Es war einmal ...

... eine arme Bauersfrau, die hatte schrecklichen Hunger, weil die Zeiten so hart waren, dass es allzu oft am Nötigsten mangelte. Sie lebte aber in der nähe eines hohen Turms, in dessen Garten die köstlichsten Salate wuchsen und so ging die arme Bäuerin des Nachtens heimlich in den Garten dieses Turms, stach sich einen solchen und dachte sich „Der Herrgott ist gütig zu uns armen Leut' und wird mir diese Tat schon nicht vergelten, denn mein Bauersmann und ich würden ohne diesen Salat den sicheren Tod sterben!“

Doch die ansonsten brave Bauersfrau hatte die Rechnung ohne die drei bösen Hexen gemacht, die in dem hohen Turme bei dem Garten wohnten. Deren Namen waren Eitelgunde, Neideline und die jüngste von ihnen - Blondie.
Die standen dereinst denn plötzlich um die Bauersfrau herum und schallten diese, warum sie ihren preisgekrönten Salat denn stahl. Schlimme Flüche, Pestilenz und Cholera verwünschten die bösen Hexen der armen Bauernmaid an den hübschen Hals und drohten ihr sogar mit der Kreis Polizeibehörde, dass die Bäuerin weinend zusammen brach und um Vergebung und um den einen Salatkopf flehte, dass sie und ihr Mann nicht des Hungers sterben müssten.

„Nun denn, es sei!“, sprach Eitelgunde „Wir werden dir dein Leben, deine Freiheit und auch den Salat lassen, doch dafür versprichst du uns als Entschädigung, dein erstgeborenes Kind, sobald du niedergekommen sein wirst!“

Zitternd und bebend vor Hunger und Furcht willigte die Bäuerin ein, nahm den Salat und ging ihres Weges.

Die Monate aber zogen ins Land, die Zeiten besserten sich und bald darauf gebar die Bäuerin einen Sohn, schön und weiß von Angesicht, dass es eine Freude war und sie gaben ihm den Doppelnamen Rapunz-Erich. Doch nur zwei Tage später standen die drei Hexen vor der Wiege und nahmen das Kind mit sich fort und es lebte fortan bei ihnen im Turm. Die Schwestern lehrten ihm die Haushaltsführung so das sie selbst keinen Finger mehr zu krümmen brauchten.

Die Jahre vergingen und aus dem Knaben wurde ein Jüngling der niemals in seinem Leben weiter als bis zum Gartenzaun des Türmlichen Anwesens gekommen war. Und da erhob er eines Tages die Stimme gegen die hexlichen Schwestern und bat um nur eine Stunde Freigang pro Tag! Doch Eitelgunde und Neideline misstrauten ihm und gewährten ihm diese Bitte nicht. Blondie hingegen hatte Mitleid mit dem jungen Mann, doch ihre Furcht vor den älteren Schwestern war groß, so dass sie dem Knecht aber ein kleines Fenster ganz oben in der Turmspitze in das Mauerwerk schlug, damit er wenigstens in die Ferne sehen und von der Freiheit träumen konnte.

Tjo und da saß nun Rapunz-Erich Abend für Abend nach getanem Tagwerk an seinem Fensterchen und staunte über das wenige was er dort sah. Aber das genügte ihm denn er kannte es ja nicht anders.

Und so lebten die vier noch viele Jahre auf engstem Raum und wenn sie nicht gestorben sind, dann staunen sie noch heute …

ENDE

Autor:

Imke Schüring aus Wesel

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