"Aktion Tschernobyl": Kinder aus der Ukraine fliegen am Meiersberg
Über den Wolken!

Auch in diesem Jahr ermöglichte die „Aktion Tschernobyl“ Kindern aus Kiew unbeschwerte Tage in Heiligenhaus und Umgebung. So war die ukrainische Reisegruppe rund um Organisatorin Gaby Slotta (zweite von links) einen Tag am Flugplatz Meiersberg und schwebte über den Wolken.
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  • Auch in diesem Jahr ermöglichte die „Aktion Tschernobyl“ Kindern aus Kiew unbeschwerte Tage in Heiligenhaus und Umgebung. So war die ukrainische Reisegruppe rund um Organisatorin Gaby Slotta (zweite von links) einen Tag am Flugplatz Meiersberg und schwebte über den Wolken.
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Bereits zum 27. Mal erlebten jungen Gäste aus der Ukraine im Rahmen der "Aktion Tschernobyl" drei Wochen lang ein abwechslungsreiches Programm in Heiligenhaus, sie knüpften Kontakte und genossen Dinge, die es bei ihnen zu Hause nicht gibt.

„Wir freuen uns jedes Jahr über die große Unterstützung aus Wirtschaft, Politik, Vereinen und Organisationen. Und natürlich über den tollen Einsatz der Gastfamilien, die auch in diesem Jahr den 16 Kindern und ihren zwei Betreuern für drei Wochen ein Zuhause boten“, betont Gaby Slotta, die diese Aktion gemeinsam mit ihrem Mann Gerd seit Beginn federführend organisiert.

Der Stadtanzeiger Niederberg begleitete die jungen Gäste aus der Ferne an einem sonnigen Nachmittag und war mit auf dem Flugplatz am Meiersberg: Sofort war dabei klar, wie viel dieses Engagement Wert ist. Das Wetter hätte nicht schöner sein können – blauer Himmel, weiße Wolken und eine leichte Brise machten die Hitze angenehm erträglich. Doch am schönsten waren das Lachen und die Vorfreude der ukrainischen Gastkinder, die es kaum erwarten konnten, in das Propellerflugzeug zu steigen, das bereits auf sie wartete. Als es endlich los ging, war die Aufregung groß und die ersten drei Kinder kletterten, unter Aufsicht von Pilot Hans-Dieter Beckmann und Flugleiter Thomas Buch, in die viersitzige Maschine. Schnell das Glasdach schließen, anschnallen und schon konnte es losgehen. „Das dicke Grinsen im Gesicht der Kinder zeigt uns, wie viel Spaß ihnen das Fliegen macht. Sowas ist ja auch nicht alltäglich“, so Pilot Beckmann, der gemeinsam mit Flugleiter Buch und Vereinsmitglied Holger Schuster an diesem Nachmittag für die Kinder vor Ort war. „Der Verein Sportflug Niederberg unterstützt die Aktion von Anfang an. Das hat bei uns schon Tradition und läuft von der Organisation bis zur Durchführung Hand in Hand“, so Schuster. Inzwischen war die Propellermaschine zu ihrem ersten Rundflug gestartet und drehte über den Köpfen der Kinder und der Begleitern ab Richtung Essen, über den Baldeneysee und wieder zurück über Velbert und Heiligenhaus zum Flugplatz Meiersberg.

Lange Anreise von 32 Stunden

32 Stunden war die Reisegruppe aus Kiew mit dem Bus unterwegs, bis die Gasteltern sie in Empfang nehmen konnten. „An der ukrainisch-polnischen Grenze gab es eine siebenstündige Wartezeit bei der Abfertigung. Das bedeutete ‚keiner darf den Bus verlassen‘ und die Klimaanlage funktionierte ja auch nicht“, berichtete Gaby Slotta. „Früher wurden wir durchgewunken, weil auf dem Bus ,Humanitäre Hilfe' stand. Das ist heute nicht mehr gestattet.“ Doch die Strapaze sei bei den Kindern schnell vergessen gewesen, viel zu groß war die Freude über den Urlaub in Deutschland. Die Not in dieser Gegend sei immer noch groß, so Slotta. Viele Menschen um das Gebiet des verstrahlten Atomkraftwerks in der Ukraine wurden damals nach Kiew umgesiedelt, doch der Lebensraum sei auch heute noch knapp und die meisten jungen Ukrainer stammen aus Familien, die zum Teil unter den Nachwirkungen der Reaktor-Katastrophe im Jahr 1986 leiden.

