Die Deutschen sitzen auf 1,66 Tonnen Gold

Ralph Marmann

In wenigen Wochen wird ein Großteil der jährlich 35 Millionen in Deutschland verkauften Handys hübsch verpackt unterm Christbaum liegen. Das alte Mobiltelefon verschwindet dann meist in den Schubladen unserer Haushalte, in denen schon jetzt 80 Millionen Altgerätes ungenutzt oder defekt schlummern. „Dieser Bestand ist ein wahrer Schatz“, sagt der Unnaer Ingenieur für Chemietechnik Ralph Marmann. Das Umweltbundesamt beziffert den reinen Materialwert ungenutzter Althandys in Summe auf rund 83 Millionen Euro, Tablet-PCs und Laptops gar nicht mitgerechnet.

„Unabhängig von Alter und Zustand ist das Handy eine einzige Rohstoffquelle“, sagt Marmann und deutet auf sein Mobiltelefon, das nur wenige Monate alt ist. Im Schnitt tauscht jeder Deutsche sein Handy nach 18 – 24 Monaten gegen ein neues Modell aus. Ausgediente oder defekte Mobiltelefone aber besitzen am Ende ihrer Lebensdauer immer noch einen hohen Materialwert. Ein durchschnittliches Handy besteht zu 28 Prozent aus Metallen. Darunter sind wertvolle Edelmetalle wie Gold, das die Hersteller wegen seiner physikalischen Eigenschaften verbauen. „Gold ist ein sehr guter Leiter, der nicht korrodiert und zum Beispiel in den Platinen, den Kontaktbuchsen der Antennen und Akkus verarbeitet ist“, erklärt Ralph Marmann.

Nimmt man alle Geräte zusammen, sitzen die Bundesbürger auf 1,66 Tonnen Gold, 15 Tonnen Silber und 644 Tonnen Kupfer – Tendenz steigend. Diese gewaltigen Mengen leicht recycelbarer Edelmetalle wie Gold, Silber und Palladium fehlen daher der Wertschöpfungskette und müssen unter erheblichem Aufwand geschürft oder abgebaut werden. Die größten Rohstoff-Vorkommen der Erde liegen meist in Entwicklungsländern, wo sie zum Teil unter menschenunwürdigen Zuständen und ohne Rücksicht auf die Umwelt gewonnen werden. Dabei entstehen Schadstoffe, die die Lebensgrundlage unzähliger Menschen bedingungslos zerstören und ganze Landstriche auf lange Zeit belasten.

Tatsächlich werden heute deutlich weniger als 25 Prozent der ausgedienten Telefone wiederverwertet und gelangen zurück in einen nachhaltigen Recyclingkreislauf. Daher wirbt der Unnaer Entsorgungsspezialist Ralph Marmann dafür, ausgediente Fernsprecher in den örtlichen Sammelstellen oder beim Fachhändler abzugeben und fachgerecht entsorgen zu lassen. „Urban mining“ ist das Schlagwort - Rohstoffgewinnung in der Stadt. „Wir sind heute in der Lage, rund 80 Prozent eines Handys vollständig zu recyceln“, sagt Ralph Marmann. „Ein wichtiger Nebeneffekt der Rohstoffgewinnung ist der Umweltschutz. Im Gerät enthaltene Schwermetalle und Schadstoffe werden fachgerecht entsorgt und landen nicht über den Hausmüll auf den Deponien oder in der Schlacken der Müllöfen.“

Die Kreislaufwirtschaft ist die Passion und das Geschäft des Unnaers, dessen Firma Secundo GmbH mit dem handelt, was früher weggeworfen wurde. Insgesamt 35.000 Tonnen verschiedenster Materialien hat die Secundo GmbH im vergangenen Jahr an Abnehmer in ganz Europa vermittelt und dafür gesorgt, dass aus Abfall wieder Rohstoffe werden konnten. Darunter sind Stoffe, die auf den ersten Blick gar nicht so wertvoll erscheinen: Filterkuchen, Siebfraktionen, Müllverbrennungsschrotte, MBA-Schrott, Produktions- und Sortierreste, Aschen, Schlacken oder Filterstäube – in fast jedem „Abfall“ stecken noch wertvolle Rohstoffe.

Autor:

Christopher Bartsch aus Unna

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