Pilgerwanderung zum Osterfest am Bethaus

Die Burgruine Hardenstein liegt auf der Pilgerwander-Route zum Bethaus im Muttental. Man erreicht sie jetzt auch wieder mit der Fähre. Foto: Wa-Archiv
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  • Die Burgruine Hardenstein liegt auf der Pilgerwander-Route zum Bethaus im Muttental. Man erreicht sie jetzt auch wieder mit der Fähre. Foto: Wa-Archiv
  • hochgeladen von Annette Schröder

Pilgern ist in, wandern auch - was liegt da näher, als besonders zu hohen christlichen Feiertagen einfach einmal beides zu verbinden? Die Zeit um Ostern bietet sich dafür geradezu an - wenn das Wetter ein bisschen mitspielt. Aber Wanderer sind ja nicht aus Zucker.
Man muss nicht gleich bis nach Santiago de Compostela laufen, um eine Pilgerwanderung zu machen. Überall in Nordrhein-Westfalen und auch bei uns im Ruhrgebiet gibt es Kirchen, Kapellen oder Klöster mit besonderer Bedeutung, zu denen man wandern kann.
Das Büchlein „Ruhrgebiet - Erlebniswanderungen zu heimischen Pilgerorten“ vom Droste-Verlag bietet dazu eine Mengen Anregungen. Zudem handelt es sich hier um Touren, die nur von einer bis zu sechs Stunden lang sind und in praktischen Rundkursen angelegt sind.
Es können Wallfahrtsorte erwandert werden wie das Zisterzienser-Kloster in Bochum-Stiepel, die Kirche St. Barbara in Gelsenkirchen, das Kirchdorf Niederwenigern in Hattingen oder in Witten zum Bethaus der Bergleute im schönen Muttental.
„Die Strecken kann man ganz weltlich durchwandern und sich nebenbei über die Geschichte der sakralen Bauten am Wegesrand informieren“, sagt Yvette Schwede vom Droste-Verlag. Zu allen Touren gibt es detaillierte Wegbeschreibungen, Hinweise zu Sehenwürdigkeite, Fotos sowie eine Serviceteil mit Karten, Informationen zum Streckenprofil und Anreise sowie natürlich auch Tipps für die Einkehrmöglichkeiten.
Die Wanderung zum Bethaus der Bergleute im Muttental bietet sich an diesem Oster-Wochenende ganz besonders an, weil dort am Sonntag und am Montag jeweils von 12 bis 18 Uhr ein Osterfest stattfindet. Geboten wird ein umfangreiches Programm mit jeder Menge Mitmachaktionen wie Schmieden, Stockbrotbacken, Ostereier marmorieren und Kartoffeldruck
Der Rundkurs durchs Muttental beginnt am Schloss Steinhausen, das für die Wanderer nicht nur mit dem Auto, sondern auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist und sogar mit der Museumsbahn, die am gerade die Saison eröffnet hat und natürlich auch am Osterwochenende wieder durchs Ruhrtal dampft.
Die Strecke ist etwa zehn Kilometer lang und laut Wanderführer für Fahrräder und Kinderwagen „eingeschränkt geeignet“. Sie dauert etwa zweieinhalb Stunden.
Nach dem Routenplan ist man recht schnell am Bethaus und beginnt dann die große Runde bis zurück zum Schloss Steinhausen. Man kann aber natürlich auch andersherum gehen oder nur bis zur Burg­ruine Hardenstein und von dort aus mit der Fähre übersetzen und entlang der Ruhr zum Kemnader See weitergehen.
An der Fähre gibt es mit dem Schleusenwärterhäuschen eine weitere Gelegenheit zur Einkehr, wenn man keine Lust hat, Verpflegung selbst mitzunehmen.
Oder man steigt nach Beendigung des Rundkurses in die Ruhrtalbahn und beendet den Osterfeiertag an einer der vielen Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke, nicht zuletzt dem Eisenbahnmuseum in Bochum-Dahlhauen selbst.