Engagement seit 1992

Die "Aktion Tschernobyl" besteht seit 1992 und befindet sich seit dem Jahr 2011 unter der Schirmherrschaft des DRK Heiligenhaus. Inzwischen ist aus der reinen Hilfsaktion viel mehr geworden. Neben dem kulturellen Austausch sind über die vielen Jahre Freundschaften entstanden. Allein sieben von den 16 Kindern waren schon mehr als einmal in Deutschland, denn viele der Gasteltern laden „ihre“ Kinder noch einmal ein. So auch Familie Volkmann aus Wülfrath. Die 16-jährige Nastia ist bereits zum dritten Mal bei ihnen zu Besuch und spricht bereits fließend Deutsch - nicht zuletzt, weil sie aus eigener Initiative einen Deutschkurs besucht habe, berichtet der Gastvater nicht ohne Stolz.
Eine andere Gastmutter ist zum ersten Mal dabei. Maria und Anna, beide 13 Jahre, haben bei der Familie aus Kettwig ein Zuhause auf Zeit gefunden. Wie wichtig so ein Austausch ist, weiß die Gastmutter aus eigener Erfahrung, denn auch ihre bereits erwachsenen Kinder haben Auslandserfahrungen hinter sich und das habe viel gebracht.

Jungen Ukrainern ein Zuhause auf Zeit bieten

Viele der Gastfamilien sind Wiederholungstäter, einige sind schon mehr als acht Jahre dabei. Die Gründe können verschieden sein: Bei den einen stehen die Kinderzimmer leer und werden für drei Wochen wieder mit Leben gefüllt – bei den jungen Familien freuen sich die Kinder auf neue Freunde aus der Ukraine.
Auch in diesem Jahr konnte sich das Programm sehen lassen: Ganz vorne stand für die Kinder natürlich der Bürgermeisterempfang mit anschließendem Grillen beim DRK. Danach jagte ein Event das Nächste. Neben dem Flugerlebnis auf dem Meiersberg, ludt die Frauen-Union Heiligenhaus beim TC Rot-Weiß zum Tennisspielen ein, Landrat Thomas Hendele begrüßte die Reisegruppe bei der Polizei Mettmann, die "Demonic Heads“ unternahmen eine Motorradtour und auch das Kegeln bei den Sportkeglern, die Shoppingtour mit Heinz Nardmann, der Besuch des Waldkletterparks Langenberg, der bunte Nachmittag im Ludgerus-Treff oder der Besuch des Movie Parks in Bottrop durften nicht fehlen. Da kam so leicht keine Langeweile auf. Nicht zu vergessen: Grillabende und Schwimmnachmittage sorgten darüber hinaus dafür, dass alle sich besser kennenlernen konnten und vor allen Dingen viel Spaß hatten. Und den hatten die Kinder ganz sicher auch bei ihren Rundflügen am Meiersberg. Alexandra zumindest war glücklich und „hatte überhaupt keine Angst“, zu schön waren die Eindrücke aus der Luft. Das würde sie gerne noch einmal machen.

Information: Wer sich ebenfalls vorstellen könnte, ukrainischen Kindern im nächsten Jahr ein Zuhause auf Zeit zu geben oder diese Aktion gerne unterstützen möchte, meldet sich bei Gaby Slotta unter Tel. 02056/4422 oder unter gaby.slotta@gmx.de.

Autor:

Astrid von Lauff aus Velbert-Langenberg

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