"Wesel sucht den Superstar" - Ein besonderer Weihnachtsgottesdienst

Heute vormittag um 10:00 Uhr läuteten die Glocken der St. Mariä Himmelfahrt Kirche hier in Wesel für den Weihnachtsgottesdienst der Schule am Ring. Seit nunmehr vier Jahren ist meine Tochter Maja Schülerin dort und obwohl ich nicht gläubig bin, habe ich bisher keinen dieser Gottesdienste verpasst. Warum? Weil es jedesmal ein echter Show-Act ist. Diese "Kids mit Handicap" und das Lehrer(dream)team organisieren in Zusammenarbeit mit den beiden Kirchen (im jährlichen Wechsel mit dem Willibrordi-Dom) ein ca. 1-stündiges Programm, das das Herz aller öffnet.

Dieses Jahr bin ich spät dran. Von der Tiefgarage aus renne ich fast dem Klang der Glocken entgegen und als ich die Kirche betrete nehme ich erstaunt hinten Platz, denn ein Beamer strahlt das RTL-Superstar-Logo an die Wand. Ich blicke mich um und sehe in viele mir nunmehr vertraute Gesichter. Diese Kids freuen sich über jede kleine Aufmerksamkeit. Tobi, ein Oberstufenschüler zum Beispiel, sitzt zwei Reihen vor mir und schmettert mir energisch winkend ein "Hallo Mama von Maja!" entgegen. Trotz der üblichen Kälte in den Kirchen ist es hier einem sofort warm ums Herz. Weil man sich Willkommen fühlt. Herzlich Willkommen.

Eine Lehrerin geht umher und verteilt das Programmheft. Vorne auf dem Deckblatt ist ein großer Sechsarm-Stern abgebildet. Ich blicke nochmal hoch an die Wand und lese "Wesel sucht den Superstar". Tja, das Motto des Gottesdienstes ist mir nunmehr klar. Und ich fühle noch mehr Vorfreude.

Die Kirchenorgel ertönt und der Gottesdienst beginnt. Alle werden begrüßt und die Lehrerband (!) musiziert. Das Lied "Die Kerze brennt" steht als erstes Lied an. Im Anschluss wird erzählt, dass an den letzten Montagen jeweils ein Adventssingen im Forum der Schule am Ring stattgefunden hat im Kreise aller Schüler und Schülerinnen. Dabei ist die Idee entstanden den / die jeweils
1.) größten Schüler
2.) stärksten Schüler
3.) schnellsten Schüler
4.) strahlendsten Schüler
5.) erfahrensten Schüler
und 6.) lustigsten Schüler
zu finden. Und diese 6 Schüler / Schülerinnen dürfen beim Contest "Wesel sucht den Superstar" mitmachen. Eine 3-köpfige Schüler-Jury darf dann den Superstar küren.

Es stellt sich allerdings heraus, dass die Jury sich nicht entscheiden kann. Denn jeder ist auf seine Art sehr talentiert. Das überraschende Ergebnis ist zum Schluss, dass alle 6 Schüler / Schülerinnen Superstars sind. Und zusammen ergeben sie einen RIESENSUPERSTAR. Das Wunderschöne ist, dass diese kurze Erzählung im Anschluss per Beamer als kleiner Film allen Gottesdienst-Teilnehmern vorgeführt werden konnte. Ein Film, der meines Erachtens einen Mini-Oscar verdient hat. Humor, Spannung, Action und Herz kommen hier wirklich nicht zu kurz ;-)

Passenderweise wurde nun das Lied "Ein heller Stern" von allen geschmettert. Ja, Sie merken: es gibt viel Gesang und wenig Reden. Vermutlich weil die Kids sonst nicht lange still sitzen können. Mir ist es jedenfalls sehr Recht... Gloria! Gloria! Halleluja.

Nach einem weiteren Lied stehen die Fürbitten an. Vier Schülerinnen gehen nach vorne und wir werden gebeten die Hände zu falten. Ich bemerke, wie sich einige Kids stattdessen an die Hand nehmen. Ich muss lächeln. Missverständnisse deluxe. Die vier Schülerinnen konzentrieren sich auf das Ablesen ihrer Fürbitten und bekommen es wirklich langsam aber klar und deutlich hin. Schön!

Beim "Vater unser" wird sich vorbildlich erhoben und nun folgt ein weiterer Showact: der Schülerchor! Von der Lehrerband musikalisch begleitet wird der "Stern über Bethlehem" gesungen und sogar gebärdet. Meine Tochter Maja ist seit nunmehr zwei Jahren stolzes Mitglied des Schülerchors und ich sehe ihr verzückt zu wie sie singt und sogar gebärdet. Bei dem Wort "Stern" im Refrain haut sie (aus Versehen) beim Gebärden mit ihrer Hand den Schüler rechts neben ihr, weil sie mit voller Kraft das Händchen über ihren Kopf gleiten lässt... aber der Schüler liess sich davon nicht beim Singen stören. Alles gut. Alles bunt. Alles eben besonders.

Der Gottesdienst geht dem Ende zu. Verabschiedung. Segen. Und dann nochmal richtig festlich: Es mischen sich Lehrer unter den Schülerchor. Und es wird zusammen, auch unter Begleitung der Lehrerband, einer meiner absoluten Lieblingsweihnachtssongs vorgetragen: Happy Xmas!

Eine Förderschule, die den meines Erachtens schönsten Weihnachtsgottesdient bietet. Ihren Schülern. Und auch Gästen. Ich bin nächstes Jahr im Dezember auf jeden Fall wieder stiller Gast und lasse mich aufwärmen. Vielleicht auch Sie?!

Autor:

Sabine Lattek aus Wesel

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