Die komplette Routenbeschreibung:
Wir starten auf der Nachtigallstraße und folgen der Markierung XR. Schon nach wenigen Minuten erreichen wir den Gipfel mit Schloss Steinhausen. Das Hauptportal befindet sich rechts und ist recht unauffällig. Wir gehen hindurch, erkunden die Anlage und können den ausgefallenen Skulpturenpark am besten von der Terrasse der Schlossgastronomie überblicken.
Schloss Steinhausen wurde im 13. Jahrhundert von den Herren von Witten gebaut. Sein Wahrzeichen ist der mittelalterliche Rundturm an der Ostseite. Der marode Helm des Turms steht wie ein Wigwam auf einer Wiese im Hof. Ein Wohnhaus aus der Renaissance und ein mittelalterliches Wirtschaftsgebäude schließen an den Turm an. Im Norden des Areals findet sich das zweigeschossige Herrenhaus, das im 19. Jahrhundert im klassizistischen Stil umgestaltet wurde. An der nordöstlichen Ecke des Herrenhauses befindet sich die Schlosskapelle aus dem Jahr 1648. In ihrem Inneren sind alte Grabplatten aus dem 15. bis 18. Jahrhundert zu sehen.
Neben der Schlossgastronomie sind auf der Anlage Künstlerate¬liers untergebracht. Der Skulpturenpark wird mit zeitgenössischer Kunst aus Simbabwe bestückt.
Gegenüber dem Hauptportal gehen wir in die Anliegerstraße mit der X-Markierung. Nach einer Weile folgen wir dem X über einen schattigen Feldweg links hinunter ins Muttental. Wir kommen zur Muttentalstraße und linksherum auf den Weg, der die Entwicklung des Bergbaus darstellt. Schnell erreichen wir das Bethaus der Bergarbeiter, wo wir mit frisch gebackenen Waffeln eine Pause einlegen können.
Das 1830 erbaute Bethaus der Bergleute ist heute das letzte seiner Art. Wenn frühmorgens die Glocke vom kleinen Türmchen auf dem Dach des Bethauses rief, begann im Muttental die Schicht. Um bei der gefahrvollen Arbeit göttlichen Schutz zu erbitten, wurde zu Beginn eine Andacht gehalten, danach folgte der Zählappell. Im unteren Geschoss des Bethauses befand sich eine Schmiede und Reparaturwerkstatt. Heute ist das restaurierte Bethaus ein Museum zur Bergbaugeschichte vor Ort.
Wir setzen unseren Weg dem XR folgend fort und kommen schon bald zur Bergbauausstellung Herberholz. Hier werden viele Gerätschaften der Bergarbeiter gezeigt. Daran schließt sich das Steigerhaus an, in dem die Sektion Witten des Sauerländischen Gebirgsvereins beheimatet ist.
Anschließend gehen wir an der ehemaligen Zeche Hermann vorbei. Wir laufen ohne Asphalt weiter geradeaus. Dann geht es in sanften Kehren gemächlich bergan, entlang an bewaldeten Hängen. Immer wieder finden wir Relikte aus der Bergbauzeit wie beispielsweise die Verladestation der Zeche Jupiter.
Am nächsten Abzweig orientieren wir uns weiter am XR und schlängeln uns durch das schöne Tal. An einer früheren Station der Muttenthalbahn kommen wir für eine kurze Strecke in den Wald. Doch schon bald wird es wieder lichter, und wir gehen an einer schönen alten Eiche vorbei, die als Naturdenkmal ausgewie¬sen ist. Kurz dahinter endet der Bergbauwanderweg Muttental. Wir überqueren die Straße und biegen mit unserem X an den Parkplätzen ein.
Nach einem kurzen Anstieg mit schönem Blick über das Muttental halten wir uns rechts. Unser Weg bringt uns über Esel- und Ziegenweiden, vorbei an Fachwerkhäusern. Hinter den Fischteichen geht es geradeaus wieder in den Wald und leicht bergab. An der nächsten Kreuzung verlassen wir das X und folgen nun rechts dem weißen Kreis über eine kleine Brücke. Nach wenigen Metern biegen wir wieder rechts ab und gehen über den schmalen unteren Trampelpfad, der nach einer Weile sanft aufwärts führt. Wir erreichen eine Lichtung und folgen dem etwas schroffen, ganz schmalen Weg links Richtung Wald. Dort angekommen, gehen wir mit dem weißen Kreis nach rechts, bis wir zu einem Gartentor kom¬men und linksherum weiterlaufen. Der Weg wird breiter und führt uns mit einer Rechtskurve aus dem Wald heraus. Wir wandern an einigen Wohnhäusern vorbei und können einen herrlichen Fernblick genießen. Rechts gehen wir ein paar Stufen hinunter und dann gleich links auf einen breiten Schotterweg. Der Weg mündet an der Rauendahlstraße, die wir überqueren und dem Kreis folgend in die Sackgasse gehen. Am Wegesrand sehen wir eine Jesusskulptur. An der nächsten Einmündung wechseln wir links zur Markierung A 3 und kommen an einem Feuerwehrturm vorbei.
