem um den gestiegenen Hygieneanforderungen gerecht zu werden, mussten 27 Prozent der Betriebe tätigen. 35 Prozent der Unternehmen haben ihre Preise erhöht.
Gesundheitshandwerke: Sie sind die einzigen Handwerke, die dieaktuelle Geschäftslage mit 84 Prozent besser einschätzen als im Frühjahr 2020 (78 Prozent). Im Herbst 2019 lag der Wert bei 91 Prozent. Die Auftragsreichweite ist mit 2,1 Wochen pro Betrieb die zweitgeringste; lediglich im KFZ Handwerk ist der Wert mit 1,7 Wochen noch niedriger. Im übrigen Handwerk beträgt die Auftragsreichweite durchschnittlich 6,4 Wochen.
Vergleicht man innerhalb des Kammerbezirks die fünf Bezirke der Kreishandwerkerschaften miteinander, ergibt sich folgendes Bild: Die gedrückte Stimmung wird überwiegend geteilt. Leicht positiver sehen die Betriebe aus Hagen und der Hellweg-Lippe-Region die aktuelle Lage. Die Erwartungen sind in allen KH-Bezirken jeweils schlechter als die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage. Im Raum Dortmund/Lünen liegen beide Werte bei 80 Prozent – und damit im Kammerbezirk am niedrigsten.

Autor:

Anja Jungvogel aus Stadtspiegel Kamen

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