An den Häusern folgen wir der Markierung rechtsherum und finden auch schon die ersten Hinweisschilder zur Burg Hardenstein. Vorbei an der Borbecker Mulde des Steinkohlengebirges geht es leicht bergab. Am Abzweig Berghauser Straße laufen wir links hinunter in den Wald hinein. Nach dem nächsten Rechtsknick wandern wir an weiten Wiesen vorbei zu einzelnen Häusern. In Höhe von Haus Nummer 35 kommen wir wieder auf einen Waldweg, und nach wenigen Schritten geht es mit dem A 3 nach links und steiler bergab. Unten angekommen, nehmen wir den ersten Weg rechts und können erneut einige Zeugen der Bergbaugeschichte finden. Bald erreichen wir auch schon die Burgruine Hardenstein.
Alte Funde bezeugen, dass die Burg Hardenstein bereits im 14. Jahrhundert erbaut und bis zum 17. Jahrhundert mehrfach umgebaut wurde. Seitdem 18. Jahrhundert wurde der Adelssitz nicht mehr bewohnt und begann zu verfallen. Heute wird die spätmittelalterliche Burganlage von den Burgfreunden Hardenstein betreut.
Wir verlassen die Burganlage durch den Haupteingang und ge¬hen geradeaus entlang den Gleisen der Ruhrtalbahn. Auf der anderen Seite befinden sich schroffe Felswände. Auf diesem leicht kurvigen Weg bleiben wir eine Weile und kommen an weiteren Stollen vorbei. Wir passieren ein schweres Eisentor und gehen bald noch weiter bergab. An einer schmalen Straße wenden wir uns nach links auf die Straße Auf der Marta und biegen kurz darauf an der Tiefbauzeche Marta ein weiteres Mal links ab. Nach ein paar Kurven sind wir zurück bei den Bahngleisen, denen wir parallel folgen. So kommen wir zur Zeche Nachtigall und freuen uns dort auf eine Bratwurst vom Grill.
Die Zeche Nachtigall von 1714 ist die älteste Tiefbauzeche südlich der Ruhr. Als sie im frühen 19. Jahrhundert vom Stollenbau zum Tiefbau überging- das heißt, Teile des Bergwerks lagen jetzt so tief, dass das Grubenwasser nicht mehr von selbst abfloss, wurden Dampfmaschinen zur Wasserhaltung und Kohlenförderung eingesetzt. Nach der Stilllegung 1892 wurde die Anlage zur Ziegelei Dünkelberg umgebaut. Das Maschinenhaus, die Waschkaue, ein Verwaltungs- und Wohnhaus sowie der viereckige, aus Ziegeln gemauerte Wetterschornstein sind noch erhalten und wurden restauriert. Im Maschinenhaus befindet sich eine der ältesten Dampffördermaschinen des Reviers aus dem Jahre 1887. Höhepunkt für die Besucher ist ein Gang durch den Nachtigallstollen: Ausgerüstet mit Fahrmantel, Helm und Lampe geht es hinein in einen echten Steinkohleflöz.
Wir gehen über den A 3 weiter, queren die Bahngleise und folgen der Straße rechtsherum. Zwischendurch nähern wir uns
dem Ruhrufer und laufen später entlang einer Aue. Wir passie¬ren die Rettungswache der DLRG Witten und queren schlie߬lich am Gruben- und Feldbahnmuseum Zeche Theresia erneut
die Gleise. Dann folgen wir der Straße nach links und laufen di
rekt auf den Parkplatz Nachtigallstraße zu. Die Bushaltestelle
befindet sich ein Stück weiter an der Nachtigallstraße.

Die Burgruine Hardenstein liegt auf der Pilgerwander-Route zum Bethaus im Muttental. Man erreicht sie jetzt auch wieder mit der Fähre. Foto: Wa-Archiv
Die alte Turmspitze von Schloss Steinhausen in Bommern.
Autor:

Annette Schröder aus Bochum

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